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Ukraine gelingt neuer Schlag gegen russische Schwarzmeerflotte vor der Krim

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Mit Drohnen sollen Spezialkräfte zwei Landungsschiffe getroffen haben. Klein und unscheinbar, sind sie dennoch von großer Bedeutung für Russland.

Kiew – Die Ukraine hat in der Nacht zu Freitag (10. November) der russischen Schwarzmeerflotte auf der besetzten Krim offenbar empfindlichen Schaden zugefügt. Wie der ukrainische Militärgeheimdienst am Freitag mitteilte, konnten Spezialeinheiten der Armee im Westen der Halbinsel, etwa 140 Kilometer nordwestlich von Simferopol, zwei kleinere russische Landungsschiffe mit Überwasserdrohnen teils schwer beschädigen oder gar versenken. Erst Anfang November will die Ukraine die russische Korvette „Askold“ zerstört haben.

Ukraine beschädigt oder versenkt zwei russische Landungsschiffe auf der Krim

Es soll sich dabei um zwei Boote der „Serna“-Klasse (Projekt 11770) handeln, die für den Transport von Truppen und gepanzerten Fahrzeugen verwendet werden. Ein solches Schiff hat eine hohe Reichweite und kann bis zu 45 Tonnen Fracht sowie 92 bewaffnete Soldaten aufnehmen, so der Militärgeheimdienst in Kiew. Die nun beschädigten oder versenkten Schiffe sollen bemannt gewesen sein und gepanzerte Fahrzeuge, darunter Flakpanzer vom Typ BTR-82, an Bord gehabt haben.

Ein russisches Landungsschiff der „Serna“-Klasse (vorne). Zwei davon wollen ukrainische Spezialkräfte mit Drohnenangriffen beschädigt oder gar zerstört haben.

Kiew hat ein Video veröffentlicht, auf dem laut dem ukrainischen Militärportal Militarnyi zu sehen ist, wie in einer Nacht-Operation ein Schiff der „Serna“-Klasse von zwei ukrainischen Überwasserdrohnen getroffen wird. Nach dem ersten erfolgreichen Drohnen-Treffer zeichnete die zweite Drohne mit ihrer Kamera einen großflächigen Schaden und ein Loch in der Flanke des Schiffes auf. Die nächste Drohne traf dieselbe Stelle und vergrößerte vermutlich den bereits erheblichen Schaden.

Landungsschiffe für Russland im Ukraine-Krieg von hoher strategischer Bedeutung

Landungsschiffe der „Serna“-Klasse, die auch als Amphibienboote beschrieben werden, wurden von Russland etwa eingesetzt, um Truppen, Ausrüstung und Landungsfahrzeuge auf die zu Beginn der Invasion eroberte Schlangeninsel zu bringen. Im Zuge des Ukraine-Krieges wurden diese Boote außerdem mit Tor-M2-Flugabwehrraketensystemen ausgestattet. Sie dienen damit auch der Deckung der größeren Schiffe, nachdem die Russen viele ihrer schiffsgestützten Luftabwehrsysteme verloren haben, schreibt der ukrainische Militärgeheimdienst.

Der Einsatz von solchen Schiffen als improvisierte Träger von Flugabwehr- und Artilleriewaffen soll laut Militarnyi eine durchaus übliche Praxis sein. Der eigentliche Wert im Krieg Russlands gegen die Ukraine liegt aber in ihrer Bedeutung für die Logistik. Laut dem Militärbloggers David Axe sind diese Landungsboote von entscheidender Bedeutung für die Russen, wie er für Forbes schreibt. Die gesamte verbleibende taktische Logistikkapazität der Schwarzmeerflotte bestehe nur noch aus rund zehn solcher Schiffe.

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Das Ziel der Ukraine sei klar: Es soll den Russen erschwert werden, die Krim und ihre Truppen im südlichen Oblast Cherson mit Nachschub zu versorgen. Diese Aufgabe gestalte sich für die Russen angesichts des ukrainischen Vormarsches in der südlichen Oblast Saporischschja und der wiederholten Angriffe auf die Krim-Brücke von Kertsch zunehmend schwierig. Mittlerweile baut Russland sogar an neuen Eisenbahnrouten für die Versorgung der Krim.

Insgesamt habe die Schwarzmeerflotte schmerzhafte Verluste hinnehmen müssen, so Axe. Die Ukraine habe zwar selbst keine großen Kriegsschiffe zur Verfügung, konnte aber dennoch bisher aufseiten Russlands mindestens einen Kreuzer, eine Korvette, drei Amphibienschiffe, ein U-Boot und ein Versorgungsschiff ausschalten – und nun möglicherweise zwei von rund zehn Landdungsbooten.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ITAR-TASS

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