Modifizierte Flugabwehr

Erprobung an Ukraine-Front: US-Armee will Frankenstein-Ungetüm für eigenes Waffenarsenal

  • Patrick Mayer
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Die Ukrainer verbinden ein sowjetisches Luftabwehrsystem mit amerikanischen Raketen. Der mutmaßliche Erfolg der Kombination sorgt für Interesse in den USA.

Kiew – Im Ukraine-Krieg erproben beide Seiten immer wieder neue, modifizierte und/oder angepasste Waffen. Das gilt für die Invasionsarmee aus Russland, aber auch für die Streitkräfte der völkerrechtswidrig angegriffenen Ukraine.

Während die Ukrainer den Russen sogar den Einsatz von Chemie-Waffen vorwerfen und wohl um zwei Dnipro-Staudämme bangen, haben sie offenbar ein altes sowjetisches Flugabwehrraketen-System derart effizient mit amerikanischen Raketen nachgerüstet, dass die USA Interesse an der Tüftelei zeigen.

Davon berichtet das ukrainische Online-Medium Defence Express (DE). Demnach haben die Ukrainer ein Flugabwehrsystem 9K33 Osa mit Luft-Luft-Raketen AIM-7 und AIM-9 Sidewinder verbunden.

Ein Flugabwehrraketen-System 9K33 Osa. (Symbolfoto)

Waffen im Ukraine-Krieg: FrankenSAM-System überzeugt die Amerikaner

Dem Bericht zufolge hat der Ausschuss für Streitkräfte des US-Senats (SASC) im Rahmen des Entwurfs des National Defense Authorization Act (NDAA) für das Geschäftsjahr 2025 vorgeschlagen, eine Lieferung von FrankenSAM-Systemen an das amerikanische Militär zu erwägen. FrankenSAM ist die Bezeichnung für die modifizierten Flugabwehrsysteme mit Bezug auf den Frankenstein-Roman, in dem ein Monster aus nicht ursprünglich zueinander gehörenden Teilen erschaffen wird.

Diese improvisierten Luftverteidigungssysteme könnten den Schutz von US-Militär-Flugplätzen verstärken, so die Politiker, die dafür sind. Die FrankenSAMs sollen dann die gleiche Konfiguration wie die ukrainischen haben und mit AIM-7- und AIM-9-Raketen ausgestattet werden, heißt es in dem Bericht. Die AIM-9 „Sidewinder“ sind als Lenkwaffen eigentlich für den Luftkampf vorgesehen. Im Ukraine-Krieg gab es aber zuletzt wiederholt Bericht, wonach die Ukrainer die Raketen nun auch als Luftabwehr-Waffen einsetzen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Flugabwehr der Ukraine: US-Streitkräfte sollen dieselben Systeme bekommen

Der Sonderausschuss des US-Senats habe für 2025 eine Erhöhung des Verteidigungshaushaltes um weitere 25 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen, schreibt Defense Express. Und weiter: In dieser vorgeschlagenen Budgeterhöhung sei die Produktion von FrankenSAM-Systemen für die US-Streitkräfte enthalten.

Die Meldung ist insofern bemerkenswert, dass bisher stets die ukrainische Armee für ihren Verteidigungskampf amerikanische Waffen wie den Kampfpanzer M1 Abrams aus den Vereinigten Staaten bekam – und nicht umgekehrt. Auch aus Deutschland trafen zuletzt wieder große Waffen-Lieferungen in der Ukraine ein. Darunter war unter anderem ein Patriot-Luftabwehrsystem.

Die Raketen AIM-9 Sidewinder werden normalerweise als Luft-Luft-Version von Kampfjets aus abgefeuert.

Verluste im Ukraine-Krieg: Russland verliert viele Soldaten und Kampfjets

Die westlichen Waffen-Lieferungen setzen den russischen Streitkräften erheblich zu. Wie der britische Militärgeheimdienst am vergangenen Freitag (12. Juli) mitteilte, wurden den Einschätzungen aus London zufolge einzig im Mai und im Juni 70.000 russische Soldaten getötet oder verwundet. Auch mehrere russische Kampfflugzeuge Su-25 wurden in den vergangenen Monaten abgeschossen. Von Flugabwehrsystemen wie der modifizierten FrankenSAM. (pm)

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