Lohnersatzleistung

Bis zu 700 Euro weniger: So extrem verliert das Elterngeld an Wert

  • Adrian Kilb
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Laut einer Studie ist die Kaufkraft des Elterngelds um 38 Prozent gesunken. Die Sätze wurden seit 16 Jahren nicht angepasst – die Folgen spüren Familien im Geldbeutel.

Das Elterngeld hilft Vätern und Müttern, Familie und Beruf besser zu vereinbaren und sich bezahlte Zeit für den Nachwuchs zu nehmen. Paare mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von mehr als 175.000 Euro erhalten die staatliche Leistung ab dem 1. April 2025 nicht mehr. Und diejenigen, die das Elterngeld weiter beziehen, müssen starke Kaufkraftverluste hinnehmen.

Das Elterngeld soll laut dem Bundesfamilienministerium fehlendes Einkommen ausgleichen, wenn Eltern ihr Kind nach der Geburt betreuen. Allerdings ist es laut einer Studie heute deutlich weniger wert als zu seiner Einführung 2007. So verlor die Lohnersatzleistung in den 16 Jahren bis 2023 rund 38 Prozent an Kaufkraft, wie aus einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, über die die „Rheinische Post“ vorab berichtet.

Elterngeld verliert rapide an Wert – „immer weitere Teile der Mittelschicht“ betroffen

„Diese Entwicklung setzt sich ohne Inflationsausgleich weiter fort“, heißt es in der Analyse von Studienautor Wido Geis-Thöne, die auch der dpa vorliegt und die sich auf Daten des Statistischen Bundesamts und eigene Berechnungen stützt. Die Effekte der Inflation seien demnach seit 2007 nie ausgeglichen worden. Die Kaufkraftverluste beträfen „immer weitere Teile der Mittelschicht“. Doch anstatt diese Verluste auszugleichen, könnte sich durch die Abschaffung der Steuerklassen drei und fünf das Elterngeld für viele Familien noch verringern.

Starke Kaufkraftverluste beim Elterngeld: Bis zu 700 Euro zu wenig im Geldbeutel

Eltern, die kein eigenes Einkommen erzielen, erhalten den Mindestbetrag von 300 Euro monatlich. Dieser Betrag sei auch seit Einführung der Leistung nicht mehr angepasst worden. „Dabei hätte er bis zum Jahr 2023 um 37,8 Prozent auf 413 Euro steigen müssen, um den inflationsbedingten Kaufkraftverlust seit dem Jahr 2007 auszugleichen“, heißt es.

Die Kaufkraft des Elterngelds sei seit 2007 um 38 Prozent gesunken, schreibt das Institut der deutschen Wirtschaft in einer aktuellen Studie.

Auch besserverdienende Eltern müssten starke Verluste hinnehmen. „Deutlich an Kaufkraft verloren hat das Elterngeld auch für Personen, die den Höchstsatz beziehen, der bei einem Inflationsausgleich von 1.800 Euro auf 2.480 Euro hätte steigen müssen“, schreibt das IW.

Immer mehr Familien erhalten Höchstsatz beim Elterngeld – deutliche Nachteile für Besserverdiener

Der Höchstsatz beim Elterngeld wurde jahrelang nicht nach oben angepasst. Dies führt dazu, dass immer mehr Familien wegen steigender Einkommen den Höchstsatz von 1.800 Euro monatlich erreichen. „Soll das Elterngeld wie bisher wirken, sollte das Sicherungsniveau auch für Familien mit höheren Einkommen real und nicht nur nominal erhalten bleiben, wofür der Inflationsausgleich unumgänglich ist“, fordert das Institut.

Zum Elterngeld hatte die gescheiterte Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und SPD bei Amtsantritt deutliche Verbesserungen versprochen. Unter anderem heißt es im Koalitionsvertrag dazu:“Wir werden den Basis- und Höchstbetrag beim Elterngeld dynamisieren." Eingelöst wurde das nicht. Stattdessen gab es Kürzungen bei der Bezugsgrenze für höhere Einkommen und beim parallelen Bezug beider Elternteile.

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