Video soll Stützpunkt zeigen

F-16-Kampfjets im Ukraine-Krieg – Video soll angeblichen Standort zeigen

  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Kiew könnte die Position von F-16-Kampfjets im Ukraine-Krieg enthüllt haben. Ein Fehler im Widerstand gegen Russland oder militärische Taktik?

Kiew – „Sie haben Mist gebaut“, schreibt ein russischer Militärblog. Der Kanal „Militärinformant“, mit mehr als 600.000 Abonnenten auf Telegram, bezieht sich damit auf die Unterbringung von F-16-Kampfjets in der Ukraine. Ein Video der ukrainischen Luftwaffe soll nämlich unfreiwillig preisgegeben haben, wo die aus dem Westen gelieferten Kampfflugzeuge stationiert sind.

Das Video, das den Standort der F-16 preisgegeben haben soll, wurde von Mykola Oleschtschuk, dem Kommandanten der ukrainischen Luftwaffe, am Montag (25. August) veröffentlicht. Mit dem kurzen Film, der auch in den sozialen Medien verbreitet wurde, gedenkt Oleschtschuk den vor einem Jahr verstorbenen Kampfpilot Andrij Pilschtschikow. Wie die Online-Zeitung Kyiv Independent berichtete, sei Pilschtschikow maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass die USA der Ukraine den Einsatz der US-Kampfjets F-16 erlaubte.

F-16 im Ukraine-Krieg – Russland vermutet US-Kampfjets an Nato-Grenze

Doch der Film könnte mehr zeigen als beabsichtigt. In Gedenken an ihren Sohn soll es der Mutter von Pilschtschikow erlaubt worden sein, in einen der nun in der Ukraine angekommenen F-16-Kampfjets einzusteigen. Dies zeigt auch der Kurzfilm von Leschtschuk. In einer weiteren Einstellung ist zu sehen, dass der Luftwaffen-Kommandant Pilschtschikow Mutter umarmt. Und in dieser Einstellung könnte der Ukraine ein entscheidender Fehler unterlaufen sein.

Denn im Hintergrund ist ein im Bau befindlicher Wohnblock zu sehen. Russischen Analysten sei es damit möglich gewesen, den Luftwaffenstützpunkt zu identifizieren, so Kyiv Independent. Die lange ersehnten Kampfjets sollen demnach auf dem Luftwaffenstützpunkt der Region Iwano-Frankiwsk stationiert worden sein.

F-16-Kampfjets wohl im Westen der Ukraine stationiert – Russlands Militärblogger vermuten Fehlinformation

Der Flugplatz liegt laut Kyiv Independent rund 700 Kilometer von der nächsten potenziellen Abschussbasis russischer Raketen entfernt. Damit befindet sich der Luftwaffenstützpunkt außer Reichweite russischer Raketen wie der Iskander-K, die im Ukraine-Krieg regelmäßig zum Einsatz kommen. Das Besondere an diesem Standort ist außerdem, dass er direkt an das Nato-Land Rumänien grenzt.

Die Ukraine hat lange auf die Lieferung von F-16-Kampfjets gewartet. Jetzt könnte der Luftwaffe ein fataler Fehler passiert sein.

Russlands Militär unter Machthaber Wladimir Putin müsse für einen Angriff auf den Stützpunkt auf wertvolle ballistische Raketen oder Marschflugkörper zurückgreifen, wie Kyiv Independent schreibt. Könnte die Ukraine mit der Veröffentlichung des vermeintlichen Standortes Russland eine Falle stellen und einen Angriff Russlands mit teurem Gerät provozieren?

Das vermutet auch das russische Militärmagazin Top War und beruft sich auf eine Einschätzung des Militärblogs „Military Chronicle“. Dort heiße es, dass die Aufnahmen möglicherweise absichtlich von der Ukraine veröffentlicht wurden. Damit könne das Land außerdem beweisen wollen, F-16-Kampfjets nur in der Ukraine zu stationieren. Russland spekuliert seit einiger Zeit, dass die F-16-Jets auch auf Nato-Stützpunkten stationiert werden sollen und drohte bereits mit Angriffen, sollten ukrainische Kampfjets von Nato-Gebiet aus agieren.

F-16-Kampfjets in der Ukraine im Einsatz – Mangel an Piloten im Krieg gegen Russland

„Ich bin den Vereinigten Staaten, Dänemark und den Niederlanden dankbar, dass sie praktische Schritte unternommen haben, um das Ziel aller Ukrainer zu erreichen“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf X, kurz nachdem die ersten F-16 in der Ukraine angekommen sind. Doch wie ZDF heute berichtete, sei die Zahl der im Einsatz befindlichen Kampfjets bislang stark begrenzt.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ein Grund dafür könnte der anhaltende Personalmangel sein. Denn um die F-16-Kampfjets effektiv im Krieg einzusetzen, fehlt es der Ukraine an ausgebildeten Piloten. Wie Flug Revue berichtete, plane Selenskyj deshalb ein Programm, um ehemalige F-16-Piloten aus mehreren Nato-Ländern zum freiwilligen Einsatz in die Ukraine zu bringen. „Wir unterstützen dieses Vorhaben“, so die US-Politiker Richard Blumenthal und Lindsey Graham nach einem Besuch in Kiew. Gemeinsam mit den beiden US-Vertretern sei der Plan Selenskyjs für ein entsprechendes Programm entstanden. (nhi)

Rubriklistenbild: © Ukraine Presidency/Ukrainian Pre/IMAGO

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