Bruch in der Israel-Politik?

„Wir dürfen nicht schweigen“: Harris äußert sich zu Lage in Gaza – und fordert Geiseldeal

  • VonLisa Mahnke
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US-Vizepräsidentin Harris hat gegenüber Netanjahu ihre Haltung zum Krieg im Gazastreifen verdeutlicht. Sie fordert Israel zu einem Waffenstillstand auf.

Washington, D. C. – Die US-Vizepräsidentin und voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Kamala Harris, hat sich entschieden gegen das Schweigen zur Situation in Gaza ausgesprochen. Sie forderte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei ihrem Gespräch am Donnerstag (25. Juli) nachdrücklich auf, einen Waffenstillstandsvertrag abzuschließen. Es ist das erste Mal seit langem, dass Harris‘ eigene Linie in dem Konflikt deutlich wird.

So schauten viele gespannt auf die Vize-Präsidentin, um zu sehen, ob sie mit der unbeliebten Israel-Politik des US-Präsidenten Joe Biden bricht. In einer emotionalen Erklärung nach dem Treffen mit Netanjahu in Washington sagte Harris, sie werde angesichts des Leids in Gaza „nicht schweigen“. Die Situation im Gazastreifen über die vergangenen neun Monate sei „verheerend“. Harris betonte, dass Israel zwar das Recht habe, sich zu verteidigen, aber wie der Staat dies tue, von Bedeutung sei.

Kamala Harris machte in einer Rede nach dem Gespräch mit Netanjahu ihre eigene Linie deutlich.

Harris drängt bei Netanjahu auf schnellen Waffenstillstand – und geht auf Unzufriedenheit mit der Israel-Politik ein

„Die Bilder von toten Kindern und verzweifelten, hungernden Menschen, die sich in Sicherheit bringen, manchmal schon zum zweiten, dritten oder vierten Mal vertrieben. Wir können angesichts dieser Tragödien nicht wegschauen“, erklärte die Demokratin nach dem Treffen. Nachdem die voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin zuvor oft Bidens Linie in der Israel-Politik gefahren ist, war diese Rede die klarste Darstellung ihrer Position bisher.

So drängte Harris Netanjahu, den Konflikt schnell zu beenden. Ähnlich wie Biden war sie dabei jedoch bedacht, die Beziehung zwischen den USA und Israel aufrechtzuerhalten. Harris lobte die Arbeit von Biden und bezog sich auf den mehrstufigen Friedensplan, der in der Vergangenheit in die Diskussion eingebracht wurde.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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Kamala Harris plant in ihrer Israel-Politik langfristig

„Es ist an der Zeit, diesen Krieg zu beenden, und zwar so, dass Israel sicher ist, alle Geiseln freigelassen werden, das Leid der Palästinenser in Gaza endet und das palästinensische Volk sein Recht auf Freiheit, Würde und Selbstbestimmung ausüben kann“, sagte Harris. Die Demokratin gab an, es habe eine „hoffnungsvolle Bewegung“ in den Gesprächen gegeben.

Die Vizepräsidentin verwies auch auf die amerikanischen Geiseln, die von der Hamas festgehalten werden, und nannte deren Namen. Sie betonte: „Es ist wichtig für das amerikanische Volk, sich daran zu erinnern, dass der Krieg in Gaza kein binäres Thema ist.“ Zu dem Großteil der Bevölkerung, der Israels Krieg in Gaza ablehnt, sagte Harris: „Ich höre euch.“ Langfristig sprach sich Harris für eine Zwei-Staaten-Lösung aus. (lismah)

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