Herausforderungen bleiben

Hoffnung für Ukraine-Offensive: F-16-Kampfjets schneller im Anflug auf Russland als gedacht

  • Felix Durach
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Die Niederlande liefern früher als gedacht die ersten F-16-Kampfjets an die Ukraine aus. Doch die Herausforderungen im Krieg gegen Russland sind weiter groß.

Kiew – Lange wurde in den westlichen Ländern um die Lieferung von F-16-Kampfjets an Kiew im Ukraine-Krieg gerungen, ehe sich immer mehr Staaten für eine Bereitstellung der Kampfflugzeuge entschieden. Schon bald würden die Fighting Falcon genannten F-16 die ausgedünnte ukrainische Luftwaffe verstärken, den Luftraum über der Ukraine sichern und Druck auf die Truppen von Wladimir Putin ausüben – so zumindest die Theorie.

In der Praxis war die Unterstützung gesäumt von Debatten über den Einsatzbereich der Kampfjets und Verzögerungen bei der Ausbildung von Piloten, sowie der Bereitstellung der Flugzeuge. Umso erfreulicher dürfte für Kiew die jüngste Nachricht aus den Niederlanden sein: denn die ersten F-16 kommen wohl früher als geplant.

F-16-Kampfjets für die Ukraine kommen früher als geplant

Die ersten der insgesamt 24 versprochenen Kampfjets sollen bereits im Sommer geliefert werden und über der Ukraine in die Luft steigen. Das bestätigte die niederländische Verteidigungsministerin Kajsa Ollongren im Gespräch mit European Pravda. Von da an bemühe man sich um einen „konstanten Fluss“ an weiteren Lieferungen, um „die Zahlen zu erhöhen und die ukrainischen Luftstreitkräfte zu stärken“, sagte Ollongren weiter.

Die ersten F-16-Kampfjets aus den Niederlanden werden wohl schneller als geplant in der Ukraine eintreffen.

Einen genauen Zeitpunkt für die Lieferung der ersten Flugzeuge nannte die Niederländerin jedoch nicht. „Dänemark wird das erste Land sein, das Flugzeuge zur Verfügung stellt. Und wir werden Dänemark folgen, aber es ist eine gemeinsame Anstrengung.“ Zuvor hatte die niederländische Regierung die erste Lieferung von F-16-Kampfjets für Herbst dieses Jahres angekündigt. Ein paar Monate Unterschied könnten bei dem steigenden Druck der russischen Armee in der Ostukraine von großer Bedeutung sein.

Drohungen aus Russland – stationiert die Ukraine ihre Kampfjets auf Nato-Basen?

Unklar ist derweil jedoch noch, wo die Flugzeuge nach der Lieferung stationiert werden sollen. Sergej Golubtsow von den ukrainischen Luftstreitkräften hatte vor wenigen Tagen im Gespräch mit dem Sender Radio Free Europe erklärt, man plane die F-16-Kampfjets auch im Ausland zu stationieren, um dort Wartungen und Trainings durchzuführen. Ein weiterer Grund sei jedoch, die Kampfflugzeuge vor russischen Raketenangriffen zu schützen. Auch wenn Golubtsov keine genaueren Angaben machte, gilt es als wahrscheinlich, dass eine Stationierung in Nato-Staaten geplant ist.

Der Kreml regierte umgehend auf die Ankündigung und machte klar, dass man in diesem Fall auch Nato-Flugplätze als legitime Ziele betrachten werde. „Wenn sie von den Flugplätzen eines anderen Landes starten, in den ukrainischen Luftraum fliegen, Raketen abschießen und dorthin zurückkehren, dann ist das ein legitimes Ziel“, sagte Andrei Kartapolow, Chef des Verteidigungskomitees des russischen Parlaments, der Nachrichtenagentur RIA Novosti.

Ukraine braucht dringend Piloten für F-16-Kampfjets – Ausbildung geht nur schleppend voran

Neben den versprochenen F-16-Kampfjets brauchen die ukrainischen Streitkräfte aber auch Piloten, die mit den westlichen Flugzeugen umgehen können. Bislang bestand die Luftwaffe des Landes aus Kampfjets sowjetischer Bauart wie der MiG-29 oder der Su-27. Deswegen werden ukrainische Piloten in Nato-Ländern im Cockpit der Fighting Falcons ausgebildet – doch auch hier kam es zu Verzögerungen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Wie das US-Magazin Politico Anfang Juni berichtet, verfügt die Ukraine über 30 Piloten, die bereit wären, ihre Ausbildung an der F-16 zu starten. Die US-Regierung beharrt jedoch darauf, dass lediglich zwölf Piloten gleichzeitig an dem Trainingsprogramm in Tuscon im US-Bundesstaat Arizona teilnehmen können. Ähnliche Probleme gäbe es demnach auch in Dänemark und Rumänien.

F-16-Kampfjets brauchen Zeit für volle Wirkung – „kann nicht über Nacht passieren“

Ihre volle Wirkung werden die F-16-Kampfjets ohnehin erst einige Monate nach den ersten Lieferungen entfalten können. Die Kampfflugzeuge werden dazu beitragen, die Luftstreitkräfte und die Luftverteidigung deutlich stärker zu machen, kündigte Ollongren gegenüber European Pravda weiter an. „Aber das kann nicht über Nacht passieren, wenn Sie Ihre ersten F-16 bekommen. Wenn die Leute das also erwarten, müssen wir meiner Meinung nach etwas realistischer sein“, sagte die Ministerin weiter.

Die Ukraine kann die niederländischen Kampfjets nach ihrer Lieferung auch für Angriffe auf russisches Grenzgebiet eingesetzt werden, um sich dort gegen russische Angriffe zu verteidigen. Das bekräftige Ollongren erneut. Diese Position teilen jedoch nicht alle Mitglieder der F-16-Koalition. Belgien hatte bereits angekündigt, dass die durch das Land bereitgestellten Flugzeuge nur für Angriffe in ukrainischem Luftraum genutzt werden dürfen. Die unterschiedlichen Einsatzbereiche der Flugzeuge aus verschiedenen Ländern könnte nach der Lieferung der F-16-Jets zur neuen großen Herausforderung werden. (fd)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Björn Trotzki