Aktuelle Lage an der Front

Lage an der Front: Ukraine gerät in Kursk in Defensive – und verliert wichtigen Faustpfand in Verhandlung

Offenbar hat Russland die Oberhand in der umkämpften Grenzregion Kursk zurückgewonnen. Aber zu welchem Preis? Mehrere internationale Medien berichten von ernsten Verlusten. Nun schickt Deutschland Kiew neue Marder-Panzer.
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Ein russischer Soldat bei Gefechten in Kursk. (Archivfoto)
  • Jekaterina Jalunina
    VonJekaterina Jalunina
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Laut dem russischen Generalstab haben die russischen Streitkräfte einen Großteil der von der Ukraine eroberten Gebiete in der Oblast Kursk zurückerobert.

Moskau – Die jüngsten Entwicklungen im Ukraine-Krieg zeigen eine deutliche Verschiebung der militärischen Lage zugunsten Russlands. Generaloberst Sergej Rudskoj, Leiter der Hauptabteilung Operative Operationen des Generalstabs, gab bekannt, dass russische Streitkräfte in der Region Kursk bedeutende Gebietsgewinne erzielt haben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Laut Rudskoi wurden mehr als 800 Quadratkilometer Territorium von der Ukraine zurückerobert, was etwa 64 Prozent des Gebiets entspricht, das die Ukraine seit Beginn des Einmarsches im vergangenen Jahr eingenommen hatte.

Aktuelle Lage an der Ukraine-Front: Russland übernimmt 75 % der umkämpften Gebiete

Rudskoj betonte, dass Russland nun 75 Prozent der ukrainischen Regionen Donezk, Saporischschja und Cherson sowie mehr als 99 Prozent der Region Luhansk kontrolliere. Er unterstrich, dass diese Gebiete rechtlich Teil Russlands seien und nicht an die Ukraine zurückgegeben würden. Diese Entwicklungen haben Russland in eine strategisch vorteilhafte Position gebracht, da die Ukraine in eine defensive Position gedrängt wurde. „Das vergangene Jahr war ein Wendepunkt bei der Erreichung unserer Ziele. Das Kiewer Regime wird nicht mehr in der Lage sein, die Situation auf dem Schlachtfeld entscheidend zu veränder“, erklärte Rudskoj.

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Zukunft des Konflikts hängt von westlicher Sicherheitsarchitektur ab – Trump beschimpft Selenskyj

Rudskoj hob hervor, dass die Zukunft des Konflikts nicht mehr von der Ukraine abhänge, sondern von der Bereitschaft des Westens, eine neue europäische Sicherheitsarchitektur zu schaffen, die die Interessen Russlands berücksichtige. Diese Forderung stellt eine Herausforderung für die westlichen Staaten dar, die bisher weitgehend die Ukraine unterstützt haben.

In diesem Kontext sorgte die Aussage von US-Präsident Donald Trump für Aufsehen, der den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als „Diktator“ bezeichnete und betonte, dass Selenskyj schnell handeln müsse, um den Frieden zu sichern. Diese Äußerung könnte die internationalen Reaktionen auf die russischen Fortschritte beeinflussen und die Dynamik der westlichen Unterstützung für die Ukraine verändern.

Ukraine-Krieg: Kiew weist Putins Bericht über russischen Vorstoß als „Lüge“ zurück

Kiew hat Angaben von Kreml-Chef Wladimir Putin über einen angeblichen Vorstoß russischer Bodentruppen aus der Grenzregion Kursk auf ukrainisches Gebiet als „Lüge“ zurückgewiesen. „Putins Information über eine ausgedehnte russische Offensive ist eine Lüge“, erklärte am Mittwoch der für die Bekämpfung von Falschinformationen zuständige Regierungsmitarbeiter Andrij Kowalenko. 

Nach seinen Angaben hatte zwar eine russische Aufklärungseinheit versucht, von der Region Kursk aus in die Ukraine einzudringen. Diese Einheit sei jedoch „vernichtet“ worden.

Putin hatte kurz zuvor mitgeteilt, dass russische Soldaten von Kursk aus in die Ukraine eingedrungen seien. „Mir wurde vor einer Stunde gesagt, dass in der Nacht Kämpfer der 810. Brigade die Grenze zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine überquert und in das Territorium des Feindes eingedrungen sind“, sagte der russische Präsident in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache.

Verluste im Ukraine-Krieg: Selenskyj betrachtet verbliebene Gebiete in Kursk als Verhandlungsmasse

Die 810. Brigade ist laut russischen Staatsmedien in der Region Kursk nahe der Grenze zur ukrainischen Region Sumy stationiert. Sumy war nicht mehr von russischen Bodentruppen angegriffen worden, seit sich die russischen Verbände 2022 aus dieser ukrainischen Region zurückgezogen hatten.

Die ukrainischen Streitkräfte wiederum hatten im vergangenen August in einer Überraschungsoffensive Teile der russischen Grenzregion Kursk besetzt. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabschefs Oleksandr Syrskyj hat die ukrainische Armee aber inzwischen rund zwei Drittel des ursprünglich von ihr besetzten Gebiets in der Region wieder verloren. 

Die Ukraine verfüge in Kursk noch über eine „Sicherheitszone“ von 500 Quadratkilometern, hatte Syrskyj in der vergangenen Woche mitgeteilt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betrachtet die noch von der ukrainischen Armee besetzten Gebiete in Kursk als wichtige Verhandlungsmasse in den Gesprächen über eine Beendigung des seit fast drei Jahren andauernden Krieges. (jal/afp)