Einkauf kostet immer mehr

Lebensmittel-Preise explodieren: Tabelle zeigt, was jetzt besonders teuer wird

  • Lisa Klein
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Der Lebensmittel-Einkauf im Supermarkt wird immer kostenintensiver – in den vergangenen vier Jahren sind bestimmte Produkte deutlich teuer geworden. Eine Übersicht.

Einkaufen wird immer teurer – und so manche Produkte reißen inzwischen ein richtiges Loch in den Geldbeutel. Wer beim Einkauf aus Gewohnheit dieselben Produkte wie immer in den Einkaufswagen legt, ohne genau auf den Preis zu schauen, den könnte an der Kasse eine böse Überraschung erwarten. In den letzten vier Jahren sind die Preise für bestimmte Lebensmittel regelrecht explodiert. Eine Tabelle zeigt, was am teuersten geworden ist – ein Produkt kostet im Vergleich zum Juli 2020 inzwischen mehr als das doppelte.

Einkaufen wird immer teurer: Lebensmittel-Preise in den letzten vier Jahren stark gestiegen

Im Juli 2024 waren Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Schnitt mehr als 32 Prozent teuer als vor vier Jahren, berichtet die „dpa“. Dafür gibt es zahlreiche Ursachen wie die Auswirkungen der Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg, den Klimawandel sowie steigende Kosten für Rohstoffe, Energie und Personal. Bald könnten auch die Preise für Alkohol steigen.

Eine Übersicht der Lebensmittel, bei denen die Testkäufer seit Juli 2020 die größten Preissteigerungen registrierten.

Tabelle zeigt: Diese Lebensmittel-Preise sind besonders gestiegen:

  • Olivenöl +112,6 Prozent
  • Zucker +83,3 Prozent
  • Kekse +77,4 Prozent
  • Quark +72,6 Prozent
  • Tomatenketchup oder Gewürzketchup + 64,9 Prozent
  • Stangenspargel- oder andere Gemüsekonserven +64,5 Prozent
  • Sonnenblumenöl, Rapsöl oder Ähnliches +63,4 Prozent
  • Knäckebrot und Zwieback +66,4 Prozent
  • Weizenmehl +61,5 Prozent
  • Milch +61,5 Prozent
  • Sahne +48,7 Prozent
  • Schnittkäse +45,8 Prozent
  • Butter +39,4 Prozent

112 Prozent teurer: Kosten für ein Produkt sind besonders explodiert

Für eine Flasche Olivenöl mussten Verbraucher im Juli mehr als doppelt so viel zahlen wie vor vier Jahren. „Wichtigster Grund ist der Einbruch der Produktion im wichtigsten Erzeugerland Spanien im Wirtschaftsjahr 2022/23“, sagt der Bereichsleiter Verbraucherforschung der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI), Thomas Els. In der aktuellen Erntesaison habe es nur eine geringe Erholung gegeben. Ursache seien schlechte Ernten aufgrund von Dürren.

Beim Einkauf Geld sparen: Welche Tipps und Tricks Verbraucher kennen sollten

Bei der Auswahl im Supermarkt entstehen oft Impulseinkäufe.
Hungrig sollte man nicht einkaufen gehen.
Einkauf in einem Supermarkt oder Discounter zu Zeiten voTipp 3: Auf den Grundpreis achten: Vor Allem der Vergleich zwischen Markenprodukt und Eigenmarke lohnt sich. Meist bekommt man für weniger Geld genauso gute Eigenmarkenprodukte. Um einfacher vergleichen zu können, gilt es auf den Grundpreis zu schauen, der meist in Liter oder Kilogramm angegeben wird.n Inflation. Fleisch, Schweinefleisch, Billigfleisch, Rindfleisc
Tipp 4: Auf Angebote achten und vergleichen: Fast jeder Supermarkt hat Aktionen und Angebote. Besonders bei Produkten die man in großen Mengen gebraucht lohnt es sich bei solchen Aktionen zuzuschlagen. Doch es ist Vorsicht geboten: bei reduzierter Ware neigen wir dazu sie zu kaufen obwohl wir sie gar nicht brauchen. Das kann den Preis in die Höhe treiben.
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Zucker ist ebenfalls deutlich teurer als noch 2020. Die Preisentwicklung sei von Angebotssorgen auf dem globalen Zuckermarkt geprägt und habe auch die Preise in Deutschland erfasst, sagt Els. Ein weiterer Grund sei der geringere Zuckeranteil in Zuckerrüben durch das nasse Wetter, erklärt Lebensmittel-Expertin Jana Fischer von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Zucker, Mehl und Fett sind teurer geworden – dieses Produkt kostet dadurch im Supermarkt besonders viel

Schwierige Zeiten für Naschkatzen: Wegen steigender Preise bei Rohstoffen wie Zucker, Mehl und Fetten sind Kekse erheblich teurer geworden. „Die Weizenernte war wegen nasser Witterung in Deutschland sowohl letztes als auch in diesem Jahr geringer“, sagt Fischer.

Der Preis für Weizenmehl war im Juli 2024 deshalb deutlich höher (+61,5) als vier Jahre vorher. Ein weiterer Grund für den Anstieg war demnach der Krieg in der Ukraine. Russland und die Ukraine zählen zu den wichtigsten Getreideexporteuren der Welt. Die Entwicklungen wirkten sich ebenfalls auf die Preise für Knäckebrot und Zwieback aus (+66,4).

Lebensmittel-Einkauf kostet immer mehr – auch Milchprodukte sind teurer

Deutlich gestiegen sind die Preise für Milchprodukte wie Quark. Kleinere Milchmengen als in den Vorjahren und ein geringer Fettgehalt in der Rohmilch haben 2021/2022 zu steigenden Erzeugerpreisen geführt, anschließend gingen sie wieder zurück.

Seit Anfang 2024 ist erneut ein Anstieg zu beobachten. Quark war im Juli 2024 mehr als 70 Prozent teurer als vier Jahre zuvor. Preissprünge gab es auch bei kondensierter Milch (+61,5), Sahne (+48,7), Schnittkäse (+45,8) und Butter (+39,4).

Warum Quark am stärksten zugelegt hat? Die Herstellung sei am aufwendigsten, sagt der Sprecher des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer.

Ukraine-Krieg lässt Öl-Preise enorm steigen – leere Regale im Frühjahr 2022

Auch Öle sind in der Liste der größten Preiserhöhungen ganz vorn dabei. Ausgehend von einem niedrigen Niveau 2020 hätten die Großhandelspreise für Raps- und Sonnenblumenöl-Raffinat bereits 2021 kräftig angezogen, sagt Experte Els. Infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine seien die Preise dann explodiert.

Vor dem Krieg war die Ukraine der weltgrößte Exporteur gewesen, von dem die EU einen großen Teil ihrer Einfuhren bezog. Dementsprechend war im Frühjahr 2022 Sonnenblumenöl in den Supermärkten über Wochen kaum noch erhältlich, die Regale waren leer geräumt. Zuletzt waren die Verbraucherpreise für Öl wieder rückläufig.

Nur ein Lebensmittel ist heute günstiger als im Juli 2020

Es gibt zahlreiche weitere Produkte, die seit 2020 erhebliche Preissteigerungen von 30 Prozent und mehr aufweisen. Nur ein Lebensmittel ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes heute gut 2 Prozent billiger als damals: Zitrusfrüchte. «Gerade bei Zitronen war die Lieferfähigkeit Spaniens in dieser Saison außergewöhnlich hoch. Die Nachfrage ist saisonüblich schwach», sagt Els. Orangen, Mandarinen, Clementinen, Grapefruits und Zitronen seien jeweils günstiger als vor vier Jahren. 

Preisrückgänge seit Juli 2023: Diese Produkte werden wieder günstiger

Immerhin: Für einige Lebensmittel mussten Verbraucher im Juli nicht mehr so tief in die Tasche greifen wie noch zwölf Monate zuvor.

  • Möhren -13,8 Prozent
  • Knoblauch -13,7 Prozent
  • tiefgefrorenem Obst -13,1 Prozent
  • Zitrusfrüchten -9,3 Prozent
  • Sonnenblumenöl und Rapsöl -8,6 Prozent
  • Weizenmehl -8,3 Prozent

Die genannten Produkte haben jedoch eines gemeinsam: Sie sind dennoch allesamt teurer als im Jahr 2020, teilweise sogar deutlich. 

Können Verbraucher sich Hoffnungen machen, dass das Einkaufen wieder günstiger wird? „Wie sich Preise in Zukunft entwickeln, ist immer schwer vorherzusagen“, sagt Jana Fischer von der Verbraucherzentrale. Dürren und Starkregen hätten demnach einen wachsenden Einfluss auf die Lebensmittelpreise.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Marcel Ibold