Blüten, Kügelchen, Tropfen
Homöopathie: Globuli und Co. – was steckt hinter dem Begriff?
VonJuliane Reyleschließen
Was sind eigentlich Globuli und wie sollen Schüssler-Salze oder Bachblüten Krankheiten heilen? Homöopathie hat viele Freunde, aber auch Feinde – das steckt hinter der alternativen Heilmethode.
Die Gesundheit steht an erster Stelle: Nur wer fit und glücklich ist, der kann sein Leben auch so meistern, wie er es gerne möchte. Doch Krankheiten werden in der Schulmedizin häufig mit chemisch hergestellten Medikamenten aus der Pharma-Industrie behandelt, die wiederum Nebenwirkungen haben können. Eine andere, allerdings vielfach umstrittene Methode der Genesung ist die Homöopathie.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach wird mehr als deutlich, wenn er auf das Thema Homöopathie angesprochen wird, sagt: „Man sollte den Kassen schlicht verbieten, die Homöopathie zu bezahlen.“ Die Homöopathie sei nicht nur wirkungslos, sondern schade den Patienten sogar, da dadurch eine adäquate Behandlung verzögert werde. „Die Homöopathie ist ein spekulatives, widerlegtes Konzept“, stellte Prof. Dr. med. Jürgen Windeler.
Homöopathie, Globuli und Co. – alles Humbug, oder was?
Die Homöopathie gilt als durchaus unbedenklich Alternative, die jedoch häufig vor allem deshalb Diskussionen auslöst, weil sich Befürworter und Gegner darüber uneins sind, ob die Methoden der Homöopathie wirklich helfen. Doch was steckt eigentlich hinter Globuli, Bachblüten und Co.? Wie sollen die Mittel medizinisch wirken?
Globuli
Globuli sind kleine Streu-Kügelchen aus Zucker, die homöopathische Mittel enthalten. Sie werden in der Homöopathie verwendet, um eine Vielzahl von Beschwerden zu behandeln.
Globuli werden normalerweise in einer Apotheke gekauft oder direkt von einem Heilpraktiker herausgegeben und können als Einzel- oder Mehrfachdosis eingenommen werden. Globuli haben verschiedenen Potenzen. Diese werden unterschiedlich eingesetzt: Zum Beispiel für akute Leiden oder Langzeit-Beschwerden.
Das bedeutet Homöopathie und ihre Prinzipien
Das Wort Homöopathie lässt sich auf dem griechischen „homoios“, das so viel wie „ähnlich” bedeutet, und „pathos”, das übersetzt „Leiden” heißt, ableiten. Also heißt Homöopathie übersetzt so viel wie „ähnliches Leiden”.
Laut „DHU“ hat Homöopathie zwei maßgebliche Prinzipien: Das Reiz- und Regulations- sowie das Ähnlichkeitsprinzip. Auf ihnen baut die Homöopathie ihren Heilungsansatz auf.
Ähnlichkeitsprinzip: Auswahl des geeigneten, homöopathischen Mittels
Richtig angewendet ermöglicht das Ähnlichkeitsprinzip die Auswahl des geeigneten homöopathischen Arzneimittels, das nach Gabe den Reiz für eine drauffolgende Regulation geben soll.
Es wird also davon ausgegangen, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt werden kann. Eine Krankheit kann demnach mit der Substanz, die bei Gesunden die Beschwerden auslöst, geheilt werden. Die Kunst der der Homöopathie soll es sein, den richtigen Stoff bzw. die richtige Substanz zu ermitteln.
Schüssler-Salze
Schüssler-Salze sind zwölf Mineralsalze, die als homöopathische Mittel verwendet werden. Sie wurden im 19. Jahrhundert von dem deutschen Arzt Wilhelm Heinrich Schüssler entwickelt. Sie basieren auf der Annahme, dass bestimmte Mineralstoffe den Körper bei der Bekämpfung von Krankheiten unterstützen können.
Schüssler-Salze können in Form von Tabletten oder Pulvern eingenommen werden. Sie sollen helfen, den Körper zu entschlacken sowie die Funktion verschiedener Organe zu verbessern.
Spezielle Zubereitungsverfahren für Homöopathika
Homöopathische Arzneimittel werden in der Regel in sehr niedrigen Dosen verabreicht und sind überwiegend aus natürlichen Substanzen hergestellt. Deshalb wird oft davon ausgegangen, dass sie keine oder Kaum Nebenwirkungen verursachen können.
Homöopathika werden zudem durch spezielle homöopathische Zubereitungsverfahren hergestellt. Die Herstellungsverfahren sind auch im Europäischen Arzneibuch oder einem anderen aktuellen offiziell gebräuchlichen Arzneibuch eines Landes im europäischen Wirtschaftsraum definiert, wie das „Bundesamt für Sicherheit und Gesundheitswesen“ (BASG) schreibt.
Alternative Heilung: Bachblüten sind keine Homoöpathika
Neben der Homöopathie existieren noch weitere, alternative Heilmethoden. Alternative Heilmethoden sind alle Behandlungsmethoden, die nicht zur konventionellen Medizin gehören. Sie können auf einer breiten Palette von Ansätzen basieren.
Auch die Akupunktur, Aromatherapie, Massage und Ernährungstherapie gehören zu den alternativen Heilungsmethoden. Viele alternative Heilmethoden werden als Komplementärmedizin bezeichnet und können auch in Kombination mit konventionellen Behandlungsmethoden verwendet werden, ebenso wie Hausmittel.
Bachblüten
Zwar kein homöopathisches Mittel, aber dennoch eine Form der alternativen Heilung, sind Bachblüten. Bachblüten wurden von dem englischen Arzt Edward Bach entwickelt und bestehen aus 38 verschiedenen Blütenessenzen, die aus Wildblumen und Pflanzen hergestellt werden.
Sie sollen helfen, negative Gefühle und Emotionen zu lösen und das Gleichgewicht des Körpers und Geistes wiederherzustellen. Bachblüten können in verschiedenen Formen erworben werden: Tropfen, Globuli und mehr.
Bachblütenn werden häufig für ein homöopathisches Mittel gehalten. Doch das „Einzige, was die Homöopathie mit der Bachblütentherapie gemeinsam hat, ist der Grundsatz“, wie die „Bachblütenpraxis“ erklärt.
Grundsatz der Homöopathie: Wissenschaft verweist auf Placebo-Effekt
Der Grundsatz der Homöopathie lautet gemäß Hahnemann: „Heile den Menschen und nicht die Krankheit.“ Der Grundsatz der Bachblütentherapie nach Bach lautet: „Befreie den Menschen von seinen negativen Gemütszuständen, und er wird gesunden.“
Die Wirkung von Homöopathika auf die Gesundheit ist allerdings noch nicht wissenschaftlich belegt. Viele Anhänger der alternativen Medizin erzählen von Heilungserfolgen und den unendlichen Möglichkeiten der Homöopathie. Zahlreiche Wissenschaftler hingegen verweisen auf den sogenannten „Placebo-Effekt“, wie die Zeit schreibt.
Placebo-Effekt
Von einem Placebo-Effekt wird gesprochen, wenn ein Scheinmedikament (Placebo) eingenommen wird, das keinen Arzneistoff enthält und es somit keine pharmakologische Wirkung haben kann, es aber dennoch eine Wirkung auf den Körper oder die Stimmung des Menschen, der es einnimmt, hat.
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