Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt stehen im Zentrum der Geschehnisse
Ein Überblick zur Führungskrise beim VfB: Machtkampf, Datenskandal - Chaos-Tage
VonDominik Jahnschließen
VfB Stuttgart steckt im Datenskandal und im Machtkampf ums Präsidentenamt fest. Zu den Chaos-Tagen in der Führungskrise ein kleiner Überblick.
Der VfB Stuttgart kämpft seit Wochen mit einer hausgemachten Führungskrise. Machtkampf um das Amt des Präsidenten und der Datenskandal mit Verzögerungsvorwürfen, einem Zwischenbericht, der an die Öffentlichkeit durchsickerte und nicht zuletzt eine Pressekonferenz des Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger mit einer Stellungnahme.
Mit Blick auf den sportlichen Verlauf in dieser Saison schmerzt der selbst entzündete Flächenbrand auf der Führungsetage des VfB Stuttgart doch sehr. Die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo hat mit den bisherigen Auftritten überzeugt - Leistungsschwankungen der jungen Mannschaft werden in Kauf genommen.
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Doch wie haben die Dinge ihren Anfang genommen und an welchem Punkt befindet sich der VfB Stuttgart und die handelnden Personen aktuell? Im Folgenden ein Überblick über die Chaos-Tage beim Aufsteiger.
VfB Stuttgart und der Datenskandal
September 2020 - Skandal kommt ans Licht: Ende September 2020 sorgte ein Bericht im Kicker für große Aufregung. Laut dem Fachmagazin sollen im Vorfeld der Mitgliederversammlung 2017 Daten von Vereinsmitgliedern an Dritte weitergegeben haben. Im Frühjahr 2016 wurde mit der PR-Agentur des bekennenden VfB-Fans Andreas Schlittenhardt eine offizielle Kooperation geschlossen. Dieser verantwortete auch die Facebook-Seite „Fokus VfB“. Das Ziel waren 40.000 Fans und eine monatliche Reichweite der Seite von 300.000 Menschen. In der Präsentation heißt es: „Kurz vor der Mitgliederversammlung wird ‚Fokus VfB‘ eine Wahlempfehlung für die Ausgliederung aussprechen und zur Teilnahme an der Mitgliederversammlung aufrufen.“ Mit Erfolg.
Mitarbeiter im Fokus: Auslöser für die Misere des VfB Stuttgart ist dabei laut dem Kicker ein langjähriger Mitarbeiter der Schwaben: Oliver Schraft. Der 53-jährige gilt laut StN.de im Verein als der „heimliche Präsident“ und spricht bei wichtigen Entscheidungen immer mit. Nur wenige Tage nachdem der Datenskandal aufgedeckt wurde steht der Mediendirektor des VfB Stuttgart selbst in der Kritik.
24. Januar - Thomas Hitzlsperger wehrt sich mit einer Stellungnahme: Nach Wochen des Schweigens gibt Thomas Hitzlsperger auf einer Pressekonferenz eine Stellungnahme ab. Dem Vorstandsvorsitzenden des VfB Stuttgart geht um Vorwürfe in den Medien, er und weitere Teile des Präsidiums hätten die Aufklärung der Datenaffäre erschwert. Dazu spricht er über die persönlichen Anfeindungen und die kommende Mitgliederversammlung.
22. Januar - Hitzlsperger reagiert auf Twitter: Via Twitter meldet sich Thomas Hitzlsperger zu Wort. Der Vorstands-Boss des VfB Stuttgart postet wirksam den Artikel der Bild-Zeitung „Esecon entlastet VfB, Stuttgart prüft Strafanzeige“. Doch der Tweet stößt nicht nur auf Gegenliebe . Fans kommentieren teilweise wütend: „Ich hab mal viel von dir gehalten aber jetzt nicht mehr!“ , „Dir ist auch gar nichts mehr peinlich oder“, „Du bist wirklich komplett von allen guten Geistern verlassen“.
21. Januar - Esecon meldet sich zu Wort: Nach dem Artikel in der Stuttgarter Nachrichten meldet sich die ermittelnde Kanzlei bei der Bild-Zeitung zu Wort. Esecon-Geschäftsführer Kai P. Feigenbutz: „Wir können bestätigen, dass Verbesserungen für die weitere Untersuchungszusammenarbeit mit dem VfB erzielt wurden. Sie erhöhen die Integrität der Untersuchungsergebnisse.“
19.Januar - Vertuschungs-Vorwürfe gegen Thomas Hitzlsperger: Den Stuttgarter Nachrichten liegt ein Zwischenbericht der Kanzlei Esecon vor. Laut dem Artikel „Ermittlungen mit Hindernissen“ soll der Vorstand der VfB-AG, Stefan Heim, Jochen Röttgermann und Boss Thomas Hitzlsperger sowie Rainer Mutschler, Präsidiumsmitglied im e.V. und Angestellter der AG die Ermittlungen im Datenskandal beeinflusst und verzögert haben. Der VfB Stuttgart bestreitet die Vorwürfe.
14. Januar - Ex-Präsident Dietrich äußert sich: Das Ergebnis zum Datenskandal steht noch aus. Jetzt meldet sich der Ex-Präsident des VfB Stuttgart zu Wort. Wolfgang Dietrich war nach eigener Aussage nicht über die angebliche Weitergabe von Mitgliederdaten an Dritte vor und während seiner Amtszeit beim VfB informiert. Auch über die damals angeblich beauftrage Präsentation unter der Überschrift ‚Guerilla-Marketing-Kampagne‘ sei er nicht informiert gewesen.
10. November 2020 - Unterlagen nachgeliefert: Fristgerecht hat der VfB Stuttgart alle Unterlagen nachgeliefert. Gegenüber der Stuttgarter Nachrichten erklärt Präsident Vogt: „Wir haben die Fragen des Landesdatenschutzbeauftragten fristgerecht beantwortet. Das kann ich bestätigen.“
27. Oktober 2020 - Frist abgelaufen! Unterlagen fehlen: Eine gesetzte Frist im Auskunftsverfahren durch den Landesdatenschutzbeauftragte in Baden-Württemberg ist abgelaufen. Der VfB Stuttgart hatte laut einem Kicker-Bericht Zeit entsprechende Unterlagen einzureichen - doch es fehlen noch Angaben. Aufschub bis zur zweiten Novemberwoche. Stefan Brink, der Landesdatenschutzbeauftragte erklärte zudem zur Zusammenarbeit mit Esecon: „Man will uns von dort auch Ergebnisse zu dem Datenskandal des VfB Stuttgart zur Verfügung stellen.“
Externe Kanzlei wird beauftragt, Ex-Präsident des VfB weißt Vorwürfe zurück
8. Oktober 2020- Kanzlei Esecon wird eingeschaltet: Für die lückenlose Aufklärung, wurde laut Stuttgarter Nachrichten, eine Berliner Anwaltskanzlei hinzugezogen. Die Leitung der Untersuchungen bleiben dabei, wie von ihm angekündigt, bei Claus Vogt. Gegenüber der Kanzlei gab es allerdings laut dem Bericht durchaus Bedenken.
1. Oktober 2020 - Aufklärung soll beginnen: Jetzt äußert sich VfB-Präsident Claus Vogt zum Datenskandal. In einer Mitteilung auf der Homepage des VfB Stuttgart erklärt er: „Dieser mutmaßliche Datenschutzverstoß in den Jahren 2016 bis 2018 mit Mitgliederdaten, wenn er denn so stattgefunden hat, wäre für mich ein nicht zu akzeptierender Tabubruch und würde kein gutes Licht auf unseren VfB Stuttgart werfen.“ Auf Twitter wendet er sich zudem direkt an die Mitglieder des Vereins.
VfB Stuttgart erlebt einen Machtkampf um das Amt des Präsidenten. Die Beteiligten kommen nicht gut weg. Alles zum Ablauf!
Der VfB Stuttgart sucht 2021 einen neuen Präsidenten. Alles klar! Der amtierende Präsident Claus Vogt wird‘s schon machen. Klarer Fall von denkste. Pünktlich zum Jahreswechsel knallt es bei den Schwaben. Thomas Hitzlsperger will Präsident beim VfB Stuttgart werden.
24. Januar - Hitzlsperger nimmt in PK teilweise Stellung zum Machtkampf: In einer Pressekonferenz zum Datenskandal und harten Vorwürfen gegen seine Person, spricht Thomas Hitzslperger auch in Teilen über den Machtkampf mit Claus Vogt. Es ist der Versuch zu erklären, wie es zum offenen Brief kam.
18. Januar - Vereinsbeirat sucht eigenen Kandidaten: Jetzt wird‘s wild! Der Machtkampf könnte zum MachtKRampf werden. Der Vereinsbeirat erklärt er werde „von seinem in der Satzung verankerten Recht, von sich aus mögliche Kandidaten anzusprechen, nun Gebrauch machen, um die möglichen Handlungspositionen für den 18. März zu erweitern“
17. Januar - VfB-Ultras mit Spruchband im Stadion: Die Fans des VfB Stuttgart machen sich Luft. auf dem Spruchband vor der Cannstatter Kurve deutlich: „Sonnenkönig 2.0 - Habt Ihr einen Schatten?“ Ein Zeichen gegen den versuch der Machtanhäufung von Hitzlsperger.
15. Januar - Hitzlsperger entschuldigt sich bei Vogt: Der Machtkampf hinterlässt seine Spuren im Verein und bei den Beteiligten. Von Thomas Hitzlsperger kommt ein Signal der Versöhnung: „Es tut mir aufrichtig leid, dass ich in meinem offenen Brief gegenüber Claus Vogt Worte gewählt habe, die nicht angemessen waren und ihn persönlich getroffen haben.“ Er habe die „Wucht der Worte“ unterschätzt. ABER: Seine Kandidatur wird er nicht zurückziehen.
7. Januar - Fans melden sich im Machtkampf beim VfB Stuttgart zu Wort: In einer Mitteilung, die das Commando Canstatt auf seiner Homepage veröffentlichte, werden die Fanvertreterinnen und -vertreter des VfB-Fan-Ausschusses deutlich und erklären, man sei „maßlos enttäuscht“ über die aktuelle Situation.
6. Januar - Maulkorb für Vogt und Hitzlsperger: Um eine weitere verbale Eskalation in der Öffentlichkeit zu unterbinden, gab‘s ein Schreiben vom Vereinsbeirat des VfB Stuttgart.
Eine weiter anhaltende öffentlich geführte Diskussion über die beiden VfB internen Bewerber Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger wäre nicht zielführend und schadet dem VfB Stuttgart. Daher hat der Vereinsbeirat den beiden Bewerbern nahegelegt, bis zur Nominierungsentscheidung durch den Vereinsbeirat in dieser Thematik keine öffentlichen Auftritte und weiteren Stellungnahmen zu geben.
6. Januar - Hitzlsperger Kandidatur ist erlaubt: Wie der Kicker berichtet darf sich der Vorstandsvorsitzende bewerben, auch wenn er keine zehnjährige Erfahrung in wirtschaftlichen Angelegenheiten in einer hohen Managementposition gesammelt hat.
Spruchband beim Heimspiel gegen Mönchengladbach: https://t.co/9Q38HsZOBp#VfB #Stuttgart #VfBBMG @VfB vs @borussia @stuttgarttweets pic.twitter.com/tBruwPR41h
— Commando Cannstatt (@cc97ultras) January 16, 2021
2. Januar - Versöhnliche Töne im Machtkampf: Wieder über Twitter - aber mit etwas versöhnlicheren Worten - meldet sich Hitzlsperger erneut. Er erklärt, es habe ein „gutes Gespräch“ gegeben mit Claus Vogt.
Waren nicht die besten Tage, die hinter uns liegen aber das heutige Gespräch mit @clausvogt1893 stimmt mich zuversichtlich, dass wir die anstehenden Aufgaben im Sinne des VfB lösen.
— Thomas Hitzlsperger (@ThomasHitz) January 2, 2021
31. Dezember 2020 - Claus Vogt reagiert mit offenem Brief: Die Antwort vom amtierenden Präsidenten folgte schnell. Und auch in einem offenen Brief und über Twitter. Vogt kritisiert die Art und Weise mit der Thomas Hitzlsperger agiert hat und, schreibt, dass er es „sein Leben lang noch nicht nötig hatte, einen offenen Brief wegen unfairen und persönlichen Anschuldigungen, Angriffen und Unwahrheiten zu schreiben“.
30. Dezember 2020 - Offener Brief vom VfB-Vorstands-Boss: Zunächst meldet sich Thomas Hitzlsperger über Twitter und verkündet, er werde sich in einem offenen Brief zur Kandidatur äußern. Der offene Brief sorgt bei den Fans des VfB Stuttgart für reichlich Zündstoff. Die Reaktionen waren geteilt. Bei Ex-VfB-Profi und Trainer Markus Babbel sorgt das Vorgehen für etwas Verwundert. Hitzlsperger hat in seinem Schreiben Vogt scharf kritisiert. „Der Riss verläuft zwischen unserem Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Vogt auf der einen Seite und dem gesamten Vorstand der AG und zahlreichen Gremienmitgliedern aus Präsidium, Aufsichtsrat und Vereinsbeirat sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der anderen Seite.“
30. Dezember 2020 - Hitzlsperger-Hammer beim Präsidentenamt: Damit hatte keiner gerechnet - der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart gibt seine Bewerbung ab fürs Präsidentenamt. Brisant: Zwischen Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt gibt es seit längerer Zeit Probleme. Bekannt wurde der Hitze-Hammer durch den SWR.
22. Dezember 2020 - Bewerbung fürs Präsidentenamt läuft: Am 18. März 2021 will der VfB Stuttgart in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle seine Mitgliederversammlung nachholen. Der amtierende Präsident Claus Vogt hat seine erneute Bewerbung eingereicht. Doch ob der 51-Jährige auch erneut zur Wiederwahl vorgeschlagen wird, ist noch unklar, denn es gibt gleich mehrere Konkurrenten für Vogt.


