Kreml sieht „ernste Bedrohung“

„Verschwinden“ der Nato: Putin-Scherge Medwedew droht dem Westen

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    VonFelix Durach
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Russland blickt mit Sorge auf einen möglichen Nato-Beitritt der Ukraine. Putins Hardliner Medwedew fordert derweil die Zerschlagung des Militärbündnisses.

München – Seit der russischen Invasion in die Ukraine ist die Nato um zwei Mitgliedsstaaten gewachsen. Schweden und Finnland hatten sich aus Sorge vor weiteren Aggressionen von Präsident Wladimir Putin dem Militärbündnis angeschlossen. Die direkte Grenze zwischen der Nato und Russland erhöhte sich dadurch auf einen Schlag um 1340 Kilometer – und sie soll noch weiter wachsen. Die Nato-Mitglieder debattieren über die Aufnahme der Ukraine. Für Russland ein Affront. Dmitri Medwedew regierte jetzt mit Drohungen auf die Entwicklungen.

Medwedew poltert während Nato-Gipfel gegen „Feinde aus Washington“ – Nato muss „verschwinden“

„Wir müssen alles tun, damit der ‚unumkehrbare Weg‘ der Ukraine zur Nato entweder mit dem Verschwinden der Ukraine oder mit dem Verschwinden der Nato endet. Oder noch besser: mit beidem“, schrieb der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats am Donnerstagvormittag (11. Juli) in einem Beitrag auf Telegram.

Damit bezog sich Medwedew auf die geplante Abschlusserklärung der Nato-Mitglieder für den noch bis Donnerstag andauernden Nato-Gipfel in Washington. In dem Text wird der Pfad der Ukraine zur Mitgliedschaft in dem Militärbündnis als „unumkehrbar“ bezeichnet. Russland sollte laut Medwedew wegen dieser Erklärung der „Feinde aus Washington“ auf ein „Verschwinden“ der Nato hinarbeiten.

Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, hat der Nato mit der Vernichtung gedroht.

Kreml sieht „ernste Bedrohung“ durch die Nato – Maßnahmen angekündigt

Medwedew hat sich spätestens seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs zu einem russischen Hardliner gewandelt. Der Vertraute von Wladimir Putin und früherer Präsident Russlands hatte den westlichen Staaten wiederholt mit einem Atomschlag gedroht, sollten sie die Ukraine weiter militärisch unterstützen. Bereits im Januar hatte Medwedew über ein „Verschwinden“ der Ukraine als souveräner Staat gesprochen. „Nur eine Frage: Wer hat denn gesagt, dass die Ukraine in zwei Jahren überhaupt noch auf der Weltkarte existieren wird?“, schrieb der 58-Jährige über seinen Telegram-Kanal.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kündigte ebenfalls am Donnerstag an, dass Russland Maßnahmen ergreifen müsse, um die Nato in Schach zu halten. Das Ziel der Nato sei die Unterdrückung Russlands, und die Aktionen des Bündnisses stellten eine „ernste Bedrohung“ der nationalen Sicherheit dar, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Kreml-Sprecher.

Medwedew stellt klar: Ukraine-Krieg geht auch nach Kapitulation von Kiew weiter

Erst am Mittwoch hatte Medwedew in einem Beitrag auf Telegram angedeutet, dass Russland seine „militärische Spezialoperation“ auch dann nicht beenden würde, wenn sich Kiew auf die Forderungen von Präsident Putin für einen Waffenstillstand einlassen würde. Putin hatte sich für einen Waffenstillstand bereit erklärt, falls die Ukraine unter anderem die Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson abtreten und von einem Beitritt in die Nato absehen würde.

„Selbst, nachdem sie die Verträge unterzeichnet und die Niederlage akzeptiert haben, werden die verbleibenden Radikalen, nachdem sie ihre Kräfte neu gruppiert haben, früher oder später, inspiriert von Russlands westlichen Feinden, an die Macht zurückkehren“, prognostizierte Medwedew in seinem Beitrag. Dann würde für Russland die Zeit kommen, „das Reptil endgültig zu vernichten.“

Putin-Scherge Medwedew will die Ukraine von der Landkarte streichen

„Medwedew bekräftigte, dass Russland ohne die Kapitulation der Ukraine, die Zerstörung des gesamten ukrainischen Staates und die vollständige Besetzung der Ukraine keine ausgehandelten Friedensvereinbarungen mit Kiew akzeptieren oder aufrechterhalten würde“, analysierte der Thinktank „Institute for the Study of War“ mit Blick auf die Aussagen des Kreml-Politikers. Russland arbeite somit trotz öffentlicher Aussagen zu Friedensgesprächen weiter auf ein „Verschwinden“ der Ukraine von der europäischen Landkarte hin. (fd)

Rubriklistenbild: © Ekaterina Shtukina/Kay Nietfeld/dpa (Montage)