Wegen Nordkorea-Soldaten in Kursk

Aufgrund Nordkorea-Soldaten in Kursk: „Storm Shadow“ Angriff auf Russland

  • VonSimon Schröder
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Die Ukraine kann ein wenig durchatmen. Neben den US-ATACMS Raketen ist es Kiew nun auch erlaubt, die Storm Shadow Marschflugkörper gegen Russland zu nutzen.

Kiew – Joe Biden hat die Erlaubnis erteilt. Kurz bevor der amtierende US-Präsident sein Amt abgeben muss, hat er der Ukraine erlaubt, die US-amerikanischen ATACMS-Raketen auch gegen Ziele in Russland einsetzen zu dürfen. Berichten zufolge sollen jetzt auch die britischen Storm-Shadow-Marschflugkörper gegen russisches Territorium eingesetzt werden dürfen. Der britische Premierminister Keir Starmer sprach sich bereits zu Beginn seiner Amtszeit dafür aus, der Ukraine zu erlauben, die Marschflugkörper direkt gegen Russland einsetzen zu dürfen.

Dabei hatte die Sache allerdings einen Haken. Für die Nutzung der Raketen ist die Ukraine auf die Kooperation der USA angewiesen. Nur durch Daten, die die USA Kiew zur Verfügung stellen, kann der Marschflugkörper auch in Bodennähe navigieren. Und bisher hatte die Biden-Regierung sich geweigert, genau das zu tun. Doch die Entscheidung Bidens vom Sonntag, Kiew zu erlauben, ATACMS gegen Russland einsetzen zu dürfen, stellt für die US-Außenpolitik im Ukraine-Krieg eine Kehrtwende dar. Auch die Strom Shadow Flugkörper dürfen nun offenbar, ähnlich wie die ATACMS gegen Ziele in Russland eingesetzt werden.

Die Ukraine setzt im Krieg gegen Russland wiederholt Storm-Shadow-Marschflugkörper mit Erfolg ein. (Archivbild)

Waffenfreigabe im Ukraine-Krieg: ATACMS-Angriffe gegen Russland trifft Muntionsdepot

Am Mittwoch (20. November) war es wohl so weit. Die Ukraine hat zum ersten Mal den Storm-Shadow-Marschflugkörper gegen russisches Gebiet eingesetzt, wie der Guardian und andere Medien berichten. Zuvor am Dienstag nutzten die ukrainischen Streitkräfte erstmals die amerikanischen ATACMS gegen russisches Gebiet. Der Angriff mit den Storm-Shadow-Raketen soll gegen russische Stellungen in der Kursk-Region gerichtet gewesen sein, der ATACMS-Angriff traf ein russisches Munitionsdepot in der Region Brjansk. Dabei soll dort auch nordkoreanische Munition gelagert gewesen sein, wie die britische BBC berichtet.

ATACMS-Raketen und Storm Shadow im Vergleich

Die amerikanischen ATACMS-Raketen gibt es in mehreren Versionen und sind bereits seit den 90er Jahren im Einsatz. Diese ballistische Kurzstreckenrakete fliegt hoch in die Atmosphäre und beschleunigt auf bis zu Mach 3, um ihr Ziel zu treffen. Die Reichweite der Rakete beträgt bis zu 300 Kilometer und kann von einem HIMARS-Raketenwerfer aus abgefeuert werden. Im Ukraine-Krieg kam die Rakete erstmals am 17. Oktober 2023 gegen ein von Russland besetztes Flugfeld zum Einsatz. Damals durfte die US-Waffe nur gegen feindliche Ziele auf ukrainischem Boden eingesetzt werden.

Der Strom Shadow ist entgegen der ATACMS ein von Großbritannien und Frankreich entwickelter Marschflugkörper. Dabei ist er in Frankreich unter der Bezeichnung SCALP-EG bekannt. 2002 wurde die Waffe in Dienst gestellt, wobei sie sich maßgeblich von den ATACMS-Raketen unterscheidet. Die Storm Shadow fliegt nur etwa 30 bis 40 Meter über dem Boden und wird vor allem von Kampfjets im Flug abgeschossen, um Ziele am Boden zu treffen. Dabei hat der Flugkörper eine deutlich höhere Reichweite von bis zu 540 Kilometern.

In Kursk bereitet sich Russland unterdessen vor, eine Gegenoffensive gegen die ukrainischen Truppen zu starten. Dabei setzt der russische Autokrat Wladimir Putin auch auf Unterstützung aus Nordkorea. Mindestens 10.000 nordkoreanische Soldaten, sowie Militärgerät sollen in Kursk stationiert sein, um Russlands Armee vor Ort zu verstärken. Letztendlich war wohl die Zusammenarbeit zwischen Nordkorea und Russland ausschlaggebend, für Präsident Bidens Kehrtwende der Ukraine nun doch zu erlauben US-Waffen und auch den Storm Shadow Marschflugkörper gegen russische Ziele auf russischem Boden zu benutzen. Das berichtete unter anderem die Nachrichtenagentur AP.

Storm Shadow Angriff der Ukraine in Kursk – Russland sieht Eskalation des Ukraine-Kriegs

Nach dem Storm Shadow Angriff sollen Teile der Rakete in der russischen Stadt Marino gefunden worden sein. Russische Militärblogger hatten auf Telegram Bilder der Fragmente geteilt, die mutmaßlich von einem Strom-Shadow-Flugkörper stammen sollen. Welches Ziel die Raketen anvisiert hatten, ist noch unklar.

Für Russland stellt der Schritt jedoch eine weitere Eskalation des Konflikts dar. Russland selbst nutzt bereits seit Beginn des Ukraine-Kriegs Raketen mit großer Reichweite, um Ziele tief im Inneren der Ukraine zu treffen. Dmitri Peskow, Sprecher des Kremls, sagte über die ATACMS-Entscheidung Bidens: „Wenn eine solche Entscheidung wirklich formuliert und dem Kiewer Regime zur Kenntnis gebracht wurde, dann ist dies natürlich eine qualitativ neue Runde von Spannungen und eine qualitativ neue Situation in Bezug auf die Beteiligung der Vereinigten Staaten an diesem Konflikt.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Vladimir Dzhabarov, Mitglied des russischen Parlaments, betonte: „Das ist ein sehr großer Schritt in Richtung eines Dritten Weltkriegs.“ Bisher hatte sich Biden mit der Entscheidung zurückgehalten, um eine weitere Eskalation des Konflikts zu vermeiden und die Verwicklung der USA im Ukraine-Krieg auf ein Minimum zu reduzieren, wie die New York Times berichtete. (sischr)

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