Personalmangel im Krieg

Nach Kursk-Vorstoß: Russland sucht verzweifelt Freiwillige

  • Paul Luka Schneider
    VonPaul Luka Schneider
    schließen

Der Kursk-Vorstoß hat Russland Verluste eingebracht. Der Kreml plant eine Reaktion im Ukraine-Krieg – doch es mangelt an Personal.

Kursk/Moskau – Der Kursk-Vorstoß im Ukraine-Krieg hält Russland weiter in Atem. Während die Ukraine mittlerweile von 74 Siedlungen und einer eingenommenen Fläche von mehr als 1000 Quadratkilometern in der russischen Grenzregion spricht, sieht sich Russlands Diktator angesichts der Verluste zum Handeln gezwungen.

Jüngst ordnete er deswegen einen Truppen-Abzug aus der Ukraine ab. Doch die sollten in Kursk dann auch gute „Arbeitsbedingungen“ vorfinden. Daran krankt es augenscheinlich aber.

Nach Kursk-Offensive im Ukraine-Krieg: Kreml wird auf Job-Portalen aktiv – und spricht Arbeiterschaft an

Personalmangel in russischen Schützengräben: Der Kreml sucht nach dem Kursk-Vorstoß im Ukraine-Krieg händeringend nach Verstärkung für das Ausheben neuer Verteidigungslinien. (Symbolfoto)

Vor allem im Ausheben von Schützengräben an der Grenzregion kommt Russland offenkundig nicht hinterher. Deswegen hat der Kreml laut Berichten von BBC und CNN eine „Rekrutierungs-Offensive“ gestartet, die sich an „allgemeine“, russische Arbeiterinnen und Arbeiter richtet, gestartet.

Job-Portale im Internet haben demnach in den vergangenen Tagen nach dem Beginn des Kursk-Vorstoßes am 6. August mindestens 30 Stellenanzeigen ausgespielt, in denen nach Leuten gesucht wird, die Schützengräben ausheben sollen. Vergütet soll die Arbeit mit 150.000 bis 371.000 Rubel werden. Umgerechnet rund 1500 bis 3600 Euro.

Der Bau verschiedenster „Befestigungs- und Panzerabwehranlagen“ rund um die Stadt Kursk, gehöre zum Arbeitsportfolio. Westlich der Stadt will Russland demnach eine zweite Verteidigungslinie rund um das Kursker Atomkraftwerk ausheben, wo sich Soldatinnen und Soldaten eingraben können.

Verluste für Russland: Das Kalkül hinter dem Kursk-Vorstoß im Ukraine-Krieg

In den Bau derartiger Schützengräben in der Grenzregion hatte Russland vorher „beträchtliche Mittel“ investiert, wie die US-amerikanische Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) mitteilt. Viele sind nun aber von der Ukraine beim Kursk-Vorstoß überrannt worden.

„Die spärlich besetzten und ausgerüsteten Grenzbefestigungen erwiesen sich zu Beginn des ukrainischen Kursk-Vorstoßes als unzureichend, um ukrainische Feldgewinne zu verhindern“, schreibt das ISW. Die Ukraine erhofft sich derweil von ihrem Kursk-Vorstoß, dass Russland in der umkämpften Frontregion Donezk seine Truppen nicht verstärken kann. Das erklärte das ukrainische Außenministerium.

Kursk-Vormarsch der Ukraine setzt Russland unter Druck – Kriegslogistik Putins in Not

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Budapester Memorandum
Ukrainedemo, München
Orangene Revolution in der Ukraine
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Ferner wird durch den Kursk-Vorstoß auch die russische Kriegslogistik in ihren Grundfesten gestört und Grenz-Angriffe von Russland mit Langstrecken-Raketen können minimiert werden.

Während Russland Probleme hat, graben ukrainische Soldatinnen und Soldaten in Kursk nun munter Schützengräben aus. (pls)

Rubriklistenbild: © Konstantin Mihalchevskiy/imago.images.de