Durch Berührung

Gefahr auf dem Kassenzettel: Bons können giftig sein – so schützen sich Kunden

  • Juliane Reyle
    VonJuliane Reyle
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Vorsicht an der Supermarktkasse: In vielen Bons von Lidl, Kaufland und Co. können gefährliche Stoffe enthalten sein. Durch das Anfassen oder die Entsorgung können schwerwiegende Folgen entstehen.

Rund 23,1 Milliarden Kassenbons werden jährlich in Deutschland ausgestellt, das entspricht 1,9 Milliarden Kassenzetteln im Monat. Das ist nicht nur eine Unmenge von Papier, welches durch die Bons zerstört wird, sondern auch ein großer Müllberg. Einige Unternehmen wollen deshalb den umweltfreundlicheren Weg gehen – und verzichten wie zum Beispiel auch Lidl dank einer App auf den Bon in Papierform. Doch auch für Kunden hat das einen großen Vorteil: Die Bons sollen giftig sein, wie „Zentrum der Gesundheit“ schreibt.

Aus diesem Grund sollen Kassenbons auch nicht im Papiermüll recycelt werden, sondern im Restmüll entsorgt werden. Immer wieder sorgen Kassenbons für Verwirrung: Kunden fallen sogar kleine Details auf den Kassenbons von Kaufland auf. Allerdings ist das gefährlichste Detail gar kein Druckfehler oder ein falsch abgezogener Preis, sondern ein für das menschliche Auge unsichtbarer, jedoch gefährdender Stoff – Bisphenol.

Bisphenol-A (BPA) und weitere schädliche Phenole in Kassenbons – Kunden drohen Gesundheitsrisiken

Die Substanz, die auf einigen Kassenbons vorhanden ist, sorgte bereits vor Jahren für Aufruhr. Bisphenol A, auch BPA genannt, ist ein chemischer Stoff, der in Kombination mit anderen chemischen Stoffen zur Herstellung von bestimmten Kunststoffen und Harzen verwendet wird, wie die „Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit“ erklärt. Durch die vermehrte Verwendung von speziellem Thermopapier für Kassenbons kam der Stoff allerdings auch in zahlreichen Kassenzetteln vor.

Thermopapier

Thermopapier ist eine spezielle Papiersorte, die für Thermodruckverfahren verwendet wird. Auf der zu bedruckenden Seite, ist Thermopapier mit einer temperaturempfindlichen Schicht versehen, die unter Einwirkung von Wärme einen Farbstoff ausbildet. So wird keine Druckerfarbe mehr benötigt.

Trotz BPA-Verbot: Kassenbons noch schädlich

Inzwischen ist die Herstellung von Kassenbons mit BPA-Bestandteilen zwar verboten, doch ungefährlich sind die Papierzettel deshalb immer noch nicht. Es ist nicht nur möglich, dass Händler Restbestände der alten Bonsorte, die seit Anfang 2020 verboten ist, aufbrauchen, sondern inzwischen sind auch weitere Stoffe als Gefahr für Menschen und Umwelt im Gespräch, wie „Ökotest“ schreibt.

Denn auch Bisphenol S (BPS), das nun für Kassenbons eingesetzt wird, ist eine chemische Verbindung, die bei Kontakt mit der Haut vom Körper aufgenommen und negative Auswirkungen haben kann. Wie „scinexx“ erklärt, greift Bisphenol S, der Ersatzstoff für Bisphenol A, ebenso in den Organismus des Menschen ein, lediglich im geringeren Ausmaß als BPA.

Phenole und Hormone: Vorsicht beim Entsorgen von Kassenbelegen

Die Chemikalien Bisphenol S und Bisphenol A, sollen nämlich ähnlich wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und so das Hormonsystem des menschlichen Körpers durcheinanderbringen, wie „Chip“ schreibt. Auch eine Studie des „Schweizer Bundesamts für Gesundheit“ komm zu dem Schluss, dass BPS, ebenso wie andere Phenole auch, hormonell wirksam sein kann.

Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt deshalb weiterhin, Kassenbelege nicht mit dem Papiermüll zu entsorgen, sondern im Restmüll. Sonst wird befürchtet, dass beim Recyclingprozess sich die giftigen Stoffe anreichern und zum Beispiel in Toilettenpapieren oder anderen Papierprodukten mit Kontakt zum Menschen enden. Für den Konsumenten ist es nicht erkennbar, ob das Papier der Kassenzettel Phenole enthält. Ebenso lässt es sich nicht eingrenzen, es ist also nicht sicher, ob bei Kaufland oder Lidl Kassenbons mit Bisphenol S gedruckt werden.

Doch es gibt eine Ausnahme: Blaues Thermopapier, das immer häufiger eingesetzt wird, ist gesundheitlich unbedenklich. Es kommt sogar ganz ohne giftige Chemikalien aus und kann nach Einschätzung des Umweltbundesamts recycelt werden. Auch können in Backpapier Giftstoffe stecken, doch es gibt bereits harmlose Alternativen.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration