Kampfjet-Training

Kampfjets für die Ukraine: Armee bereitet sich auf Einsatz von F-16 vor – Zweifel an Relevanz wachsen

  • VonMax Nebel
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Erste ukrainische Piloten scheinen in die finale Phase ihrer Kampfjet-Ausbildung einzutreten. Doch kommt ein Einsatz der „Fighting Falcon“ noch rechtzeitig?

Kiew – Im Ukraine-Krieg setzt die Selenskyj-Regierung auf eine stark verbesserte Luftwaffe. Im Fokus steht hierbei auch das legendäre F-16-Kampfflugzeug, für das ukrainische Piloten derzeit ausgebildet werden. Anfang Februar 2024 hatten die Niederlande die Lieferung von 42 Fliegern angekündigt und flankierte damit eine Zusage Dänemarks, das ebenfalls 19 F-16-Flugzeuge in Aussicht gestellt hatte. Der Ausbildungsprozess der ersten ukrainischen Einheiten scheint nun in die finale Phase zu gehen, der erste Einsatz in dem von Krieg geschundene Land könnte dennoch auf sich warten lassen.

F-16 Fighting Falcon
Erstflug:2. Februar 1974
Indienststellung (USA):17. August 1978
Stückzahl:4604 (Stand: Juni 2018)

Wende im Ukraine-Krieg? Piloten trainieren mit F-16

Bereits im August 2023 hatte eine unbekannte Anzahl ukrainischer Kampfpiloten mit der F16-Ausbildung in Dänemark und in den Niederlanden sowie in den USA, England, Frankreich und weiteren Ländern begonnen. Mittlerweile seien zwei Gruppen in ihrer technischen Schulung bereits weit fortgeschritten, wie kürzlich Ilja Jewlasch, Sprecher der Luftwaffe der Streitkräfte der Ukraine, gegenüber dem Online-Portal unian.net erklärte.

Die entsprechenden Piloten würden sich nun in den Vereinigten Staaten sowie in Dänemark aufhalten, so Jewlasch: „Da verfeinern sie ihre Fähigkeiten bereits direkt im F-16-Flugzeug.“ Eine weitere Gruppe könne ihr Studium parallel in Frankreich in Leichtflugzeugen fortsetzen, während sich eine vierte ukrainische Piloteneinheit momentan in England befindet, um vor Ort ein Bodentraining zu absolvieren. „Sie lernen dort die Sprache, da der Einsatz von F-16-Flugzeugen angemessene Kenntnisse der englischen Sprache erfordert“, betonte Jewlasch.

Ilja Jewlasch, Sprecher der Luftwaffe der Streitkräfte der Ukraine, verkündet, dass sich erste ukrainische F16-Piloten auf der Ausbildungszielgeraden befinden.

F-16-Kampfjets für die Ukraine: Auch Ingenieure werden geschult

Neben den Piloten werden auch technische Spezialisten, darunter Ingenieure für die Wartung des modernen Kampffliegers, geschult, sagte der ukrainische Militärsprecher. Diese wiederum würden nach ihrer Ausbildung und Rückkehr in die Ukraine, ihre Landsmänner und Kollegen schulen.

Ursprünglich waren die ersten Einsätze ukrainischer Luftstreitkräfte im von Kiew sehnlichst erwarteten F-16 bereits für Frühjahr dieses Jahres angedacht. „Unser Ziel ist es, der Ukraine mit ihrem F-16-Programm im Jahr 2024 eine erste Einsatzfähigkeit zu verschaffen, die ausgebildete Piloten, die Plattformen, aber auch geschulte Instandhalter und Betreuer, Infrastruktur sowie Ersatzteile und Munition umfassen würde“, erklärte Celeste Wallander, Staatssekretärin für internationale Sicherheitsfragen im US-Verteidigungsministerium, laut Flugrevue im vergangenen Januar.

Auch Dänemark will vor dem Sommer erste F-16-Kampfflugzeuge an die Ukraine liefern.

Ukraine-Krieg: F-16 immer noch „Gamechanger“?

Zwar erhielt die Ukraine im November 2023 bereits erste F-16-Einheiten aus den Niederlanden, diese wurden seither aber in Rumänien stationiert und dem Training zu dienen. Zuletzt äußerte sich der litauische Verteidigungsminister Arvydas Anusauskas im Februar mit einem konkreten Datum und ging von einem ersten F-16-Einsatz im Kriegsgebiet im Juni 2024 aus.

Lange galt die Erlangung der Lufthoheit im eigenen Land als „Gamechanger“ zu Gunsten Kiews – und der vielfältige und bewährte F-16-Kampfflieger als einer der Schlüssel hierzu. Mittlerweile scheinen die Einschätzungen von manchen Fachleuten in dieser Hinsicht aber etwas düsterer auszufallen.

Düstere Prognose eines Ukraine-Offiziers: „Werden für 2024 nicht passen“

Das Online-Magazin Politico führt einen namentlich nicht genannten hochrangigen Offizier der ukrainischen Streitkräfte an. Dieser kritisiert mit Blick auf den schleppenden F-16-Lieferungsprozess: „Oft bekommen wir die Waffensysteme einfach nicht dann, wenn wir sie brauchen – sie kommen, wenn sie nicht mehr relevant sind.“

Auch dieser Offizier geht davon aus, dass die ersten zwölf F-16-Maschinen erst im kommenden Sommer einsatzbereit sein dürften, wenn die Grundausbildung der ersten ukrainischen Piloten-Schüler abgeschlossen sei, und bemängelt: „Jede Waffe hat ihren eigenen richtigen Zeitpunkt. Im Jahr 2023 wurden F-16 benötigt; Sie werden für 2024 nicht passen.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Russland nutzt Zeit für Defensivvorbereitungen

Ursächlich für die trübe Einschätzung des zitierten ukrainischen Beamten sei der Umstand, dass Russland die Zwischenzeit für entsprechende Vorbereitungen durchaus genutzt habe: „In den letzten Monaten bemerkten wir, dass die Russen von Dschankoj im Norden der Krim aus Raketen abfeuerten, allerdings ohne Sprengköpfe. Wir konnten nicht verstehen, was sie taten, und dann haben wir es herausgefunden: Sie sind Entfernungsmesser“, erläutert der Offizier exemplarisch.

Dabei, so der ukrainische Militär weiter, habe die russische Armee berechnet, wie sie ihre Abwehr- und Radarsysteme am besten stationieren könne, um eine möglichst maximale Abdeckung des Bereichs zu realisieren, um etwaige F-16-Attacken auf die Frontlinie oder russische Logistikzentren einzudämmen. Derweil erweist sich die ukrainische Drohnen-Technologie im Kampf gegen das Putin-Regime als immer erfolgreicher. (chnnn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ABACAPRESS

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