Unterstützung im Ukraine-Krieg

Waffen-Deal mit Kim? Russland preist Beziehung zu Nordkorea: „Werden sie natürlich ausbauen“

Im April 2019 trafen sich Kim Jong-un und Wladimir Putin zum ersten und bislang letzten Mal persönlich.
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Putin und Kims Waffen-Deal könnte an einigen Punkten scheitern.
  • Bona Hyun
    VonBona Hyun
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Wladimir Putin und Kim Jong-un wollen vor allem ihre militärische Zusammenarbeit stärker ausbauen. Ein Waffen-Deal sowie ein Treffen sind jedoch nur in der Schwebe.

Update vom 7. September, 15.05 Uhr: Russland hat eine Stärkung der Beziehungen zu Nordkorea bestätigt und verteidigt. „Wir haben unsere eigenen Beziehungen zu Pjöngjang. Wir schätzen diese Beziehungen, da Nordkorea unser Nachbar ist, und wir werden natürlich die Beziehungen zu ihnen unabhängig von der Meinung anderer Länder weiter ausbauen“ sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut TASS zu Reportern. Peskow weigerte sich, zu äußern, ob Kim Jong-un Russland besuchen wird.

Putin und Kim wollen beim Treffen Waffen-Deal aushandeln – werden sie sich einigen?

Erstmeldung vom 7. September, 10.14 Uhr: Moskau – Trotz internationaler Warnungen wollen Kim Jong-un und Wladimir Putin wohl eine engere militärische Zusammenarbeit vorantreiben. Dafür planen sie offenbar ein Treffen in Wladiwostok. Da Russland allmählich die Munition ausgeht, könnte Putin besonders an einer Waffen-Lieferung aus Nordkorea interessiert sein. Doch Fachleute stellen einen Deal grundsätzlich infrage.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Zunächst gibt es Zweifel, ob das Treffen Mitte September zwischen Kim und Putin überhaupt stattfinden wird. Fyodor Tertitskiy, Wissenschaftler an der Kookmin Universität in Seoul und Experte für nordkoreanische Geschichte und Militär, glaubt an keine sinnvolle Vereinbarung der beiden Machthaber.

„Ich bin mir nicht sicher, ob sie sich auf irgendetwas einigen werden“, sagte er Euronews. Tertitskiy glaubt zudem, dass es keine Zusammenarbeit zwischen Pjöngjang und Moskau ohne Zustimmung von Xi Jinping gehen wird. „Nichts wird geschehen, wenn Xi Jinping nicht grünes Licht gibt“, sagte er. Beide Länder haben ein Treffen bislang nicht bestätigt.

Putin hofft auf Waffen aus Nordkorea im Ukraine-Krieg – woran der Deal scheitern könnte

Putin hoffe beim Deal vor allem auf Artilleriegranaten für den Ukraine-Krieg, die Nordkorea herstellen könne, sagte Tertitskiy. Nordkorea sei zudem für Russland strategisch interessant, sagte Rüdiger Frank, Professor für Ostasienwissenschaften an der Universität Wien, gegenüber SRF. Russland versuche als Reaktion auf die westlichen Bündnisse wie die Nato, Gegenbündnisse aufzubauen. Deshalb suche Russland nach Alliierten.

Die Herstellung von Russlands gewünschten Waffen könnte allerdings zu einer Herausforderung für Nordkorea werden. „Nordkoreas Produktionskapazitäten sind begrenzt“, sagte Frank zu SRF. Hinzu komme, dass Nordkorea die eigenen Reserven nicht auflösen werde, da es diese selbst brauche. Auch beim Transport könnte es zu Problemen kommen. „Nordkorea ist 9000 Kilometer entfernt vom Kriegsschauplatz in der Ukraine“, so Frank. Der Seeweg wiederum sei für nordkoreanische Waffenlieferungen an Russland absolut undenkbar, weil die Amerikaner diesen unter Kontrolle hätten.

Putin und Kims Waffendeal realistisch? Offenbar kein Effekt auf Ukraine-Krieg

Selbst wenn Russland Waffen aus Nordkorea erhalten sollte, hätte dies nur einen symbolischen und keinen kriegsentscheidenden Wert, so der Ostasienexperte. Mögliche Lieferungen seien ein „Tropfen auf den heißen Stein“. Anders sähe es aus, wenn Nordkorea Waffen aus Russland erhalten sollte. Russland könne inzwischen fortgeschrittene Militärtechnologie an Nordkorea liefern. Damit könnte Nordkoreas Militär noch gefährlicher werden.

Für Nordkorea wiederum könnten nicht nur Waffen im Fokus stehen. Nordkorea benötige dringend Nahrungsmittel und humanitäre Hilfe, da seine Isolation während der Pandemie zu verheerender Nahrungsmittelknappheit im Land geführt habe, sagte Tertitskiy. Denn während Kim sein Militär aufzurüsten versucht, leidet die nordkoreanische Bevölkerung unter Hunger.

Putin und Kims Waffen-Deal offenbar schon heimlich vorangetrieben

Anzeichen für einen angestrebten Waffen-Deal gab es laut US-Einschätzung während Sergei Schoigus Besuch in Nordkorea. Der russische Verteidigungsminister soll nach Nordkorea geschickt worden sein, um Kim um Munition zu bitten, so die Vermutung. Zudem sollen sich Kim und Putin heimlich Briefe über die Stärkung der Militär-Beziehungen geschickt haben. (Bona Hyun)