Panzer, Drohnen, Artillerie

Merz-Geheimhaltung vor Putin: Deutsche Waffen-Liste war längst zugänglich

  • Patrick Mayer
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Bundeskanzler Friedrich Merz plädiert für Geheimhaltung bei Militärhilfen an die Ukraine. Die Übersicht deutscher Waffenlieferungen war jedoch schon einlesbar.

Berlin – Es ist derzeit ein großes Thema in der Hauptstadt. Friedrich Merz (CDU) will Waffen-Lieferungen Deutschlands an Kiew im Ukraine-Krieg möglichst geheim halten, nachdem diese früher oft öffentlich diskutiert wurden. Es sei nur der Begriff „schwere Waffen“ genannt, als es um Leopard-2-Panzer ging.

Waffen-Lieferungen Deutschlands an die Ukraine: Wladimir Putin musste nur mitlesen

Das Ziel des Bundeskanzlers: Das brutale Moskau-Regime von Kreml-Autokrat Wladimir Putin soll in Russland möglichst lange im Unklaren gelassen werden, was die Ukraine wann aus Berlin erhalten hat. Und was Kiew absehbar noch erhalten soll. Bis zuletzt konnte das russische Regime das ganz einfach im Internet unter einer veröffentlichten Auflistung der Bundesregierung mitlesen, die mittlerweile jedoch archiviert ist.

Putin könne aus seiner Zeit als KGB-Agent in Dresden, wo er in der DDR zwischen 1985 und 1990 lebte, sehr gut Deutsch und habe im Kreml schlicht nur googeln müssen, um zu wissen, was die frühere Ampel-Bundesregierung an Militärpaketen plante, bemängelten zuletzt mehrere Militär-Experten. Zum Beispiel, was die Lieferung von Caracal-Militär-Geländewagen an die Ukrainer anging.

Deutschland will der Ukraine unter Kanzler Friedrich Merz (CDU, li.) weitere Leopard-1-Panzer liefern. Moskau konnte das anhand einer öffentlichen Liste bereits nachvollziehen.

Waffen für die Ukraine: Deutschland will weitere Marder-Panzer und Leopard 1A5 liefern

Doch: Die nunmehr stillgelegte Liste gibt immer noch Aufschluss darüber, was die ukrainischen Streitkräfte absehbar bekommen sollen. IPPEN.MEDIA nennt sechs Beispiele:

  • 22 Kampfpanzer Leopard 1A5: Laut Liste der militärischen Unterstützungsleistungen für die Ukraine auf der Website der Bundeswehr hatte Deutschland Kiew bis zum 6. Mai 2025 insgesamt 103 ältere Leopard 1A5 zur Verfügung gestellt. Fotos von der Front zufolge hat die ukrainische Armee diese mit reaktiven Panzerungen gegen Anti-Panzer-Waffen und mit Schirmkonstruktionen gegen Kamikaze-Drohnen nachgerüstet. Dennoch gingen laut der Open-Source-Intelligence-Website Oryx 18 gelieferte „Leos“ 1 (Stand: 28. Mai) in den Gefechten mit Putins Truppen verloren. Nachschub ist geplant.
  • 25 Schützenpanzer Marder: Derselben Quelle zufolge büßten die Ukrainer bisher (Stand: 28. Mai) 42 von 140 gelieferten Mardern ein. Eigentlich dienen die Schützenpanzer dem Transport von Infanterie ins Gefecht. Doch: Die ukrainischen Streitkräfte setzten die wuchtige 20-mm-Maschinenkanone Videos bei Social Media zufolge ebenso gegen feindliche Stellungen ein. 25 weitere Exemplare der alten Panzer aus den 1980er Jahren will Berlin nach deren Sanierung durch Rüstungsunternehmen absehbar bereitstellen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Flugabwehr für die Ukraine: IRIS-T SLM und IRIS-T SLS gegen russische Luftangriffe

  • 10 Luftverteidigungssysteme IRIS-T (SLM/SLS): Sechs Luftabwehrsysteme IRIS-T bekam die Ukraine zum Schutz ihrer kritischen Infrastruktur bis Mai 2025. Zehn weitere Systeme, die Diehl Defence vom Bodensee baut, sollen folgen. Zeitgleich hat zum Beispiel Österreich für sein Bundesheer vier Kurzstreckensysteme IRIS-T-SLS mit einer Reichweite von bis zu 15 Kilometern und vier IRIS-T-SLM mit einer mittleren Reichweite von bis zu 50 Kilometern bestellt. Die deutsche Bundeswehr bekam bisher erst ein IRIS-T, fünf weitere sollen folgen. Die Herausforderung ist groß: Alle Abnehmer sollen nach und nach ausgestattet werden.
Ein Startfahrzeug mit Luftabwehrraketen vom Typ IRIS-T-SLM. (Symbolfoto)

Artillerie für die Ukraine: Dutzende Radhaubitzen RCH 155 und weitere Panzerhaubitzen 2000

  • 54 Radhaubitzen RCH 155: Anfang des Jahres hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Standort des Rüstungsherstellers KNDS in Kassel den Ukrainern die erste hochmoderne Radhaubitze RCH 155 übergeben, die aus voller Fahrt Granaten im Kaliber 155 Millimeter verschießen kann. Diese RCH 155 verbleibt zu Übungszwecken aber vorerst in Deutschland. Auch hier kommt das Problem der Produktionskapazitäten zum Tragen. Die Bundeswehr soll langfristig 80 RCH 155 erhalten - und alle diese Radhaubitzen müssen erstmal unter viel Aufwand gefertigt werden.
  • 19 Panzerhaubitzen 2000: Die PzH 2000 war eine der ersten aufsehenerregenden deutschen Waffen-Lieferungen im Ukraine-Krieg überhaupt. Die mächtige selbstfahrende Haubitze kann ihre Munition nicht zuletzt hochgradig präzise über eine Distanz von etwa 80 Kilometern in ihr Ziel bringen. 25 dieser modernen Panzerhaubitzen bekam Kiew bereits - 19 weitere sind vereinbart. Laut Oryx wurden bislang zwei zerstört.
Die Ukraine soll aus Deutschland schrittweise 54 Radhaubitzen RCH 155 erhalten.

Kampfdrohnen aus Deutschland: HF-1 und HX-2 gegen Wladimir Putins Angriff

  • 2950 bewaffnete Drohnen HF-1: Bis Mitte April war die Lieferung von 1050 KI-betriebenen Kamikaze-Drohnen abgewickelt. Sie sollen sich besonders eignen, um im selbständigen Zielanflug mechanisierte Verbände wie Panzer-Kolonnen zu bekämpfen. Die Lieferung tausender weiterer Exemplare ist im Gange.
  • 6000 Kampfdrohnen HX-2: Im Februar verkündete das Technologieunternehmen Helsing aus München per Pressemitteilung, dass tausende neu entwickelte Kampfdrohnen an die Ukraine gehen sollen. Ein Militär-Experte forderte bei „Markus Lanz“ jüngst viele dieser Kampfdrohnen auch für die deutsche Bundeswehr. Die HX-2-Kampfdrohnen können laut Helsing binnen kurzer Zeit in großer Zahl in einem geheimen Hub in Süddeutschland hergestellt werden. Sie sind Herstellerangaben zufolge schwarmfähig, um die Flugabwehr auszuhebeln. Auch bei diesen Drohnen kommt KI für einen autonomen Zielanflug zum Einsatz.

Die frühere Ampel-Koalition hatte auf ihrer Website zu den Waffen-Lieferungen einst vermerkt: „Aus Sicherheitserwägungen sieht die Bundesregierung bis zur erfolgten Übergabe von weiteren Details, insbesondere zu Modalitäten und Zeitpunkten der Lieferungen, ab.“ Unter dem neuen Kanzler Merz soll die Sicherheitsstufe für die Militärhilfen in punkto Geheimhaltung nun noch einmal erhöht werden. (pm)

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