Nichts geht voran

Neue Leopard-Lieferung: Damit wartet die Ukraine jetzt auf 139 Kampfpanzer

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
    schließen

Die ukrainischen Streitkräfte sollen weitere Leopard 2 aus Nato-Beständen erhalten. Doch die Lieferung der Kampfpanzer stockt erheblich, während Russland an der Front vorstößt.

Kiew – Die Nachricht, die Mitte der Woche durchsickerte, ist ein Beleg dafür, wie schwer sich die Verteidigungsallianz Nato mittlerweile tut, die Ukraine mit weiteren Kampfpanzern gegen die Invasion durch Russland auszurüsten.

Waffen für die Ukraine: Spanien liefert Kiew weitere Leopard-2-Panzer

Diesmal soll Spanien dem heimtückisch überfallenen Land Panzer liefern. Und zwar Leopard 2A4 aus deutscher Produktion. Wie das amerikanische Nachrichtenmagazin Forbes unter Berufung auf das Online-Portal InfoDefensa berichtet, geht es um 20 Exemplare der in den 1980er Jahren konstruierten Kettenfahrzeuge des bayerischen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus München.

Aber: Wie so oft gibt es bei den Waffen-Lieferungen in dieser brenzligen Phase des Krieges, in der die russische Armee an etlichen Frontabschnitten vorrückt, einen großen Haken. Denn: Wie Forbes schreibt, wird es letztlich sehr lange dauern, ehe die Panzer überhaupt auf dem Schlachtfeld ankommen. Damit warten die Verteidiger im Ukraine-Krieg, Stand 21. März, in Summe jetzt auf 139 versprochene und dringend benötigte Kampfpanzer aus dem Westen.

Kampfpanzer Leopard 2A4: Von diesem Modell soll die Ukraine 20 Stück aus Spanien bekommen. (Symbolfoto)

Leopard-2-Panzer für die Ukraine: Spanien gibt nach langem Zögern sein Go

Wie es in dem Bericht heißt, brauchen die Europäer geschätzt neun Monate, um einen einzelnen Leopard 2 zu überholen. Mit den Europäern sind in diesem Fall die spanischen Landstreitkräfte und der Münchner Rüstungskonzern KMW gemeint. So ist davon auszugehen, dass die „Leos“ an einem Standort des deutschen Panzer-Fabrikanten aufwändig saniert werden müssen. Und zwar in Deutschland, nicht in Spanien.

Das setzt erstmal einen Großtransport – wahrscheinlich auf der Schiene – unter komplizierten bürokratischen Bedingungen voraus. Schließlich muss Frankreich durchquert werden. InfoDefensa zufolge hatte die spanische Kontrollbehörde für Verteidigungshandel den Transfer kürzlich genehmigt. Es zeigt, wie sehr die Nato intern darum ringt, weitere Leopard 2 für die leidgeprüften Ukrainer heranzuschaffen. Schließlich hatte sich Madrid lange gegen eine solche Lieferung verwehrt, während Nachbar Portugal zum Beispiel drei recht moderne 2A6 bereitgestellt hatte.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Panzer für die Ukraine: Russische Truppen sind auf Leopard-2-Jagd

Interessant: Laut Forbes würde sich die Zahl insgesamt gelieferter Leopard 2A4 damit auf 74 erhöhen. Die Zahl, wie viele „Leos“ die ukrainische Armee insgesamt bekam, wurde aus taktischen Gründen nie öffentlich kommuniziert. Aus offiziellen Berichten der Regierungen aus Deutschland, Polen, Schweden, Finnland, Portugal und Kanada ließ sich bisher zumindest die Zahl von mindestens 65 ableiten.

Darunter waren überliefert 21 moderne 2A6 (18 aus Deutschland). Wären umgerechnet bisher 54 Leopard 2A4, 18 Leo 2A6 sowie vier Leo 2R-Minenräumer. Und in Summe demnach 76 Leo 2. Aber: Auch diese Anzahl lässt sich nicht final verifizieren, während sich die Truppen von Moskau-Autokrat Wladimir Putin derzeit auf regelrechter Leopard-2-Jagd befinden. Jüngst ging etwa ein Leopard 2A6 bei Awdijiwka im Donbass verloren (siehe Video im Tweet unten). Damit nicht genug.

Verluste der Ukraine: Schon viele Leopard 2 blieben auf dem Schlachtfeld zurück

Die 20 Panzer aus Spanien sollen angeblich an die 33. mechanisierte Brigade der ukrainischen Armee gehen, die seit Frühsommer an der Südfront zwischen Orichiw und Robotyne kämpft – unter erheblichen Verlusten. Wie Forbes berichtet, sollen 40 der bisher 54 Leo 2A4 für diesen Kampfverband eingeplant gewesen sein. Laut der niederländischen Open-Source-Website Oryx hat die Brigade seither mindestens acht Leopard 2 verloren, weitere neun „Leos“ wurden demnach in Gefechten schwer beschädigt und/oder mussten zumindest vorübergehend aufgegeben werden.

Dazu, wie viele Leoparden noch übrig sind, wird ein großes Geheimnis gemacht. Wie das US-Magazin Foreign Affairs Ende Januar berichtet hatte, hatten die ukrainischen Streitkräfte bis dahin angeblich 26 „Leos“ verloren. Wie dagegen Oryx Anfang März schrieb, waren unter den Panzer-Verlusten 17 Leopard 2A4 und zwölf Leopard 2A6. Und: Der Nachschub stockt seit Monaten gewaltig. Derzeit werden von KMW 14 Leopard 2A4 aus Industrie-Beständen für die Ukraine aufbereitet – die Kosten tragen die Niederlande und Dänemark. Zeitpunkt der Auslieferung? Ungewiss.

Leopard-Panzer aus Deutschland: Lieferungen an die Ukraine stocken gewaltig

Lücken sollten eigentlich mit einem riesigen Waffenpaket an (noch) älteren Leopard 1A5 aus den 1960er Jahren geschlossen werden. Ebenfalls aus Lagern der deutschen Rüstungsindustrie. Bis Ende 2023 wollte das Bundesverteidigungsministerium in Kooperation mit Dänen und Niederländern der ukrainischen Armee eigentlich 80 Stück zur Verfügung stellen. Geliefert sind aber erst 30 Exemplare. Laut Liste der militärischen Unterstützungsleistungen der Ampel-Bundesregierung wird die Lieferung von 105 Leopard 1A5 vorbereitet. Allerdings: Dieser Stand ist seit Anfang Dezember unverändert. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / nordpool/Riediger