Verstärkung der Nato-Ostflanke

Bundeswehr-Brigade in Litauen: Erste Soldaten werden im April stationiert

  • Nail Akkoyun
    VonNail Akkoyun
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Deutschland stärkt seine Präsenz an der Nato-Ostflanke. Erste Soldaten treffen im April ein, um die Pläne der Bundeswehr zu koordinieren.

Vilnius – Die Stationierung von Bundeswehr-Soldaten in Litauen nimmt weiter Formen an. Bereits im April sollen die ersten Soldaten für die deutsche Brigade zum verstärkten Schutz des Nato-Partners eintreffen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Vilnius sollen sich zunächst 20 Soldaten in der Hauptstadt Vilnius einfinden, die für die Planung der Stationierung der Brigade in das baltische EU- und Nato-Land zuständig sein werden. Auch sollen sie die Anforderungen an die militärische Infrastruktur koordinieren und die Verlegung deutscher Truppen nach Litauen unterstützen, hieß es in einer Mitteilung am Mittwoch. Bis zum Jahresende sollen es 150 Soldaten sein. 

Verstärkung der Nato-Ostflanke: Bundeswehr-Übungen nahe der Grenze zu Belarus geplant

Deutschland will einen gefechtsbereiten und eigenständig handlungsfähigen Verband in Litauen stationieren. Die Brigade soll einem Ende 2023 unterzeichneten Fahrplan zufolge bis 2027 kampffähig sein. Vorgesehen ist eine dauerhafte Präsenz von bis zu 5000 Bundeswehrangehörigen. „Mit dieser kriegstüchtigen Brigade übernehmen wir eine Führungsverantwortung im Bündnis hier an der Nato-Ostflanke“, hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) schon vor Monaten gesagt. 

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) spricht zu Bundeswehrsoldaten im litauischen Rukla. (Archivfoto)

Haupteinsatzort der deutschen Brigade soll der Truppenübungsplatz Rudninkai unweit der Grenze zu Belarus sein. Dort werden nach der Errichtung der militärischen Infrastruktur rund 80 Prozent der Soldaten ihren Dienstort haben, hieß es in der Mitteilung weiter. Die übrigen Soldaten sollen in Rukla im Zentrum des Landes stationiert werden.

Anfang März hatten Hunderte deutsche Soldaten mit ihren Militärfahrzeugen an einem Manöver an der Nato-Ostflanke teilgenommen. Die Übungsserie „Steadfast Defender“ (auf Deutsch: „Standhafter Verteidiger“) gilt als Reaktion auf die sicherheitspolitische Lage rund um den Ukraine-Krieg sowie das angespannte Verhältnis zu Russland.

Nato: Die wichtigsten Kampfeinsätze des Verteidigungsbündnisses

Seit ihrer Gründung am 4. April 1949 hat sich die Rolle des Nordatlantik-Pakts Nato stark verändert. Aus dem Bündnis, das  vorrangig der Verteidigung diente, wurde in den 1990ern eine global eingreifende Ordnungsmacht. Ihren ersten Kampfeinsatz leistete die Nato, deren Hauptquartier sich seit 1967 in Brüssel befindet, im Jahr 1995.
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. 
Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Die Nato-Streitkräfte waren auch im Kosovo-Krieg im Einsatz. Anlass für den Angriff der Nato im Rahmen der Operation „Allied Force“ war die Nichtunterzeichnung des Vertrags von Rambouillet durch den serbischen Präsidenten Slobodan Milošević (rechts, hier mit dem damaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer). Offizielles Hauptziel war, die Regierung Miloševićs zum Rückzug der Armee aus dem Kosovo zu zwingen.
Nato: Die wichtigsten Kampfeinsätze des Verteidigungsbündnisses

Litauen stellt Wohnungen und Gebäude für Bundeswehr-Soldaten und deren Familien

Leben sollen die Soldaten und ihre Familien in Vilnius und Kaunas. Litauen wird für die Stationierung die notwendige militärische und zivile Infrastruktur für die Truppe und ihre Familien bereitstellen. In den zwei Großstädten sollen jeweils eine Schule und ein Kindergarten aufgebaut werden. Deutschland werde sich dabei um den Bildungsprozess kümmern und brauche nur die Gebäude, sagte der Chef des Ausschusses für nationale Sicherheit und Verteidigung, Laurynas Kasciunas. Die Wohnungen für die Soldaten sollen angemietet werden.

Litauen grenzt an das mit Russland verbündete Belarus sowie an die russische Ostsee-Enklave Kaliningrad. Zwischen beiden verläuft ein schmaler Landkorridor Richtung Westen entlang – die sogenannte Suwalki-Lücke, in der es im Falle eines Angriffs zu Gefechten kommen könnte. Deutschlands Truppenstationierung soll somit die Nato-Präsenz in der heiklen Zone verstärken. (nak/dpa)

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