Angeschlagener US-Präsident

Video schürt Sorge: Wackeliger Biden steht nach Corona-Infektion mit dem Rücken zur Wand

US-Präsident Joe Biden geht die Stufen der Air Force One auf der Dover Air Force Base in Delaware hinunter.
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Die Corona-Infektion kommt mitten in der Debatte um Joe Bidens Kandidatur für die US-Wahl 2024.
  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Joe Biden kämpft parteiintern darum, seine Kandidatur für die US-Wahl 2024 zu retten. Eine Corona-Infektion macht ihm da zusätzlich zu schaffen.

Update vom 18. Juli, 10.15 Uhr: Es sieht nicht gut aus für Joe Biden. Nach einer kurzen Atempause sieht sich der US-Präsident mit neuen Forderungen konfrontiert, sich aus dem Wahlkampf um eine zweite Amtszeit zurückzuziehen. Zugleich macht ihm seine Gesundheit zu schaffen. Nach einem positiven Coronatest musste der 81-Jährige eine Wahlkampfreise im Bundesstaat Nevada abbrechen. Der Demokrat zog sich mit leichten Symptomen in sein Privathaus in Rehoboth im Bundesstaat Delaware zurück.

Die Erkrankung trifft Biden genau in dem Moment, in dem die Debatte über seine Kandidatur vor der US-Wahl 2024 wieder entbrannt ist. Und die Bilder, die die TV-Sender in den USA von seiner Rückkehr zeigen, sind nicht dazu angetan, seine Stellung zu verbessern. Es ist deutlich zu sehen, wie wackelig Biden nach der Corona-Diagnose aus der Air Force One steigt.

Biden muss nach Corona-Infektion pausieren – Reaktion sorgt für Verwirrung: „Was für ein schräger Post“

Update vom 18. Juli, 8.00 Uhr: Für Joe Biden spitzt sich die Lage immer weiter zu. Nach einer kurzen Pause sieht sich der US-Präsident erneut mit Forderungen konfrontiert, sich aus dem Wahlkampf zurückzuziehen. Zugleich macht ihm seine Gesundheit zu schaffen. Biden wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Auf dem offiziellen X-Account des Präsidenten wurde dies auch entsprechend vermeldet. Darin hieß es auch, dass Biden sich wohlfühle.

Quasi zur gleichen Zeit hieß es auf Bidens persönlichem Konto allerdings, dass er krank sei. Oder war etwas anderes gemeint? So war es tatsächlich: Krank war in diesem Fall mit seinen Worten nicht gemeint. Bidens Team löste den Widerspruch kurz danach mit einem zweiten Beitrag: „Ich habe es satt, dass Elon Musk und seine reichen Kumpels versuchen, diese Wahl zu kaufen. Wenn ihr es auch satthabt, dann spendet hier.“ Bidens Team nutzte die Corona-Infektion also zum Spendenaufruf. Die Taktik sorgte aber für Verwirrung. Ein Nutzer schrieb: „Wer zum Teufel ist da Werk?“ Und eine andere Nutzerin meinte: „Was für ein schräger Post.“

US-Wahl 2024: Präsident Joe Biden muss nach Corona-Infektion Wahlkampf pausieren

Erstmeldung vom 18. Juli: Las Vegas – Der Wahlkampf in den USA ist in vollem Gange. US-Präsident Joe Biden muss jetzt aber erst einmal kürzertreten. Der 81-Jährige ist positiv auf das Coronavirus getestet worden und musste deshalb eine wichtige Wahlkampfreise abbrechen. Anders als geplant, reiste Biden vorzeitig aus dem Bundesstaat Nevada ab.

Er fühle sich „gut“, sagte Biden ohne Maske vor der Presse und zeigte einen Daumen nach oben. Seine Sprecherin Karine Jean-Pierre erklärte, Biden habe „leichte Symptome“. Die Infektion erfolgt inmitten der Debatte über Bidens geistige und körperliche Eignung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten bei der US-Wahl 2024 im November. Kurz vor Bekanntwerden der Infektion hatte Biden in einem Interview mit dem Sender BET gesagt, im Falle einer schweren Erkrankung aus dem Rennen um das Weiße Haus auszusteigen.

Biden wird sich nach Corona-Erkrankung isolieren

Biden sei nach einer Veranstaltung in Las Vegas positiv auf das Coronavirus getestet worden, teilte Jean-Pierre weiter mit. Biden wolle sich nun in sein Privathaus in Rehoboth im Bundesstaat Delaware zurückziehen und dort isolieren, teilte das Weiße Haus mit. Er könne von dort alle Aufgaben aber in vollem Umfang wahrnehmen. Er sei geimpft und habe leichte Symptome. Biden habe eine laufende Nase, trockenen Husten und allgemeines Unwohlsein, erklärte der Arzt Kevin O‘Connor. Biden erhält nach Angaben seiner Sprecherin das Corona-Medikament Paxlovid.

Biden war in Las Vegas unterwegs, um vor allem bei der hispanischen Bevölkerung um Stimmen zu werben. Dort legte er zunächst in einem mexikanischen Restaurant einen Stopp ein, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Danach wollte er bei einer Konferenz einer wichtigen Bürgerrechtsorganisation, die die Interessen der hispanischen Bevölkerung vertritt, auftreten. Dazu kam es aber nicht. Auch ein weiterer Termin musste abgesagt werden. 

Bereits vor zwei Jahren Positivtest bei Biden

Biden war im Sommer vor zwei Jahren zuletzt positiv auf das Virus getestet worden. Er wurde auch damals mit dem Medikament Paxlovid behandelt und nur wenige Tage nach dem Ende seiner Corona-Isolation erneut positiv auf das Coronavirus getestet. Dabei habe es sich um einen „Rückfall“ gehandelt, der bei Patienten, die mit dem Paxlovid behandelt wurden, in seltenen Fällen auftrete, hieß es damals. Biden hatte damals nach Angaben des Weißen Hauses einen milden Verlauf. 

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Der 81-Jährige gehört wegen seines hohen Alters zur Risikogruppe. Seine Infektion kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich Biden mit einer immer weiter anschwellenden Debatte in seiner Demokratischen Partei über seine geistige und körperliche Eignung als erneuter Präsidentschaftskandidat konfrontiert sieht. Beim ersten TV-Duell gegen Donald Trump hatte Biden auch schon Schnupfen und eine heisere Stimme. Nach Angaben des Weißen Hauses fiel damals ein Coronatest negativ aus. 

Biden steht vor der US-Wahl 2024 schwer unter Druck

Biden kämpft derzeit aber an allen Fronten, um seine Präsidentschaftskandidatur zu retten. Nach mehreren anderen Parteikollegen rief nun auch der prominente demokratische Abgeordnete aus dem Repräsentantenhaus, Adam Schiff, Biden auf, aus dem Präsidentschaftsrennen auszusteigen. In einer Erklärung für die Los Angeles Times appellierte Schiff an Biden, „den Staffelstab weiterzugeben“. Er habe „ernsthafte Zweifel“ daran, dass Biden Trump besiegen könne. „Es steht einfach zu viel auf dem Spiel“, mahnte er.

Schiff ist ein Vertrauter der früheren demokratischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Beide haben ihre Wahlkreise im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien. Und Pelosi hat in der Partei weiterhin großen Einfluss. Die mächtige Demokratin hatte zuletzt in einem Interview gesagt: „Es liegt am Präsidenten zu entscheiden, ob er kandidiert.“ Sie fügte hinzu: „Wir alle ermutigen ihn, diese Entscheidung zu treffen. Die Zeit wird knapp.“

Der Sender ABC News berichtete am Mittwoch, dass der Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, Biden gesagt habe, es sei „besser für das Land“, wenn Biden aus dem Rennen um das Weiße Haus aussteige. Die Washington Post und die New York Times berichteten derweil, dass Schumer und der Anführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, Biden gewarnt hätten, dass seine Kandidatur die Chancen der Demokraten bei der Wahl gefährde. (dpa/AFP/cs)