Kleines Land, viele Kampfjets

F-16-Kampfjets für die Ukraine: Warum ein deutscher Nachbar so viel gegen Putin liefert

  • Patrick Mayer
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Die Niederlande und Belgien sind kleiner als Deutschland, liefern der Ukraine aber viele F-16-Kampfjets. Das hat unter anderem mit Flug MH17 zu tun.

Kiew – Was können sie im Ukraine-Krieg gegen den heimtückischen Angriff durch Russland ausrichten? Die Lieferung von F-16-Kampfjets durch die Verteidigungsallianz Nato an Kiew ist in diesem Hochsommer weltpolitisch ein omnipräsentes Thema.

F-16-Kampfjets für die Ukraine: Niederlande und Belgien liefern viele Flugzeuge im Krieg gegen Russland

Konkret: Die Ukraine soll in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren aus Dänemark (19 Flugzeuge), aus den Niederlanden (bis zu 42 Flugzeuge), Norwegen (fünf bis zehn Stück) und Belgien (30 Flugzeuge) rund 100 Kampfjets der älteren Version F-16A/B erhalten. Einen Teil der F-16-Kampfflugzeuge wollen die Ukrainer im Ausland stationieren, um sie möglichen russischen Luftangriffen zu entziehen.

Bemerkenswert ist, wie viele F-16 die Niederlande liefern wollen. Hat der deutsche Nachbar im internationalen Vergleich schließlich überschaubare 18 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Man könnte auch sagen, es ist ein vergleichsweise kleines Nato-Mitgliedsland.

Die Ukraine bekommt F-16-Kampfjets aus der Niederlande und Belgien. (Symbolbild)

F-16-Kampfflugzeuge der Niederlande im Ukraine-Krieg: Jets wurden in Holland selbst produziert

Ein Grund für die niederländische F-16-Offensive für die ukrainischen Luftstreitkräfte liegt darin begründet, dass in den Niederlanden, im Volksmund auch Holland genannt, recht viele der Kampfflugzeuge selbst produziert wurden. Denn: Wie die Luftfahrtzeitschrift Flug Revue Ende Juli berichtet, hatten die Königlichen Luftstreitkräfte (Koninklijke Luchtmacht) im deutschen Nachbarland zwischenzeitlich immerhin 213 F-16-Kampfjets im Bestand, an denen Maverick-, HARM- oder Sidewinder-Raketen montiert werden.

Demnach stellte der bekannte Flugzeugbauer Fokker aus Amsterdam, der 1996 Insolvenz anmeldete, die Kampfjets für die Koninklijke Luchtmacht bis Februar 1992 auf amerikanische Lizenz hin her. Ein Großteil der 177 F-16A und der 36 F-16B durchlief laut Flug Revue später auch das Mid-Life-Update-Programm (MLU). Heißt: Die Kampfjets wurden zwischenzeitlich modernisiert und neuen Bedingungen angepasst. Nachdem die Niederlande zwischenzeitlich 34 moderne Tarnkappen-Kampfjets Lockheed Martin F-35 Lightning II aus den Vereinigten Staaten erhalten haben, wurden viele F-16 eingelagert.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

F-16-Kampffjets für die Ukraine: Niederlande und Belgien ordern F-35 gegen Russland

Aus diesem Lagerbestand werden nun wohl die bis zu 42 Flugzeuge saniert und wieder startklar gemacht, die an die Ukrainer gehen sollen. Die niederländischen Luftstreitkräfte haben dagegen neben den F-35 noch 24 F-16 selbst aktiv im Dienst. Da aber insgesamt 52 F-35 in den USA bestellt sind, sollen auch diese nach und nach ausgemustert werden. So der Plan. Während etwa die Deutschen, die Briten, die Spanier und die Italiener innerhalb der Nato auf die Eurofighter Typhoon setzen, verhält es sich bei den Belgiern ähnlich wie bei den Niederländern.

Das belgische Luftfahrtunternehmen SABCA kümmerte sich einst um die Endmontage der eigenen Modelle. Ursprünglich hatten die belgischen Luftstreitkräfte zusammen 160 der älteren F-16A/M und F-16B aus den 1980er Jahren in ihren Hallen stehen, wovon noch 53 im aktiven Dienst sein sollen. 34 bestellte F-35A sollen künftig den Kern der Belgian Air Component bilden, wie die Teilstreitkraft auch bezeichnet wird. Entsprechend können bis zu 30 Exemplare der F-16 an die Ukraine geliefert werden.

Nato-Mitgliedstaaten:Mit F-16-Kampfjets im Bestand:
USA875
Türkei270 (plus 40 bestellt)
Griechenland170
Niederlande68 (bis zu 42 gehen an die Ukraine)
Belgien53 (bis zu 30 gehen an die Ukraine)

Quelle: Flug Revue: Die größten F-16-Nutzer, Stand: 30. Juli 2024, 14.45 Uhr

Ukraine-Unterstützung mit F-16-Kampfjets durch die Niederlande: Erinnerungen an Flug MH17

Während indes die Ukrainer bei den F-16-Kampfjets vor Herausforderungen in punkto Stationierung und Landebahnen stehen, dürfte das Engagement der Niederlande in dieser Sache neben der eigenen Nato-Verpflichtungen auch eng mit Malaysia-Airlines-Flug 17 (Flugnummer MH17) zusammenhängen. Erst kürzlich hatte das Land im Beisein der königlichen Familie zum zehnten Jahrestag des Absturzes und Abschusses des Linienfluges der vielen Opfer gedacht.

Ein Rückblick: Am 17. Juli 2014 wurde die zivile Passagiermaschine vom Typ Boeing 777-200ER bei einem Flug von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine mutmaßlich von einer Flugabwehrrakete Buk M1 abgeschossen, die das Moskau-Regime von Kreml-Autokrat Wladimir Putin nach westlicher und ukrainischer Einschätzung den prorussischen Separatisten geliefert hatte. Alle 298 Insassen wurden getötet, darunter waren 192 Niederländer. Die Nato macht die mit dem Kreml verbündeten Separatisten für den Vorfall verantwortlich. Und Den Haag gilt als entschiedener Unterstützer Kiews bei der Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg. (pm)

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