Was ist denn da bloß los?

Abrupter Wetterwechsel im Januar: Wetterexperte erläutert Prognose-Phänomen im Winter

  • VonDominik Jung
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Zuerst Frost und Schnee, dann milde Temperaturen: Die Wetterprognosen kündigen Winter an, doch er kommt nicht. Was ist die Ursache für die „Wintermöhre“?

München – Es ist wie ein Déjà-vu: Jedes Jahr zur kalten Jahreszeit malen Wettermodelle frostige Winterlandschaften in den Himmel der Vorhersagen. Schneeberge und Dauerfrost ab Tag sechs oder sieben – die Hoffnung auf den „echten Winter“ keimt auf. Doch je näher das ersehnte Datum rückt, desto milder werden die Aussichten.

Schneefall und Glatteis: Fotos zeigen Winter-Chaos in Deutschland

Über Nacht starker Schneefall: Am Morgen des 5. Januar war Deutschland vielerorts in tiefes weiß gehüllt.
Kaiserliches Winterwetter blieb am Sonntag dennoch aus. Nach den Schneefällen schlug das Wetter in Regen um – die Folge: Matsch und Glatteis.
Das Problem: Wo Regen auf kalten Boden trifft, wird er zu Eis. Es entsteht Glatteis und im Extremfall sogenannte Eispanzer.
Anhaltende Niederschläge sorgen dafür, dass das Winter-Chaos schwer zu beseitigen ist. Vielerorts kommen die Räumdienste kaum hinterher. Bis zum frühen Vormittag war die Verkehrslage dennoch relativ ruhig, es wird nur von kleineren Rutschunfällen berichtet.
Schneefall und Glatteis: Fotos zeigen Winter-Chaos in Deutschland

Ein frostiges Wetter-Märchen: Die „Wintermöhre“ lockt uns jedes Jahr

Statt Schneemännern gibt es Regen und Frühlingsgefühle. Und dieses Jahr? Schon wieder dasselbe Spiel! Dominik Jung, Diplom-Meteorologe von wetter.net, nennt das Phänomen „Wintermöhre“ – der Winter wird uns wie eine Karotte vor die Nase gehalten, aber wir erreichen ihn nie. „Schneewalzen“ rollen zwar an, aber bleiben will der Winter nie mehr als ein paar Tage.

Frühlingsluft am Tag der Heiligen Drei Könige (6. Januar) in Deutschland. Im Westen können bis zu 14 Grad erreicht werden.

Von Frostträumen zu Frühlingserwachen: Warum das in den Wetter-Vorhersagen so oft passiert

Aber warum passiert das? Die Antwort könnte in einer Mischung aus modernen Wettermodellen und der globalen Erwärmung liegen. Modelle tendieren dazu, Kälte und Schnee in der Mittelfrist zu überschätzen, weil sie auf historische Muster zurückgreifen.

Doch die Realität sieht anders aus: Warme Luftmassen setzen sich immer wieder durch, und der Klimawandel tut sein Übriges. Gerade zum Jahreswechsel zeigt sich das erneut: Statt frostiger Temperaturen von -5 oder -10 Grad bescheren uns die ersten Januarwochen T-Shirt-Wetter. Am Montag sind im Südwesten sogar bis zu 14 Grad drin – ein Schlag ins Gesicht für alle Winterfans!

Wettermodelle in der Kritik: Hat der Winter überhaupt noch eine Chance?

Die Wettervorhersage gleicht mehr einem Glücksspiel als einer Wissenschaft, wenn es um langfristige Winterprognosen geht. Experten wie Dominik Jung sind sich einig: Die globale Erwärmung sorgt für immer unberechenbarere Wetterlagen.

Anfang Januar ist das Wetter in Deutschland vielerorts winterlich.

Die „Wintermöhre“ wird zum Synonym für enttäuschte Hoffnungen. Und während wir den Schnee suchen, bleibt die Realität klar: Winterwetter ist immer schwerer zu greifen. Wird es überhaupt nochmal richtig kalt? Ein neuer Versuch zur Abkühlung soll erst Mitte Januar kommen – aber ob es diesmal klappt, bleibt abzuwarten. Bis dahin genießen wir wohl oder übel die Frühlingswärme.

Fazit: Die „Wintermöhre“ ist mehr als ein Wetterphänomen – sie ist der Spiegel unserer klimatischen Realität. Winterfans bleiben in der Warteschleife!

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dppa

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