Auf Schweine-Produkte

Neues Logo auf Fleischprodukten bei Kaufland, Lidl und Co. – was es bedeutet

  • Josefine Lenz
    VonJosefine Lenz
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Beim Einkauf bei Kaufland, Lidl und Co. werden Kunden bald ein neues Logo auf Fleischprodukten finden. Es handelt sich dabei um ein neues staatliches Haltungs-Logo.

Nach einigen gescheiterten Versuchen ist es nun so weit: Der Bundestag hat ein neues Tierhaltungs-Logo beschlossen, das noch in diesem Jahr auf einigen Produkten zu sehen sein wird. Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) will bis Ende 2023 eine Pflichtanzeige an den Start bringen – zunächst nur für frisches Schweinefleisch.

Durch das neue Tierhaltungslogo sollen Verbraucher in Supermärkten und Discountern wie Kaufland, Lidl, Rewe und Co. schneller erkennen, wie das Schwein vor der Schlachtung lebte. Ziel ist es, den Wandel zu höheren Haltungsformen zu unterstützen. Doch es gibt auch Gegenwind, vor allem von Tierschützern und Opposition.

Neues Logo auf Fleischprodukten bei Kaufland, Lidl und Co.: So wird es aussehen

Doch zunächst einmal: Wie sieht das neue Tierhaltungslogo aus, das künftig auf Discounter- und Supermarkt-Produkten gedruckt wird? Es handelt sich um ein weißes, leicht abgerundetes Rechteck, in dem in schwarzer Umrahmung „Tierhaltung“ steht. Die Haltungsform anzeigen soll dann ein schwarz ausgefülltes kleineres Rechteck – bei fünf kleinen Rechtecken für die fünf Kategorien.

Neues Tierhaltungs-Logo für Schweinefleisch kommt

Bei gemischten Produkten wie Hackfleisch oder großen Packungen mit Fleisch aus verschiedenen Haltungsformen können auch Prozentangaben in den kleinen Rechtecken stehen: also zum Beispiel „70% Stall“ und „30% Stall+Platz“. Dominiert eine Haltungsform mit mindestens 80 Prozent, kann nur sie auf dem Aufdruck markiert werden.

Neues Tierhaltungs-Logo bei Kaufland, Lidl und Co.: Kennzeichen in fünf Kategorien unterteilt

Geplant ist ein System mit fünf Kategorien, wenn Ferkel nach der Aufzucht in die Mast kommen. Es beginnt bei der Haltungsform „Stall“ mit den gesetzlichen Mindestanforderungen. Die Stufe „Stall+Platz“ gibt unter anderem 12,5 Prozent mehr Platz vor, die Stufe „Frischluftstall“ Kontakt zu Außenklima etwa mit offenen Stallseiten. Dazu kommen die Stufen „Auslauf/Weide“ und „Bio“. Dabei geht es um eine Pflichtkennzeichnung inländischer Erzeugnisse aller Haltungsformen.

Neben der Kennzeichnung sollen weitere Elemente für einen Wandel der Tierhaltung zu höheren Standards kommen. Beschlossen hat der Bundestag daher auch Erleichterungen im Baurecht für Ställe. Sie sollen möglich werden, wenn Anlagen für die drei oberen Haltungsformen „Frischluftstall“, „Auslauf/Weide“ und „Bio“ umgestaltet werden. Das bereits seit 2019 auf Verpackungen gedruckte, farbige Haltungslogo, das Zahlen von eins bis vier, bleibt vorerst bestehen.

Viele Supermärkte setzen sich in den letzten Jahren für mehr Tierwohl ein. So nimmt Kaufland jetzt einige Produkte aus dem Sortiment – auch Eigenmarkenartikel. Währenddessen steht ein Discounter massiv in der Kritik: Gegen Lidl häufen sich die Vorwürfe der Tierquälerei – brutale Videos aus Hühnerstellen sind veröffentlicht worden, wie echo24.de berichtet.

Neues Haltungs-Logo bald auch für andere Tiere

Cem Özdemir sagt, auf jeder Verpackung solle schrittweise stehen, wie das Tier gehalten wurde. Zugleich werde die Leistung der Bauern sichtbar gemacht. „Sie kriegen Geld dafür, wenn sie sich für höhere Haltungsformen entscheiden.“ Das Gesetz solle 2024 verbindlich werden, freiwillig könne das Logo in diesem Jahr eingeführt werden.

Noch in diesem Jahr soll nach dem Willen der Koalitionäre eine Ausweitung auf verarbeitete Ware wie Wurst und die Gastronomie in Angriff genommen werden - ebenso auf Zuchteber, Sauen und Ferkel. Danach sollen in dieser Wahlperiode bis 2025 auch andere Tierarten folgen. Im Blick steht außerdem eine ausgedehntere Kennzeichnung nach dem Herkunftsland.

Kritik gegen Tierhaltungs-Logo: Gesetz verhelfe „keinem einzigen Tier zu einem besseren Leben“

Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, dass das Gesetz „keinem einzigen Tier zu einem besseren Leben“ verhelfe. Mit den unteren Stufen würden „eindeutig tierschutzwidrige Haltungssysteme“ staatlich gesiegelt. Die Organisation Vier Pfoten beklagt bei der zweiten Stufe nur ein „läppisches „Plus“ von wenigen Quadratzentimetern mehr Platz“.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

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