Ex-Präsident sieht kaum Chancen auf Sieg

„Wir sind kurz vor dem Ende“: Rückhalt für Biden bröckelt – auch Obama soll zweifeln

  • Felix Durach
    VonFelix Durach
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Immer mehr kritische Stimmen erheben sich gegen die Kandidatur Joe Bidens bei der US-Wahl 2024. Jetzt soll auch Barack Obama Zweifel geäußert haben und auf einen Rückzug drängen.

Washington, D.C. – Diverse mitunter hochrangige Demokraten haben US-Präsident Joe Biden in den vergangenen Wochen zum Verzicht auf eine Kandidatur für die US-Wahl 2024 aufgefordert. Einer schweigt jedoch bislang: Ex-Präsident Barack Obama. Doch nach Informationen der Washington Post und der Nachrichtenagentur AP glaubt auch Obama längst nicht mehr an einen Sieg seines früheren Vizepräsidenten. Die Luft für Biden könnte eng werden.

Ex-Präsident Barack Obama (l) soll ernsthafte Zweifel an einer Kandidatur von Joe Biden geäußert haben. (Archivbild)

Zweifel an Siegeschancen – Obama steht vor US-Wahl nicht mehr voll hinter Joe Biden

Den Berichten zufolge soll Obama nicht mehr vorbehaltlos Bidens Kandidatur unterstützen. In den vergangenen Tagen gegenüber Verbündeten geäußert, dass Bidens Chancen auf einen Wahlsieg stark gesunken seien. Obama – so die Berichte, die sich auf mehrere Vertraute des Ex-Präsidenten beziehen – sei der Meinung, dass Biden sich ernsthaft fragen sollte, ob er die Kandidatur bis zur Wahl im November durchziehen wolle.

Druck auf Biden wächst – wirft der US-Präsident im Wahlkampf hin?

Obama könnte sich damit in eine prominente Riege an Demokraten einreihen, die Bidens Kandidatur mittlerweile kritisch sehen. Am Mittwoch (17. Juli) forderte der prominente Demokrat Adam Schiff Biden zum Rückzug auf. Auch die frühere Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, soll Biden zum Verzicht raten – das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Biden, der momentan auch mit einer Corona-Infektion zu kämpfen hat, hatte in einem Interview des Senders BET auf die Frage, was ihn zum Überdenken seiner Kandidatur bewegen könnte, geantwortet: „(...) wenn die Ärzte zu mir kommen“ und ihm von einem „Problem“ berichten würden.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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„Wir sind kurz vor dem Ende“: Kippt die Stimmung in Bidens Wahlkampfteam?

Einem Bericht des US-Portals NBC News zufolge scheint sich mittlerweile jedoch auch die Stimmung in Bidens Wahlkampfteam gedreht zu haben. „Wir sind kurz vor dem Ende“, soll eine Biden nahestehende Person dem Portal mit Blick auf Bidens Kandidatur gesagt haben. Eine weitere Person, die mit einem Wahlkampfmanager von Biden gesprochen haben will, sagte demnach, man nähere sich einem Punkt, von dem aus es kein Zurück mehr gäbe. „Endlich wird ihnen klar, dass es auf das Wann und nicht auf das Ob ankommt“, sagte die Person mit Verweis auf ein mögliches Ende von Bidens Kandidatur.

Bidens Wahlkampfteam hat die Berichte über einen möglichen Rückzug des US-Präsidenten noch am Donnerstagabend zurückgewiesen. Die Berichte seien nichts weiter als „unbegründete Vermutungen“. „Joe Biden ist der Kandidat seiner Partei. Er ist der Präsident der Vereinigten Staaten. Er stellt sich zur Wiederwahl“, schrieb TJ Ducklo, ein Berater von Biden, auf dem Kurznachrichtendienst X. (fd mit Material von AFP)

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