Nach dem TV-Duell gegen Biden

Michelle Obama weist Trump in die Schranken: Umfrage zeigt deutlichen Trend bei Präsidentenfrage

  • VonLisa Mahnke
    schließen

Nach dem TV-Duell mit Biden sind Demokraten auf der Suche nach anderen Kandidaten. Eine Umfrage zeigt: Michelle Obama könnte es mit Trump aufnehmen.

Washington, D.C. – Der amtierende US-Präsident Joe Biden gilt als Verlierer des ersten TV-Duells. Damit sorgte er bei seinen Parteikollegen für Besorgnis. Einige Demokraten suchen nun nach einem schnellen Ersatz für die US-Wahl 2024, denn Biden ist in der Bevölkerung unbeliebt. Eine Umfrage vom 1. und 2. Juli zeigte nun: Nur die frühere First Lady Michelle Obama könnte den Ex-Präsidenten Donald Trump sicher schlagen.

In einer Reuters/Ipsos-Umfrage mit etwa 1000 Teilnehmenden gaben 50 Prozent der befragten Wählerschaft an, Obama wählen zu wollen, wenn an diesem Tag die Wahl wäre. Trump erreichte mit dieser Paarung nur 39 Prozent. Bei einer Fehlermarge von 3,2 Prozentpunkten scheint dies ein eindeutiges Ergebnis für Obama zu sein, besonders im Gegensatz zu Biden. In einem Match zwischen Biden und Trump erreichten beide Kandidaten 40 Prozent der befragten Wahlberechtigten. Auch gegenüber der anderen möglichen Kandidaten, die in der Umfrage abgefragt wurden, schnitt Obama als einzige deutlich besser ab.

Michelle Obama gilt schon länger als mögliche Alternative zu Joe Biden.

Trump schießt gegen Obama – andere Kandidaten würden bei US-Wahl 2024 schlechter abschneiden

Als Reaktion auf die Umfrage schoss auch der voraussichtliche Republikaner-Kandidat gegen Obama, die schon länger als möglicher Biden-Ersatz gehandelt wird. Trump sagte laut Newsweek bei einem Kampagnenevent: „Sie haben alle befragt. Sie haben Michelle Obama befragt, sie hat sehr schlechte Umfragewerte. Nein, ihre Umfragewerte sind furchtbar.“ Dabei schnitt Obama nicht nur bei dem hypothetischen Wahlergebnis, sondern auch bei der Frage nach der Beliebtheit mit 55 Prozent deutlich besser als Trump (42 Prozent) und Biden (38 Prozent) ab.

Die aktuelle Vize-Präsidentin Kamala Harris lag bei den Angaben zu einer hypothetischen Wahl einen Prozentpunkt hinter Trump (42 % zu 43 %). Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom und die Gouverneurin lagen beide noch weiter hinter Trump, ebenso wie der Gouverneur von Illinois, bekannt als J. B. Pritzker. Neben Obama schnitt so sogar Biden besser ab als mögliche andere Alternativkandidaten. „Es ist kaum zu glauben, aber der korrupte Joe Biden hat bessere Umfragewerte als diese Leute“, erklärte Trump bei seinem Kampagnenevent weiter. Allerdings sind die übrigen Demokraten auf der Liste landesweit auch noch wenig bekannt. Das würde sich bei einer Kandidatur rasch ändern.

Nur „Nostalgie für Barack“: US-Wahl 2024 bleibt wohl bei Duell zwischen Trump und Biden

„Die Umfragen, die zeigen, dass Michelle Obama Donald Trump schlagen könnte, spiegeln lediglich die Nostalgie für Barack wider“, sagte Thomas Gift, Direktor des Zentrums für US-Politik am University College London, laut Newsweek. „Es ist leicht, die Konkurrenz zu besiegen, wenn man kein politisches Programm hat und nicht so genau geprüft wird wie die Präsidentschaftskandidaten im Jahr 2024.“

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Gift nannte die Idee, Michelle Obama könnte bei der US-Wahl 2024 für die Demokraten gegen Trump antreten, ein Hirngespinst. Denn Obama hat bereits mehrfach betont, sie wolle nicht kandidieren. „Frau Obama unterstützt die Wiederwahlkampagne von Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris“, bestätigte die Obama-Sprecherin Crystal Carson bei NBC-News die Haltung der ehemaligen First Lady.

Nach TV-Duell gegen Trump: Vielen wollen Bidens Ausstieg – Biden bleibt standhaft

Zum TV-Duell sagte die Mehrheit der Zuschauenden laut einer CNN-Umfrage, Trump hätte gewonnen. Einige Demokraten forderten daraufhin den Rücktritt von Joe Biden. Formal wird der 81-Jährige erst im August als Kandidat nominiert. Dass bis dahin ein Ersatz gefunden wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Der Kampagnensprecher Seth Schuster sagte Newsweek, dass Biden „nicht aussteigt“.

Auch in der Umfrage gaben 32 Prozent der demokratischen Wählerschaft an, Biden sollte nach dem TV-Duell aus dem US-Wahlkampf aussteigen. Unter allen Befragten stimmten sogar 52 Prozent für einen Ausstieg Bidens. 46 Prozent gaben an, Trump sollte aussteigen. Mehrfach zeigte sich in den letzten Monaten: In der US-Wahl 2024 stehen sich zwei Kandidaten gegenüber, die keiner will. Dass sich in der nächsten Zeit ein besserer Ersatz finden lässt, ist jedoch unwahrscheinlich. (lismah)

Rubriklistenbild: © KAMIL KRZACZYNSKI/AFP