US-Wahl 2024

Biden erklärt seinen Rückzug aus dem US-Wahlkampf: „Wir müssen Trump schlagen“

US-Präsident Joe Biden spricht bei einer Veranstaltung zum 60. Jahrestag des Bürgerrechtsgesetzes in der LBJ Presidential Library.
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Biden spricht über Gründe für Rückzug als Präsidentschaftskandidat
  • Jekaterina Jalunina
    VonJekaterina Jalunina
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Anfangs weigerte er sich, den Wahlkampf zu verlassen. Nun erklärt US-Präsident Biden, er möchte nicht von der zentralen Mission der Demokraten ablenken – dem Sieg über Trump.

Washington – Amtsinhaber Joe Biden hat in einem Interview über die Beweggründe für seinen Rückzug als Kandidat der Demokraten für die Präsidentschaftswahl gesprochen. Es sei ihm darum gegangen, sein Bestes zu tun, um die Demokratie in den Vereinigten Staaten zu schützen und eine Wiederwahl des Republikaners Donald Trump zu verhindern, sagte Biden in dem Gespräch mit dem US-Sender CBS News. „Wir müssen, müssen, müssen Trump schlagen“, betonte der 81-Jährige.

Umfragen hätten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und Trump prognostiziert, sagte Biden. Doch Senatoren und Abgeordnete aus seiner Partei hätten Befürchtungen geäußert, dass sein Festhalten an der Präsidentschaftskandidatur auch ihre eigenen Erfolgschancen eintrüben könnte. Er sei in der Folge besorgt gewesen, dass die Frage nach seinem Verbleib als Kandidat den Wahlkampf überschatten würde. Zudem habe er sich schon im Wahlkampf 2020 als Präsident des Übergangs zu einer jüngeren Generation gesehen, erklärte Biden.

US-Wahl: Nach TV-Duell mit Trump heftig in der Kritik - Bidens Rückzug aus dem Wahlkampf

In einem vorab aufgezeichneten Vieraugengespräch mit Robert Costa von CBS News sagte Biden: „Aber einige meiner demokratischen Kollegen im Repräsentantenhaus und im Senat dachten, ich würde ihnen im Rennen schaden“, erklärte Biden. „Und ich war besorgt, dass, wenn ich im Rennen bliebe, das das Thema sein würde, zu dem Sie mich interviewen würden [...] Und ich dachte, das würde wirklich ablenken.“

Biden hatte vor gut drei Wochen seinen Rückzug als Kandidat erklärt und sich für Vizepräsidentin Kamala Harris ausgesprochen. Biden war wegen eines weitestgehend misslungenen Auftritts bei einem TV-Duell mit Trump (78) Ende Juni heftig in die Kritik geraten. Auch Parteifreunde fingen plötzlich an, mehr oder weniger offen infrage zu stellen, ob er noch physisch und mental fit genug sei für eine weitere Amtszeit. Zunächst wollte Biden allerdings nichts davon wissen und mauerte. Knapp einen Monat nach dem TV-Duell verkündete er schließlich seinen Rückzug. 

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Bessere Chancen gegen Trump: Knappes Rennen bei der US-Wahl

Für die Demokraten scheint sich die ungewöhnliche Rochade nur drei Monate vor der Wahl Anfang November gelohnt zu haben. Jüngste Umfragen deuten darauf hin, dass Harris und ihr frisch gekürter Vize-Kandidat, Gouverneur Tim Walz, etwas bessere Chancen haben, Trump zu besiegen. Doch auch mit dem frischen Wind bei den Demokraten und dem neuen Enthusiasmus bei den Anhängern der Partei ist klar: Den Umfragen zufolge dürfte es weiter ein sehr knappes Rennen werden. (dpa/jal)