Große Auswirkungen befürchtet
Rätselhafte Störungen des GPS-Signals in der Ostsee – Experten finden Quelle
VonDaniel Geradtzschließen
Seit mehreren Monaten werden in der Ostsee immer häufiger Störungen des GPS-Signals bemerkt. Nun konnten zwei Quellen in Russland identifiziert werden.
Moskau – Der GPS-System in manchen Gebieten der Ostsee ist seit mehreren Monaten gestört. Welt berichtet online unter Berufung auf die polnische Presseagentur PAP, dass die polnische Flugsicherungsbehörde seit dem 25. Dezember Anomalien im GPS-Signal feststelle und eine entsprechende Mitteilung an die Behörden anderer Länder herausgegeben habe. Vergleichbare Störungen würden rund um die Ukraine und an der Nordwest-Grenze Russlands schon seit mehreren Monaten auftreten, heißt es.
Rätselhafte GPS-Störungen im Ostsee-Raum – Quelle offenbar in Kaliningrad und St. Petersburg
Neuerdings sind mit Finnland und Schweden zwei weitere Länder von den Störungen im Ostsee-Raum betroffen. Ein Sicherheitsforscher der Plattform X (früher Twitter), dessen Name Marcus Jonsson allem Anschein nach ein Pseudonym ist, postete nun, dass er die Quelle für die Störungen gefunden habe. Demnach befindet sich diese in der russischen Exklave Kaliningrad. Für seine Auswertung hat er die öffentlich verfügbaren Signale aus dem zivilen Luftverkehr analysiert. Die sogenannten ADS-B-Signale geben unter anderem Aufschluss darüber, ob der GPS-Empfang gestört ist.
I think I found the location of the Baltic Jammer. In Kaliningrad, Russia.
— Markus Jonsson (@auonsson) January 3, 2024
Since Dec 15 aircrafts have suffered from navigation errors over south Baltic Sea, on and off.
By plotting an assumed max jamming-range for each bad position there is one area standing out: Kaliningrad. pic.twitter.com/EgT6mcoZU4
Auch in Estland werden die GPS-Signale derzeit vermehrt beeinträchtigt. Laut Welt hat die dortige Flugüberwachungsbehörde St. Petersburg als Quelle ausgemacht. Experten sind davon überzeugt, dass es sich dabei um eine Form der elektronischen Kriegsführung Russlands handele. Denn die gestörten Signale führen dazu, dass ferngesteuerte Drohnen fehlgeleitet werden. Zuletzt hatten Russland seine Luftangriffe im Krieg gegen die Ukraine verstärkt.
Ostsee: GPS-Störungen sind geringe Gefahr für Flugzeuge
Probleme können dabei auch für die Zivilbevölkerung entstehen. Die Gefahr, dass Verkehrsflugzeuge fehlgeleitet werden, scheint derzeit gering zu sein. Zwar nutzen diese auch GPS. Doch insbesondere in den betroffenen Regionen schaffen bodengebundene Richtfunkbaken Signal-Sicherheit. Dennoch warnt der Logistikdienstleister UPS seine Piloten darauf hin, das widersprüchliche Meldungen der Systeme das Lagebewusstsein beeinträchtigen könnte.
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Auf Schiffe werden sich die Störungen vermutlich deutlicher auswirken. Die Crews sind es gewohnt, sich völlig auf ihre Systeme zu verlassen.
Das ursprünglich für militärische Zwecke entwickelte GPS kommt heute nicht aber nur bei der Navigation, sondern auch bei vielen standortbasierten Anwendungen im Alltag zum Einsatz. Außerdem ist es ein wichtiger Zeitgeber. Vor allem das Bankwesen nutzt die über das Signal übermittelte Zeit, um Transaktionen und Vorgänge eindeutig zuordnen zu können.
Die Resilient Navigation und Timing Foundation warnte in einer Studie vor den schwerwiegenden Folgen, die Störungen des GPS-Signals zur Folge haben können. Außerdem mahnte die Stiftung, dass die Manipulation des Signals zu leicht möglich sei.
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