Russischer Vorstoß

Aufnahmen aus Awdijiwka zeigen das Ausmaß der Zerstörung im Ukraine-Krieg

  • VonTadhg Nagel
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In Awdijiwka laufen Monaten Kämfe. Die Stadt gilt als Schlüsselposition im Ukraine-Krieg. Neue Aufnahmen sollen das Ausmaße der Zerstörung zeigen.

Kiew – Seit Monaten toben die Kämpfe um Awdijiwka – die Stadt gilt als Tor zu der von Russland kontrollierten Stadt Donezk. Neue Aufnahmen scheinen die Zerstörung nach den anhaltenden russischen Angriffen im Ukraine-Krieg zu zeigen.

Ein kurzer Clip, den ukrainischen Sondereinsatzkräften am Mittwoch (31. Januar) veröffentlichten, zeigt ausgebrannte, zerfallende Gebäude und einen Soldaten, der sich seinen Weg durch die schneebedeckten Straßen der Stadt bahnt, die bereits zehn Jahre an der Front überstanden hat. Trümmer liegen unter kahlen Bäumen verstreut. Das Filmmaterial ist auf Januar 2024 datiert, enthält aber keine näheren Angaben. Es lässt sich vorerst nicht überprüfen, ob die Aufnahmen authentisch sind.

Russische Offensive auf Awdijiwka kostet viele Leben – Noch immer harren 1000 Einwohner aus

Die bereits seit dem 10. Oktober andauernde russische Offensive auf Awdijiwka hat wohl bereits Tausende von Todesopern auf beiden Seiten gefordert. In den vergangenen Monaten hat die russische Armee langsam, aber stetig Fortschritte in der Umgebung gemacht. Obwohl Russland in den letzten Wochen vermehrt Angriffe entlang der Frontlinien in den ukrainischen Regionen Charkiw und Luhansk durchgeführt hat, erklärte das britische Verteidigungsministerium am Samstag (27. Januar), Awdijiwka sei die „Hauptpriorität“ Russlands. Noch immer laufen Bemühungen, die weniger als 1.000 verbleibenden Einwohner zu evakuieren.

Der ukrainische Präsident, Volodymyr Selenskyj, bei einem Besuch an der Front in Awdijiwka.

Der Kreml habe einen „dreifachen Angriff“ gestartet, um Awdijiwka von Süden und Norden her einzukesseln, wobei die Kämpfe an den Rändern des östlichen Viertels von Avdiivka ausgebrochen seien, erklärte die britische Regierung. Laut dem Ministerium versuchen Russlands Truppen, die ukrainischen Befestigungen durch Abwassertunnel zu umgehen, was teilweise schon gelungen zu sein scheint.

Der russische Militärblogger „Razwjedka“ veröffentlichte am 20. Januar einen Post auf Telegram, in dem er die Operation als „durchschlagenden Sieg und völlig neues Niveau der operativen Kunst“ bezeichnete. Trotzdem geht das britische Verteidigungsministerium davon aus, dass die Ukraine die Stadt vorerst halten wird.

Laut Putin „wichtigster“ Brennpunkte der Kämpfe - Russland verliert in Awdijiwka zahlreiche Fahrzeuge

Gelänge es, Awdijiwka einzunehmen, wäre dies nicht nur symbolisch ein bedeutender Sieg für Russland. Er würde es der Armee ermöglichen, ihre logistischen Operationen erheblich auszuweiten. Zudem würde es die ukrainischen Operationen gegen russische Stellungen in der Regionalhauptstadt Donezk erschweren und könnte Russland den Weg nach Kostjantyniwka ebnen – einer „ziemlich wichtigen Festung“, wie der ehemalige ukrainische Oberst Serhij Hrabsky dem US-Portal Newsweek erklärte. Am Mittwoch bezeichnete der russische Präsident Wladimir Putin Awdijiwka als einen der „wichtigsten“ Brennpunkte der Kämpfe.

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Die russischen Vorstöße um Awdijiwka haben allerdings einen hohen Preis. Laut dem britischen Verteidigungsministerium hat Russland in den ersten drei Wochen der Offensive rund 200 gepanzerte Fahrzeuge verloren. Brigadegeneral Oleksandr Tarnawskyj, Befehlshaber der ukrainischen Tavria-Kräfte, die Awdijiwka abdecken, sagte, es gebe entlang der Frontlinie in der Nähe der Stadt „Hunderte von zerstörten russischen Einheiten“. Um gepanzerte Fahrzeuge zu schonen, haben die russischen Streitkräfte ihre Angriffe auf Awdijiwka laut dem in den USA ansässige Thinktank Institute for the Study of War daher auf Infanterie-Einheiten umgestellt. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ukraine Presidency via Bestimage