„Niemand ist sicher“

Proteste in der Türkei: Hunderttausende Menschen bei Großdemo in Istanbul – Imamoglu warnt vor Erdogan

Proteste in der Türkei
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Hunderttausende versammeln sich zu Protesten der Opposition in Istanbul.
  • Felix Busjaeger
    VonFelix Busjaeger
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Die Inhaftierung des wichtigsten Erdogan-Rivalen Imamoglu sorgt weiter für Proteste in der Türkei. In Istanbul ist nun eine Großdemonstration geplant.

Update, 15.31 Uhr: Während der Proteste in der Türkei hat İmamoglus Ehefrau Dilek die Menge aufgefordert, weiterzukämpfen. „Morgen wird der Feiertag von Millionen Familien vom Schmerz der Armut, Ungerechtigkeit und Verzweiflung überschattet sein“, kritisierte Dilek İmamoğlu. „Auch unsere Familie wird diesen Feiertag ohne ihren Vater verbringen.“ Wie die Tagesschau derweil berichtet, wurden seit Beginn der Proteste in der Türkei etwa 2000 Menschen festgenommen. Die heutige Großdemo in Istanbul war die größte seit den Gezi-Protesten 2013.

„Sie sind heute hier, um die Zukunft der Türkei zu ergreifen und unsere Zukunft und Demokratie zu verteidigen“, sagte CHP-Chef Özgür Özel. Zugleich kündigte er weitere Proteste in der Türkei an.

Update, 13.30 Uhr: Die Menschen in der Türkei setzen ihre Proteste gegen die Regierung von Präsident Erdogan fort. Bei der Groß-Demo der Opposition in Istanbul habe sich bereits am Mittag Hunderttausende Menschen versammelt. Die Menschen kamen auf der asiatischen Seite der Bosporus-Metropole zusammen, um nach der Inhaftierung des Bürgermeisters Ekrem Imamoglu für den Erhalt der Demokratie in der Türkei zu demonstrieren, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Der Chef der größten Oppositionspartei CHP, Özgur Özel, sprach bei der Kundgebung sogar von mehr als zwei Millionen Teilnehmenden.

Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Armut, Haft, absolute Macht: Der Sohn eines Küstenschiffers wird in einer politischen Karriere vom eifrigen Koranschüler zum absoluten Machthaber in der Türkei. Recep Tayyip Erdogans Weg kann getrost unüblich genannt werden. Aufgewachsen in einem religiösen, doch armen Vorort von Istanbul macht er als talentierter Fußballer auf sich aufmerksam. Der religiöse Vater verbietet den Traum vom Fußball und schickt ihn auf eine Religionsschule, auf welcher er ein neues Talent entdeckt. Die freie Rede ist damals eines der wichtigsten Fächer und der junge Recep macht schon damals mit seinem Redetalent auf sich aufmerksam und konnte aufgrund des ISKI-Skandals als Außenseiter Bürgermeister Istanbuls werden.
Es folgte ein großer Wahlerfolg seiner Partei bei den Parlamentsgutswahlen 2002. Zwar durfte Erdogan aufgrund eines Gedichtes, für welches er zu einem Politikverbot und einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, nicht das Amt des Ministerpräsidenten nicht einnehmen. Dafür installierte er seinen Parteikollegen Abdullah Gül in dem Amt, welcher kurzerhand die Gesetze änderte, um das Vergehen, welches Erdogan ein Politikverbot einbrachte, umschrieb.
Nachdem Gül die Verfassungsänderung durchgebracht hatte, und eine Annullierung der Wahl in der Provinz Siirt stattfand, konnte er nachträglich als Abgeordneter ins Parlament einziehen. Somit war er erneut offiziell Politiker und in der Lage, Ämter innezuhaben. Er wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident und Gül übernahm den Posten des Außenministers. Hier auf diesem Foto wird Erdogan als Parlamentsabgeordneter vereidigt.
Erdogan wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident, Abdullah Gül übernahm den Posten des Außenministers. Zunächst öffnete sich die Türkei dem Westen und schuf etwa die Todesstrafe ab. Außenpolitisch verfolgte Erdogan zudem anfangs eine Annäherung an die EU, sodass ein möglicher Beitritt im Raum stand. Auch verbesserte sich das Verhältnis der Türkei zu ihren östlichen Nachbarn deutlich.
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Proteste in der Türkei nach Inhaftierung von Imamoglu: Großdemo in Istanbul

Istanbul – Die Lage in der Türkei bleibt angespannt. Die Inhaftierung des Erdogan-Kontrahenten Imamoglu sorgt weiter für zahlreiche Proteste und Festnahmen von Regierungskritikern und Journalisten. Mit einer Großkundgebung in Istanbul will die größte türkische Oppositionspartei CHP jetzt erreichen, dass ihr inhaftierter Präsidentschaftskandidat freigelassen wird. Bei den Protesten in der Türkei werden am Samstag Tausende Menschen erwartet. Der inhaftierte Imamoglu meldete sich vor dem Wochenende mit einem Gastbetrag zu Wort und sprach von einer „Republik der Angst“.

Bereits seit dem 19. März 2025 brodelt die politische Lage. Nachdem die türkische Justiz den Erdogan-Kontrahenten İmamoglu verhaftet hatte, zog es immer wieder Tausende Demonstranten auf die Straße. Die Regierung geht derweil mit unerbittlicher Härte gegen die Proteste in der Türkei vor. Zwischenzeitlich wurde einer seiner Anwälte festgenommen. Er ist inzwischen wieder auf freiem Fuß – darf das Land aber nicht verlassen. Das meldete die Nachrichtenagentur Anandolu. Seit Beginn der Proteste in der Türkei hat die Polizei Hunderte Festnahmen vollstreckt.

Proteste in der Türkei: Justiz verhaftet Erdogan-Kontrahenten Imamoglu

Seit dem 19. März gibt es wegen der Inhaftierung des Erdogan-Kontrahenten Imamoglu Proteste in der Türkei. Der 53-Jährige wird zurzeit im bekannten Marmara-Gefängnis in Silivri nahe Istanbul festgehalten. Der beliebte Oppositionspolitiker war am 19. März unter Verweis auf Korruptionsvorwürfe inhaftiert und später als Bürgermeister der Millionenmetropole abgesetzt worden. Außerdem laufen gegenwärtig Ermittlungen wegen angeblicher Terrorunterstützung.

Zur geplanten Großdemo in Istanbul, die im Stadtteil Maltepe stattfinden soll, sollen erneut Tausende Menschen zusammenkommen, um gegen Erdogan und die Inhaftierung seines wichtigsten Kontrahenten zu demonstrieren. Seit Ausbruch der Proteste in der Türkei werfen die Demonstranten dem autoritär regierenden Präsidenten vor, den abgesetzten Istanbuler Bürgermeister Imamoglu mit Hilfe der Justiz politisch kaltstellen und sich so seines wichtigsten Rivalen entledigen zu wollen. Die Führung der sozialdemokratischen CHP will die Proteste so lange fortsetzen, bis eine vorgezogene Präsidentschaftswahl angesetzt wird oder Imamoglu freikommt. Am Freitag gab es bereits den zehnten Abend hintereiannder Demonstrationen in etlichen Städten.

Proteste in der Türkei: Erdogan-Gegner Imamoglu meldet sich zu Wort – „bewundere ihren Mut“

In einem Gastbeitrag für die New York Times schrieb Imamoglu im Zusammenhang mit den Protesten in der Türkei, dass sich das Land unter Erdogan in eine „Republik der Angst“ verwandelt habe. Doch trotz – oder gerade wegen – der Repressionen gegen Regierungskritiker leisteten die Menschen auf den Straßen beharrlich Widerstand. In einer Botschaft auf der Plattform X bedankte er sich bei ihnen und schrieb: „Ich bin auf der Seite unserer jungen Leute und bewundere ihren Mut. Sie sind im Begriff, Geschichte zu schreiben.“

Im Gastbeitrag zu den Protesten in der Türkei erhob Imamoglu scharfe Vorwürfe gegen den türkischen Präsidenten und sprach von gezielten Demontage der Demokratie. „Niemand ist sicher. Stimmen können für ungültig erklärt, Freiheiten in einem Augenblick entzogen werden“, so Imamoglu. Und weiter: Erdogan habe „die demokratischen Kontrollmechanismen ausgehöhlt, Medien zum Schweigen gebracht, gewählte Bürgermeister durch Bürokraten ersetzt, das Parlament entmachtet, die Justiz unter Kontrolle gebracht und Wahlen manipuliert“.

Nach der Inhaftierung des Istanbuler Bürgermeisters und Erdogan-Rivalen Imamoglu gibt es zahlreiche Proteste in der Türkei. Nun ist in Istanbul eine Großdemo angekündigt worden. (Archivbild)

Festnahmen bei Protesten in der Türkei: Auch Journalisten betroffen

Unter den Festgenommenen der Proteste in der Türkei befinden sich zunehmend auch Journalisten. Am Donnerstag wurde ein BBC-Reporter festgenommen und aus der Türkei abgeschoben, der sich nach Angaben des britischen Senders mehrere Tage im Land aufgehalten hatte, um über die Demonstrationen nach der Festnahme von Imamoglu zu berichten.

Dass auch innerhalb des Polizeiapparats nicht alle Beamten auf Erdogans Linie sind, zeigen die Schilderungen des Journalisten: Während seiner sieben Stunden im Polizeihauptquartier hätten ihm mehrere Beamte gesagt, sie seien mit dem Vorgehen der Behörden nicht einverstanden. Einer habe ihn gar umarmt und ihm Freiheit gewünscht, schrieb Reporter Mark Lowen auf der BBC-Webseite. (fbu/dpa)