Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

„Gefahr für Leib und Leben“: Höchste Wetter-Warnstufe – Bis zu 150 Liter Regen, Lage verschärft sich dramatisch

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Von Mitternacht bis Dienstagmittag (9. September) drohen massive Unwetter mit Starkregen, die Erdrutsche auslösen können. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Ab der Nacht zum Dienstag (9. September) erreicht von Frankreich und Belgien her ein mächtiges Regengebiet den Westen Deutschlands. Innerhalb weniger Stunden können 40 bis 90 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, örtlich sogar deutlich mehr, wenn sich Gewitter in die Regenzonen einlagern – dann sind bis zu 150 Liter möglich. Das ist eine ganze Monatsmenge.

Land unter im Westen: bis Dienstagmittag (9. September) kommt es dort zu extrem starken Regenfällen. Es drohen Überschwemmungen.

Die Kanalisation kann diese Wassermengen vielerorts nicht aufnehmen, sodass Keller volllaufen und Wasser in Häuser eindringen kann. Vor allem im Westen Nordrhein-Westfalens, in Rheinland-Pfalz und im Saarland steigt das Risiko massiver Überschwemmungen. Auch kleinere Bäche können sich innerhalb kurzer Zeit in reißende Ströme verwandeln und unberechenbar anschwellen – eine akute Gefahr für Leib und Leben.

Wetter macht Straßen zur Falle: Aquaplaning und Lebensgefahr in Unterführungen

Auf den Straßen droht durch die überraschende Wetter-Wende und die enormen Niederschlagsmengen gefährliches Aquaplaning. Dabei bildet sich ein Wasserfilm zwischen Reifen und Fahrbahn, sodass Fahrzeuge unkontrollierbar ins Gleiten geraten. Besonders auf Autobahnen und Landstraßen kann das tödliche Folgen haben. Noch gefährlicher wird es in Unterführungen: Sie füllen sich bei Starkregen in kürzester Zeit mit Wasser und können zur tödlichen Falle für Autofahrerinnen und Autofahrer werden. Wer unterwegs ist, sollte deshalb unbedingt auf Umleitungen achten und überschwemmte Straßen niemals durchfahren.

Erdrutsche und steigende Flusspegel verschärfen die Lage

Neben Überschwemmungen droht auch Hangrutschgefahr. Die aufgeweichten Böden können abrutschen und Straßen blockieren oder Häuser beschädigen. Besonders in den Mittelgebirgsregionen wie der Eifel, dem Hunsrück oder dem Saarland besteht ein erhöhtes Risiko. Auch an Flüssen kann es gefährlich werden: Wenn kleine Zuflüsse plötzlich anschwellen, steigen die Pegel großer Flüsse rasch an. Die Unwettergefahr hält voraussichtlich bis Dienstagmittag (9. September) an, bevor die Niederschläge langsam nachlassen. Doch auch danach bleibt die Lage angespannt, da das viele Wasser nur verzögert abfließt. Anwohnerinnen und Anwohner sollten Keller, tieferliegende Räume und Fahrzeuge rechtzeitig sichern und aktuelle Warnungen genau verfolgen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth

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