Potenziell grausame Waffe
Russland modifiziert Streubombe und stellt die Ukraine damit vor Probleme
VonStefan Kriegerschließen
Russland hat offenbar eine potenziell grausame Waffe weiter modifiziert. Für die Ukraine bedeutet das neue Probleme bei der Verteidigung.
Moskau/Kiew – Seit 2014 haben die russischen Streitkräfte in der Ukraine intensiv Streumunition eingesetzt, durch die Hunderte von Zivilisten getötet oder verletzt und wichtige zivile Infrastrukturen massiv beschädigt wurden. Auch über den Einsatz dieser Waffen durch ukrainische Streitkräfte wurde mehrfach berichtet.
Jetzt gibt es Hinweise darauf, dass Russland eine modifizierte Version einer Streubombe in der Südostukraine einsetzt. Das könnte Kiews Streitkräfte vor enorme Probleme stellen. Aufnahmen vom mutmaßlich ersten Einsatz der angeblich modifizierten Streubombe RBK-500 in der südostukrainischen Region Donezk waren am Sonntag (19. November) auf Telegram zu sehen.
Aufnahmen von modifizierten Streubomben aufgetaucht
Verbreitet hat sie ein russischer Telegram-Account, dem eine Verbindung zu Russlands Militär nachgesagt wird. In der Mitteilung hieß es, die Waffe sei in der Nähe des Donezker Dorfes Staromajorske zum Einsatz gekommen.
Einflussreiche russischen Militärbloggern griffen die Darstellung noch am Wochenende auf, so das Institute for the Study of War (ISW), eine in den USA ansässige Denkfabrik. Die Blogger erklärten, Moskaus Truppen hätten einen „großen Luftangriff“ mit RBK-500-Streubomben durchgeführt, die zu Gleitbomben umgebaut worden seien. Der Angriff in der Nähe von Staromajorske sei „der erste große russische Angriff in der Ukraine, bei dem diese Waffe mit der Modifikation als Gleitbombe eingesetzt wurde“, schrieb das ISW unter Berufung auf die Militärblogger.
Gleitbomben sind sogenannte Abwurfwaffen. Im Gegensatz zur ausschließlich vertikal fallenden Bomben können sie wegen ihrer horizontalen Antriebskomponente Ziele in größerer Distanz zum Flugzeug erreichen. Sie besitzen somit eine hohe Reichweite.
Experte geht von Einsatz satellitengesteuerter Gleitbomben aus
Russland setze jetzt in der Ukraine eine „Reihe solcher neuen Arten von Gleitbomben“ ein, erklärte der Militär- und Waffenexperte David Hambling dem US-Portal Newsweek. „Wie das amerikanische Pendant scheinen diese Bomben satellitengesteuert zu sein und können, wenn sie in großer Höhe und mit hoher Geschwindigkeit abgefeuert werden, Ziele in zehn Meilen Entfernung treffen“, so Hambling. Das entspricht umgerechnet einer Distanz von gut 16 Kilometern.
Für die ukrainische Abwehr ergibt sich somit das Problem, dass diese Bomben außerhalb der Reichweite vieler ihrer Boden-Luft-Raketen abgeschossen werden können. Außerdem könnten, wie es bei Streumunition immer der Fall ist, in der Zeit nach dem Ukraine-Krieg viele Blindgänger eine echte Gefahr für die Zivilbevölkerung darstellen.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Streumunition im Ukraine-Krieg: Für die Zivilbevölkerung gefährliche Waffe
Im August hatte die USA bekannt gegeben, Streumunition an die Ukraine zu liefern. Im Jahr 2022 wurden in der Ukraine 916 Opfer durch Streumunition registriert, davon 890 direkt durch Angriffe mit Streumunition. Da während des Krieges Daten oft nur unvollständig übermittelt werden, ist diese Zahl wahrscheinlich zu niedrig angesetzt.
Streumunition gehört zu den gefährlichsten Waffen für die Zivilbevölkerung. 95 Prozent aller Menschen, die durch diese Waffen getötet oder verletzt werden, sind Zivilisten, wie humanitäre Hilfsorganisation Handicap International (HI) in einer Analyse schreibt. Wenn Streumunition aus einem Flugzeug abgeworfen oder vom Boden abgeschossen wird, setzt sie Hunderte von Submunitionen frei, die eine Fläche so groß wie ein Fußballfeld bedecken können.
Dadurch trifft sie immer wahllos militärische Ziele und gleichzeitig auch zivile Opfer. Da zwischen 10 und 40 Prozent der Submunitionen beim Aufprall nicht explodieren, bedeuten diese Waffen oft noch lange nach Beendigung der Kampfhandlungen eine ernsthafte Bedrohung für die lokale Bevölkerung. (skr)
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