Springer-Blatt in der Kritik

Musk bekräftigt Unterstützung für die AfD in der „Welt“

  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Elon Musk, ein enger Verbündeter von Donald Trump, mischt sich nun auch in die deutsche Politik ein – und steht hinter der AfD.

Update vom 28. Dezember, 20.25 Uhr: Mika Beuster, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) hat nach dem Musk-Skandal bei der Welt am Sonntag dazu aufgerufen, dass Redaktionen sich im Wahlkampf nicht instrumentalisieren lassen sollen. „Deutsche Medien dürfen sich nicht als Sprachrohr von Autokraten und deren Freunden missbrauchen lassen“, sagte er gegenüber der Tagesschau. Beuster riet dazu, dass Redaktionen „extrem sorgfältig“ mit Gastbeiträgen umgehen sollen.

Erstmeldung: Berlin – Er hat es schon wieder getan. Elon Musk, Vertrauter von Donald Trump und neuerdings AfD-Fan, hat seine Unterstützung für die in Teilen rechtsextreme Partei wiederholt. Diesmal aber nicht nur in einem Beitrag auf der von ihm aufgekauften Social-Media-Plattform X, sondern in einem Gastbeitrag in der Springer-Zeitung Welt am Sonntag.

Musk hält AfD für Deutschlands letzte Chance – Jetzt sogar in einer deutschen Zeitung

„Der letzte Funke Hoffnung“ sei die AfD für Deutschland, schreibt der reichste lebende Mann der Welt in seinem Beitrag. Eine sinngemäße Wiederholung eines Beitrages auf X, in dem er schrieb: „Nur die AfD kann Deutschland retten“. Bereits nach dieser Aussage erntete der Tesla-Chef massive Kritik. Sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier missbilligte die Wahleinmischung von Musk.

In seinem Beitrag schrieb Musk von den wirtschaftspolitischen Vorhaben der AfD. So lobte er beispielsweise den von der Partei geplanten „Abbau staatlicher Überregulierung, zur Steuersenkung und Deregulierung des Marktes“. Ähnliche Vorhaben will er auch als Berater für den designierten US-Präsidenten Donald Trump umsetzen. Außerdem lobte er die radikale Haltung der Partei in Sachen Migration.

In einem Gastbeitrag in der Welt am Sonntag spricht sich Elon Musk für die in Teilen rechtsextreme AfD aus.

Musk kritisierte außerdem den Vorwurf, dass die AfD eine rechtsextreme Partei sei. Dabei stufte der Bundesverfassungsschutz die AfD im Mai als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. Das scheint in den Augen von Musk kein Kriterium für eine rechtsextreme Gesinnung zu sein. „Die Darstellung der AfD als rechtsextrem ist eindeutig falsch, wenn man bedenkt, dass Alice Weidel, die Vorsitzende der Partei, eine gleichgeschlechtliche Partnerin aus Sri Lanka hat! Klingt das für Sie nach Hitler?“, so Musk.

Welt-Journalisten protestieren gegen Musk-Beitrag – Meinungs-Chefin reicht Kündigung ein

Innerhalb der Welt-Redaktion trifft der Beitrag auf wenig Begeisterung. Der Ärger über die Veröffentlichung des Textes hatte sogar personelle Konsequenzen. Eva Marie Kogel, Leiterin des Meinungs-Ressorts bei der Welt und der Welt am Sonntag (WAMS), kündigte auf X ihre Kündigung an. „Ich habe immer gerne das Meinungs-Ressort von WELT und WAMS geleitet. Heute ist in der Welt am Sonntag ein Text von Elon Musk erschienen. Ich habe gestern nach Andruck meine Kündigung eingereicht“, schrieb sie in einem Beitrag.

Auch andere Redakteurinnen und Redakteure machten ihrem Ärger über die Veröffentlichung im Internet Luft. Laut Medienberichten soll Musks Gastbeitrag bereits vor Weihnachten zu Aufruhr in der Redaktion geführt haben. Das Branchenmagazin Medieninsider berichtete sogar, dass der Redaktionsausschuss vor der Veröffentlichung gewarnt haben soll.

Elon Musk: Erst US-Schattenpräsident – und jetzt Trump-Gegenspieler?

Geboren wurde Elon Musk 1971 in Pretoria in Südafrika.
Errol Musk baute als Maschinenbau- und Elektroingenieur ein Vermögen auf.
Mitte der 1990er Jahre begann der Aufstieg Elon Musks in den USA.
Im Jahr 2002 gründete Elon Musk das Unternehmen SpaceX.
Elon Musk: Erst US-Schattenpräsident – und jetzt Trump-Gegenspieler?

Aufregung um Musk-Gastbeitrag in der Welt: Chefredakteur reagiert – Text soll Kontext bieten

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) äußerten sich der Springer-Konzern, Chefredakteur der Welt-Gruppe Ulf Poschart sowie dessen Nachfolger Jan Philipp Burgard in einem gemeinsamen Statement zu dem kontrovers diskutierten Text: „Die aktuelle Diskussion um den Text von Elon Musk ist sehr aufschlussreich. Demokratie und Journalismus leben von Meinungsfreiheit.“ Es gehöre dazu, dass man sich mit polarisierenden Aussagen beschäftigt und diese einordnet. „Das wird auch künftig den Kompass der Welt bestimmen. Wir werden Die Welt noch entschiedener als Forum für solche Debatten entwickeln.“

In einem Meinungsbeitrag von Burgard, der neben dem von Musk abgedruckt wurde, widersprach er den Ausführungen des Milliardärs. „Musks Diagnose ist korrekt, doch sein Therapieansatz, nur die AfD könne Deutschland retten, ist fatal falsch.“ (nhi mit dpa)

Rubriklistenbild: © Toby Melville/dpa

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