Wegen des Klimawandels

Bestimmte Produkte bald knapper? Experte warnt vor Einschränkungen beim Einkauf

  • Melissa Sperber
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Wer auf sinkende Lebensmittelpreise hofft, könnte das bei vielen Produkten vergeblich tun. Experten erklären, welche Lebensmittel in Zukunft knapp und teuer werden könnten.

Einkaufen wird sich in Zukunft verändern, darin sind sich Experten sicher. Der Grund: der Klimawandel. Dieser hat bereits einen Einfluss darauf, welche Produkte in den Regalen zu finden sind – und wie viel sie kosten. Verbraucher müssen jedoch damit rechnen, die Folgen des Klimawandels beim Wocheneinkauf künftig stärker zu spüren bekommen. 

Bestimmte Lebensmittel könnten knapper werden – was sich beim Einkauf ändern wird

„Bei einigen Lebensmitteln wird es zu größeren Schwankungen bei Preisen und Verfügbarkeit kommen. Es wird Jahre geben, in denen bestimmte Produkte wie Avocado, Kakao, Kaffee, Mango, Kokos, Papaya und Bananen knapper werden können“, sagt Agrarexperte Michael Berger von der Umweltschutzorganisation WWF gegenüber der „Deutschen Presse-Agentur“.

Bei vielen Produkten gebe es weltweit nur einen schmalen geografischen Gürtel, wo die nötigen klimatischen Bedingungen für den Anbau gegeben seien. Durch häufigere Extremwetterlagen steige das Risiko von Ernteausfällen. „Für Handelsunternehmen wird es dadurch schwieriger zu kalkulieren. Die Unsicherheit und Verknappung führen zu höheren Preisen“, so Berger.

Einschränkungen beim Einkauf für Kunden – schlechte Ernten sorgen für steigende Preise

Besonders anfällig sind Experten zufolge Monokulturen – also Flächen, auf denen über Jahre dieselben Pflanzen angebaut werden. Wetterextreme, Infektionen und Schädlinge haben dort leichtes Spiel und können große Teile der Ernten zerstören. Berger verweist auf Kakao-Anbaugebiete in Bolivien und Kolumbien, wo es in den vergangenen Jahren Ertragsausfälle von 30 Prozent gegeben habe. Auf einigen Plantagen gab es Totalausfälle.

Kunden machen sich unwissend strafbar: Was beim Einkauf verboten ist

Frau riecht an einer Shampoo-Flasche im Supermarkt
Kleinkind zo¤hlt Geldscheine in Euro auf dem Boden, 12.10.2020, Copyright: x9fotoartx Panthermedia25740568
zerbrochene Glasflasche auf dem Boden, Deutschland broken glass bottle on stone ground, Germany BLWS612760 Copyright: xb
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Kunden machen sich unwissend strafbar: Was beim Einkauf verboten ist

Wegen schlechter Ernten, einer grassierenden Pflanzenkrankheit und Hurrikans wurde zuletzt auch Orangensaft knapp und teurer. Auch Kaffeebauern litten weltweit unter heftigen Einbußen und den Folgen des Klimawandels. Studien zufolge könnte bis 2050 die Hälfte der weltweiten Anbauflächen für Kaffee bedroht sein. Kaffeeröster Tchibo rechnet deshalb mit steigenden Preisen. Knapper und teurer wurde zuletzt auch Olivenöl. In Spanien sank der Jahresertrag, der in den vergangenen Jahren im Schnitt bei rund 1,5 Millionen Tonnen lag, in der Saison 2022/2023 auf weniger als die Hälfte. Grund war das zu trockene Wetter.

Lebensmittelpreise immer höher: Auf welche Veränderungen sich Kunden einstellen müssen

Experten rechnen nicht damit, dass einzelne Produkte komplett aus den Supermarktregalen verschwinden. Die Verbraucher sind dennoch beunruhigt. Einer Yougov-Umfrage zufolge ist jeder Zweite entweder „voll und ganz“ oder „eher besorgt“, dass Lebensmittel wie beispielsweise Kakao, Kaffee oder bestimmte Gemüsesorten nicht mehr oder nur noch eingeschränkt verfügbar sein könnten. 

Verbraucher in Deutschland mussten sich zuletzt bereits an höhere Lebensmittelpreise gewöhnen. Die Inflation trübte sich zuletzt zwar etwas ein. Verbraucher müssen jedoch damit rechnen, dass die Preise weiter steigen – auch wegen des Klimawandels. Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung rechneten das im vergangenen Jahr genauer aus. Das Ergebnis: Erhöhte Durchschnittstemperaturen könnten die jährliche Inflation bei Lebensmitteln und die Kerninflation bis 2035 um bis zu 1,18 Prozent ansteigen lassen. 

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON