Drogen mit Risiken
Experte erklärt: Was ist gefährlicher – Alkohol oder Cannabis?
VonMichaela Ebertschließen
Unbestritten ist es am gesündesten, weder Alkohol noch Cannabis zu konsumieren. Doch schon bald soll auch Letzteres legal sein. Welche der beiden Droge gilt als gefährlicher? Ein Suchtpräventionsexperte aus Heilbronn klärt auf.
Alkohol – eine Volksdroge die schon seit Jahrhunderten in Deutschland verkauft und konsumiert wird. Ihre Risiken und Gefahren kennen die meisten und dennoch wird die Droge mit großem Suchtpotential in unserer Gesellschaft häufig verharmlost: Rund zehn Liter reiner Alkohol werden laut dem „Bundesministerium für Gesundheit“ (BMG) jährlich pro Kopf konsumiert. Cannabis dagegen gilt bei vielen schon als Einstiegsdroge – soll aber schon bald legalisiert werden.
Laut der Ampel-Regierung wird es in Zukunft möglich sein, die Pflanze ganz legal zu kaufen, anzubauen und diese auch zu konsumieren – in sogenannten „Cannabis-Social-Clubs“ zum Beispiel. In den vergangenen Jahren zeigt sich zudem bereits ein Anstieg der Cannabis-Konsumenten, auch in Heilbronn, wie Kai Brennecke, Abteilungsleiter der psychosozialen Beratungsstelle und Suchtberatung Heilbronn, bereits echo24.de erklärt.
Cannabis und Alkohol – so wirken die Drogen auf den menschlichen Körper
Brennecke möchte auch nach der geplanten Legalisierung vor allem einen bewussten Umgang mit der Droge schaffen. Doch um zu verstehen, welche Risiken sowohl der Konsum von Cannabis als auch der Konsum von Alkohol mit sich führen, lohnt es sich zu wissen, wie die Drogen überhaupt auf den Konsumenten wirken.
Alkohol durchdringt alles.
„Cannabis wirkt auf das cannabinoide System des Körpers – THC dockt dort an und führt zu beruhigend bis berauschender Wirkung.“ Eine Folge könne sein, „dass der Körper über die Synapsen zu viele Funktionen bekommt. Das kann im Körper Fehlfunktionen auslösen, die bis zur Psychose führen.“ Im Gegenzug dazu handelt es sich bei Alkohol schlichtweg um ein Nervengift. Dieses „dringt in die Zellen ein und betäubt diese.“
Psychose oder Krebs – beide Drogen bergen langfristige Gefahren
Diese Zellschädigung sorgt auch dafür, dass Alkoholkonsum auf lange Sicht den gesamten Körper schädigen kann: „Wer Alkohol trinkt, setzt sich einer Organschädigung und einem Krebsrisiko aus – und das auch nicht erst bei übermäßigem Konsum, sondern die Krebsgefahr steigt schon ab dem ersten Glas“, so Brennecke.
Cannabis hingegen wird sogar eine krebsheilende Wirkung nachgesagt. Dennoch birgt die Droge auch Risiken: „Es besteht bei rund einem Drittel der Konsumenten die Gefahr, dass sich Psychosen entwickeln und diese dauerhaft bleiben.“ Auch eine „THC-Unverträglichkeit bis hin zu Krampfanfällen“ könne durchaus vorkommen. Welche gefährlichen Auswirkungen Cannabis-Konsum außerdem haben kann, erklärt echo24.de bereits.
Akute Wirkung und Suchtgefahr: Alkohol-Konsum fordert mehr Todesopfer
Einige Studien belegen, dass die Risiken von Alkohol deutlich drastischer zu sein scheinen. Immerhin sterben laut „BMG“ jährlich etwa 74.000 Menschen durch Alkohol allein oder bedingt durch den Konsum von Tabak und Alkohol – jedoch starb noch nie ein Mensch an den Folgen einer Cannabis-Überdosis. Auch ins Krankenhaus werden überwiegend Patienten mit einer Alkoholvergiftung eingeliefert, während die Wahrscheinlichkeit bei Cannabis-Konsum relativ gering sei, solang die Droge geraucht und nicht in Form von Tee oder Gebäck zu sich genommen werden würde.
Zumindest vom Entzug her gesehen ist Alkohol die stärkere Droge.
Doch neben den akuten Wirkungen sind auch die Entzugserscheinungen nicht zu vernachlässigen: Diese sei laut dem Suchtpräventionsexperten „beim Alkohol auf jeden Fall größer“ und könnten bei starken Alkoholiker Krampfanfälle und bis zum Tode führen. Bei Cannabis-Entzug jedoch gäbe es eher eine innere Unruhe und weniger starke körperliche Entzugserscheinungen.
Cannabis und Alkohol: Konsumenten müssen sich über Risikofaktoren bewusst sein
„Ich tue mich schwer damit zu sagen, welche Droge jetzt die gefährlichere ist.“, so Brennecke. Eine Einschätzung aus den Erfahrungen seiner täglichen Arbeit kann er aber dennoch liefern: „Aus Sicht der Suchtberatung würde ich sagen: Alkohol wird in unserer Gesellschaft zu sehr verharmlost. Dagegen ist die jetzige Regelung zu Cannabis zu streng. Der Königsweg wäre eine Verringerung der Verfügbarkeit von Cannabis und eine weniger starke Verfolgung von Cannabiskonsum.“
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