Suwalki-Linie
Nato verstärkt Truppen an „exponierter“ Grenze zu Russland
VonFabian Müllerschließen
Erneut will das Verteidigungsbündnis Nato ihre Ostflanke verstärken. Gerade die baltischen Staaten treibt die Sorge um, Russland könnte über die Suwalki-Linie angreifen.
Suwalken – Die Nato verstärkt weiter ihre Ostgrenze. Das berichtet das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek. Litauen, Polen und weitere Nato-Staaten, die in der Nähe von Russland und Belarus liegen, verstärken ihre Verteidigung, heißt es dort. Auch die „Abschreckungsposition an der Ostflanke“, einschließlich der Suwalki-Linie, das Gebiet um die Grenze zwischen Litauen und Polen, wird ausgebaut, sagte Litauens Verteidigungsminister Arvydas Anušauskas dem Magazin.
Die Suwalki-Linie verbindet Belarus mit der russischen Exklave Kaliningrad und wird als Schwachstelle der Nato betrachtet. Sie gilt als die am stärksten befestigte Grenze des Bündnisses. Litauen investiere in seine Streitkräfte und deren Versorgung, so Anušauskas gegenüber Newsweek. „Gemeinsam mit unseren Verbündeten schaffen wir die richtigen Fähigkeiten und Pläne, um jeden Zentimeter des NATO-Gebiets zu verteidigen.“
Suwalki-Linie: Grenze zwischen Polen und Litauen gilt aus Schwachstelle der Nato
Der Landsteifen werde aber auch künftig eine „grundlegende Herausforderung bleiben“. Weil die baltischen Staaten geografisch besonders exponiert seien, erfordere die Lage „besondere Maßnahmen zur Gewährleistung einer glaubwürdigen Abschreckung und Verteidigung“, sagte Anušauskas weiter.
Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses




Russland nutzte belarussisches Staatsgebiet als Ausgangsort für seinen Angriff auf die Ukraine vor 20 Monaten. Anfang dieses Jahres ließen sich zahlreiche Wagner-Söldner in belarussischen Stützpunkten in der Nähe der Grenzregion nieder. Im russischen Staatsfernsehen erklärten Putin-treue Politiker damals, die Söldner könnten von dort die Suwalki-Linie einnehmen. In der Nato beobachtete man die Situation genau und rüstete schon damals die Gegend auf.
Nato verstärkt erneut Ostflanke: Litauen warnt vor Angriff über Suwalki-Linie
Polen verstärkte daraufhin seine militärische Präsenz, der polnische Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak sagte: „Wir sorgen uns um die Sicherheit der Ostflanke.“ Die größte Sorge der baltischen Staaten besteht heute darin, dass Russland militärisch über die Linie in die Nato eindringen könnte. Jeder Angriff dieser Art würde höchstwahrscheinlich eine Reaktion der Nato gemäß Artikel 5 auslösen. Darin heißt es, dass ein Angriff auf ein Mitglied des Bündnisses als ein Angriff auf alle Mitgliedsstaaten betrachtet wird.
Westliche Experten gehen allerdings nicht davon aus, dass Russland über die Suwalki-Linie in die Nato einfallen werde. Die Aufmerksamkeit auf die Region sei zu groß, heißt es. Außerdem liege der Fokus Moskaus derzeit auf dem Ukraine-Krieg, so der Tenor. Eine Kriegserklärung an die Nato wäre ein Schritt, den selbst Wladimir Putin nicht gehen werde, von einer „roten Linie“ ist die Rede.
Video: Litauens Angst vor einem russischen Angriff
Viele der Wagner-Söldner wurden in den vergangenen Wochen wieder zurück in die Ukraine beordert und kämpfen dort erneut an der Seite Russlands. Die meisten Lager in Belarus wurden Medienberichten zufolge aufgelöst. Anušauskas warnt dennoch davor, die Gefahr zu unterschätzen. Litauen habe die „verstärkte taktische nukleare Bedrohung“ und die „Provokationen von Kaliningrad und der weißrussischen Seite“ der vergangenen zwei Jahre nicht vergessen. (fmü)
