In München gebaut

Putin lässt Leoparden jagen: Ukraine verliert einen deutschen Panzer nach dem anderen

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Schickt Wladimir Putin seine Soldaten auf Trophäen-Jagd? Bei X kursieren Videos mehrerer zerstörter Leopard-2-Panzer aus der Ukraine.

Kiwe/Moskau – Sie gaben der Ukraine Hoffnung. Und weil das so ist, fordert Kreml-Machthaber Wladimir Putin offensichtlich die Zerstörung der gelieferten Leopard-2-Kampfpanzer.

Verluste gegen Russland: Ukraine verliert offenbar reihenweise Leopard-2-Panzer

Der autokratische Machthaber richtet diese Forderung an jene Soldaten, von denen viele ihre Heimat Russland wegen des Sterbens und Tötens im Ukraine-Krieg mutmaßlich nicht mehr sehen werden. Hinter den immensen russischen Verlusten stehen letztlich Namen, Gesichter und Geschichten. Väter, Söhne und Brüder.

Zur Geschichte des militärischen Konflikts gehört schon jetzt, dass die einst blühende ukrainische Kleinstadt Awdijiwka dem Erdboden gleich gemacht wurde. Unweit der Donbass-Stadt soll Kiew derweil den nächsten Leopard 2 verloren haben. Zumindest verbreiten russische Militär-Blogger in diesen Tagen ein Video, das zweifelsohne einen zerstörten „Leo“ zeigt. Es wirkt geradezu, als ließe Putin die Leoparden aus deutscher Produktion gezielt jagen.

Panzer für die Ukraine: Büßte Kiew bei Awdijiwka den nächsten Leopard 2 ein?

Denn: Während die russischen Invasionstruppen westlich von Awdijiwka weiter vorrücken, mehren sich Berichte angeblich zerstörter, aufgegebener und/oder erbeuteter „Leos“. Unter dem Hashtag #leopard kursiert bei X (vormals Twitter) beschriebenes Video russischer Blogger. Zu sehen ist offenbar die recht moderne Variante 2A6, wie sie Deutschland den Ukrainern aus Bundeswehr-Beständen geliefert hatte. In einer kurzen Bildsequenz ist im Hintergrund eine große Industrieanlage zu erkennen, die der einstigen Kokerei Awdijiwkas zumindest ähnelt.

Es scheint, als habe die ukrainische Armee hier, im Osten des geschundenen Landes, Mitte März die nächsten westlichen Panzer eingebüßt. In etwa zeitgleich hatte die berüchtigte ukrainische Asow-Brigade auf ihrem offiziellen X-Account ein anderes Video gepostet (siehe Tweet unten). Es dokumentiert, wie zwei alte russische Pionierpanzer bei dem Versuch, einen Leopard-2-Panzer bei Terny im Donbass abzuschleppen mit Drohnen abgeschossen werden. Die Häme im Asow-Kommentar dazu täuscht nicht darüber hinweg, dass auch dieser „Leo“ in die Hände der Putin-Truppen geriet. Damit nicht genug.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Leopard-2-Panzer aus Deutschland: Keine Game Changer im Ukraine-Krieg

Ein weiteres Video, das in den Sozialen Netzwerken die Runde macht, zeigt offenkundig einen ebenfalls zerstörten und offenbar ausgebrannten Leopard 2A4, den die Ukrainer wohl an der aktuellen Frontlinie im Süden bei Robotyne zurücklassen mussten. Von wann und wo die Aufnahmen letztlich genau stammen, lässt sich nicht unabhängig verifizieren. Ein Video, das in diesen Tagen in den Sozialen Medien gestreut wird, zeigt unterdessen gleich zwei zerstörte Leo 2. Die Redaktion verzichtet in diesem Fall wegen der Brutalität der Bilder auf eine Darstellung.

Bleibt die Frage: Versucht Moskau im Frühjahr mittels seiner Blogger gezielt, Verluste unter den Leoparden größer darzustellen, als sie wirklich sind? Oder sind sie tatsächlich so hoch? Stammen all die Videos wirklich aus dem März? Unklar. Überliefert ist, dass der Leopard 2, der in München-Allach bei Krauss-Maffei Wegmann (KMW) zusammengebaut wird, sich seit Frühsommer 2023 auf dem Schlachtfeld keineswegs als Gamechanger erwiesen hat.

Wladimir Putins Truppen: Russland zerstört in der Ukraine westliche Waffen

Wie das US-Magazin Foreign Affairs Ende Januar berichtete, hatten die ukrainischen Streitkräfte bis zu diesem Zeitpunkt angeblich 26 von mindestens 65 Leopard 2 verloren, die Deutschland, Polen, Schweden, Finnland, Kanada und Portugal dem völkerrechtswidrig überfallenen Land bereitgestellt hatten. Immer wieder würden die wartungsintensiven Panzer zudem ausfallen. Die Reparatur im eigens eingerichteten Werkstatt-Hub in Litauen dauere dann meist Wochen, berichteten Bundestagsabgeordnete, die besagte Instandsetzung im Baltikum besuchen konnten.

Die schleppende Logistik ist nicht der einzige Kritikpunkt: Wie kürzlich ein ukrainischer Panzerkommandant namens „Arfa“ im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärte, klafft bei den „Leos“ zwischen Turm und Wanne eine große Lücke, die den Panzer anfällig für Panzerabwehrlenkwaffen und -granaten wie die alte sowjetische RPG-7-Panzerbüchse macht.

Während die Streitkräfte Kiews unter dem neuen ukrainischen Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj heftig in der Defensive sind, wirkt es regelrecht, als seien die Russen auf einer Art Trophäenjagd nach westlichen Waffen. Ein Indiz: Mittlerweile lässt Moskau mächtige Iskander-Raketen einsetzen, um Patriot-Flugabwehrsysteme und HIMARS-Mehrfachraketenwerfer anzugreifen. (pm)

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