Militärhilfe für die Ukraine

„Eine Primadonna“: F-16 könnte der Ukraine noch Ärger machen

  • VonTadhg Nagel
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Die Ukraine erhält mehr als 60 neue Kampfflugzeuge. Ihre Einsatztauglichkeit im Krieg könnte durchwachsen sein. Oder setzt Kiew sie schon ein?

Kiew - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bestätigt, dass das Land noch in diesem Jahr Unterstützung durch F-16-Kampfjets westlicher Verbündeter erhalten wird. Allerdings gilt das Modell als wartungsintensiv; die Ukraine muss sich gut auf die neuen Flugzeuge im Ukraine-Krieg vorbereiten. Zudem könnten sie für Russland am Boden ein leichtes Ziel sein.

Wird die F-16 in der Ukraine halten, was sie verspricht?

Selenskyj und der niederländische Premier Mark Rutte hatten am Freitag in Charkiw ein bilaterales Abkommen zur sicherheitspolitischen Zusammenarbeit beider Länder unterzeichnet. Außerdem kündigte der ukrainische Staatschef neue Militärhilfen durch die Niederlande an, darunter auch F-16-Jets.

„Heute haben wir ein neues Paket der militärischen Unterstützung für unsere Krieger aus den Niederlanden. Übrigens helfen uns die Niederlande aktiv bei der Luftverteidigung, mit der F-16-Koalition. In diesem Jahr werden neue Kampfjets an unserem Himmel sein, und wir müssen dieses Jahr zu einem effektiven Jahr machen, um uns gegen russische Lenkbomben, russische Flugzeuge und ihre Raketen zu verteidigen“, so Selenskyj gegenüber der Zeitung Ukrainska Pravada.

Mehr als 60 General Dynamics F-16 Fighting Falcon - Westliches Bündnis unterstützt Ukraine im Krieg

Auch der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen hatte im Februar erklärt, Dänemark arbeite „mit voller Kapazität“ daran, der Ukraine in diesem Sommer die ersten F-16-Kampfjets liefern zu können. Insgesamt werden dem Land mehr als 60 Flugzeuge des Typs General Dynamics F-16 Fighting Falcon angeboten. Dänemark, die Niederlanden und Belgien wollen diese bereitstellen - eine multinationale Koalition bildet derzeit Piloten und Besatzungen aus.

Die Jets sind eine Antwort auf die Bitten Kiews, die Chancen gegen die russische Luftwaffe am Himmel über der Ukraine auszugleichen. Allerdings könnte äußerst schwierig sein, die Kampfflugzeuge in die Luft zu bekommen, wie das US-Nachrichtenportal Politico schreibt. Gerade die Stützpunkte würden gewiss ein bevorzugtes Ziel für russische Angriffe sein. Zudem seien die Flugzeuge leicht durch russischen Luftabwehrsystemen zu erfassen. Auch ihre Reparatur werde eine Herausforderung sein, und selbst die Nutzung unvorbereiteter Start- und Landebahnen könne die empfindlichen Flugzeuge sabotieren.

F-16 ist „ein empfindliches Tier“ - Flugplätze müssen vor Einsatz gegen Russland umgerüstet werden

Ein ehemaliger F-16-Pilot der US-Marine, Tom Richter, hob in dem Bericht hervor, dass die Kampfjets - im Vergleich zu den MiG- und Sukhoi-Jets aus der Sowjetära, die die Ukraine bisher hat - „ein empfindliches Tier“ seien. Man könne „schon von außen spüren, wie hochtechnisiert die F-16 ist“. Zudem sei das Flugzeug „eine Primadonna“, die sehr empfindlich sei und „einen hohen Wartungsaufwand“ benötige. Richter zeigte sich außerdem besorgt über die Start- und Landebahnen. Die sowjetischen Flugzeuge seien „rauer und unruhiger“ und könnten von schlecht gewarteten Flugplätzen abfliegen. Zudem sei der Wartungsaufwand geringer.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Da die Ukraine während des Krieges nur schwer moderne Flughäfen bauen kann, müssen die alten angepasst werden. „Start- und Landebahnen müssen vorbereitet werden, denn das Fahrwerk der MiGs ist empfindlicher, die Räder sind klein, die Lufteinlässe sind niedrig, und es besteht die Gefahr, dass Gegenstände verschluckt werden“, so der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Jurij Ihnat, gegenüber Politico.

Ein Gewinn für die ukrainische Luftwaffe - Setzt das Land die Flugzeuge bereits ein?

Trotzdem wird die F-16 laut Ihat ein Gewinn für die ukrainische Luftwaffe sein. „Ein Pilot wird in der Lage sein, Raketen aus der Luft zu steuern und das Ziel zu bestimmen. Er kann reale Informationen in einer Kampfumgebung erhalten und entsprechende Entscheidungen über den Abschuss von Zielen treffen. Außerdem wird es möglich sein, Luft-Luft-Raketen einzusetzen. Diese können bis zu 180 Kilometer weit fliegen“, so der Sprecher.

Möglicherweise hat die Ukraine auch schon einzelne F-16 Flugzeuge erhalten, die sie jetzt im Verborgenen einsetzt. Die Ukraine meldete unlängst den Abschuss einer Rekordzahl russischer Kampfflugzeuge. Der österreichische Historiker Markus Reisner vermutet dahinter den Einsatz der neuen Flugzeuge, wie im Interview mit n-tv sagte. Man wisse „aus der Vergangenheit, dass immer wieder Waffensysteme bereits vor der eigentlichen Ankündigung eingesetzt worden sind“, so Reisner. Bisher sei das im Fall der F-16-Kampfjets allerdings „reine Spekulation und es gibt dafür keine sichtbaren Beweise“. (tpn)

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