Sorge vor Trump

Militärspezialist Masala schlägt Einsatz von Bodentruppen in der Ukraine vor

  • Stephanie Munk
    VonStephanie Munk
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Trump könnte die militärische Unterstützung für die Ukraine reduzieren. Experte Masala schlägt vor, europäische Bodentruppen zu entsenden.

München – Der renommierte Militärexperte Carlo Masala hat die Entsendung europäischer Bodentruppen im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht. Und zwar für den Fall, dass der kommende US-Präsident Donald Trump die militärische Unterstützung für Kiew drastisch reduziert.

Bodentruppen im Ukraine-Krieg? Militärexperte Masala spricht von „Koalition der Willigen“

Masala, Professor für Internationale Politik an der Bundeswehr-Universität in München, betonte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Wir brauchen eine Rückfalloption für den Fall, dass die USA ihre Waffenlieferungen an die Ukraine einstellen“. Masala sprach dabei von einer „Koalition der Willigen, die im Zweifel auch bereit ist, Bodentruppen in die Ukraine zu entsenden“.

Militärexperte Carlo Masala hat die Entsendung europäischer Bodentruppen im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht. Das Bild zeigt Soldaten der deutschen Bundeswehr.

Macron bei Ukraine-Bodentruppen offen – Pistorius will Deutschland offenbar „ins Spiel bringen“

Masala wies darauf hin, dass es zum Thema Bodentruppen aktuell „viel in Bewegung“ gebe, zum Beispiel „in Frankreich, Großbritannien und Polen“. Deutschland sei bisher „bei den meisten Entwicklungen außen vor“. Nach Einschätzung Masalas verfolge jedoch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) „offenbar das Ziel, Deutschland wieder ins Spiel zu bringen“.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte eine Entsendung von Bodentruppen im Ukraine-Krieg bereits im März 2023 nicht ausgeschlossen, und überraschte damit die Verbündeten in Europa. Westliche Spezialtruppen befinden sich allerdings wohl schon längst in der Ukraine.

Pistorius will Unterstützung für Ukraine weiter stärken - Bodentruppen als Option?

Am Montagabend traf sich Pistorius in Berlin mit den Verteidigungsministern aus Frankreich, Großbritannien und Polen. Auch der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow war zugeschaltet.

Nach dem Treffen im sogenannten Fünferformat bekräftigte Pistorius seinen Wunsch, die Ukraine angesichts der jüngsten Entwicklungen im russischen Angriffskrieg weiter zu stärken. Er betonte, dass insbesondere Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen „die ukrainische Rüstungsindustrie verstärkt weiter unterstützen“ würden. „Unser Ziel: Die Ukraine muss aus einer Position der Stärke heraus agieren können“, sagte er.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Pistorius fürchtet Rolle von Donald Trump im Ukraine-Krieg - Bodentruppen als Option?

Pistorius betonte das auch vor dem Hintergrund des im Januar anstehenden Amtsantritts von Donald Trump als US-Präsident. Trump hatte die umfangreichen US-Hilfen für die Ukraine stark kritisiert. In der Ukraine und bei ihren europäischen Unterstützern gibt es deshalb die Befürchtung, dass die USA unter Trump ihre militärische Unterstützung für das Land drastisch reduzieren könnten.

Christoph Heusgen, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, bezeichnete das Treffen von Pistorius mit den vier anderen europäischen Verteidigungsministern gegenüber dem RND als „sehr wichtiges Treffen“. „Denn jetzt schlägt die Stunde Europas“, sagte auch er.

„Aggressiver Putin und unberechenbarer Trump“ - Europa müsse im Ukraine-Krieg handeln

Angesichts eines „weiterhin aggressiven Wladimir Putin und eines unberechenbaren Donald Trump“ müsse Europa „mehr Verantwortung übernehmen und sich um seine eigene Sicherheit kümmern“, betonte Heusgen. Dies könne jedoch „nur gemeinsam, nicht einzeln“ erreicht werden. (dpa/smu)

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