Flugzeuge gegen Putin

Russland spioniert Schwachstelle der ukrainischen F-16-Kampfjet-Staffeln aus

  • Patrick Mayer
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Die ukrainischen Luftstreitkräfte bereiten den Einsatz ihrer F-16-Kampfjets gegen die Invasion durch Russland vor. Wladimir Putins Regime sucht Schwächen.

Kiew - Sie sollen Russland im Ukraine-Krieg vor gehörige Herausforderungen stellen: die F-16-Kampfjets, die die Ukraine aktuell nach und nach von der Verteidigungsallianz Nato erhält.

F-16-Kampfjets im Ukraine-Krieg: Stationierung wird gegen Putin zum Risiko

AGM-88 HARM, Sidewinder, Maverick - die Raketen für die F-16-Kampfflugzeuge haben den Invasionstruppen des imperialistischen Moskau-Regimes, von anderen Jets wie der MiG-29 abgefeuert, bereits empfindliche Verluste zugefügt. Geht es nach Kiew, soll der eigene Luftraum jetzt endlich effektiver verteidigt werden.

Doch: Die Armee von Kreml-Autokrat Wladimir Putin soll eine Schwäche ausgemacht haben. Das erklärt ein Militärexperte, und meint damit nicht etwa die F-16-Kampfjets selbst. Sondern die Art und Weise, wie diese stationiert werden. Und die infrastrukturellen Voraussetzungen, die die Flugzeuge für ihren Einsatz brauchen.

Ein belgischer F-16-Kampfjet, wie ihn die Ukrainer unter anderem aus diesem Nato-Land erhalten. Die Art der Stationierung der Flugzeuge ist für die Ukraine ein großes Thema. (Symbolfoto)

F-16-Kampffugzeuge für die Ukraine: Landebahnen werden zur Herausforderung

Wie Justin Bronk, leitender Forschungsmitarbeiter für Luftstreitkräfte und -technologie am Royal United Service Institute, der BBC erklärte, brauchen die F-16-Kampfflugzeuge völlig glatte und saubere Start- und Landebahnen. Denn: Jeder größere aufgewirbelte Gesteins- oder Asphaltbrocken oder etwa Trümmerteile auf der Landebahn könnten den Triebwerken der Jets aus den 1980er Jahren gefährlich werden. Heißt auch: Die Ukrainer müssen ihre Start- und Landebahnen im Vorfeld und während des Betriebs ständig aufwändig warten und, so banal es vielleicht klingen mag, auch hin und wieder gründlich reinigen.

Und: Versuche, die Infrastruktur der Stützpunkten zu verbessern, werde für „russische Beobachtungen sichtbar, egal ob aus dem Orbit oder von menschlichen Geheimdienstquellen“, erklärte Bronk. Er verwies auf russische Spionage-Drohnen wie ZALA, Supercam oder Orlans. Erst kürzlich machte in den Sozialen Medien ein Video die Runde, wie die Ukrainer eine russische Aufklärungsdrohne ZALA 421-16E mit unkonventionellen Mitteln zum Absturz bringen wollen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

F-16-Kampfjets der Ukrainer: Russische Luftangriffe auf Flugplätze machen Sorgen

Nachdem die russische Invasionsarmee zuletzt gleich drei ukrainische Militärflugplätze angegriffen hat, Myrhorod und Krywyj Rih in der Zentralukraine sowie einen Flugplatz in der südlichen Region Odessa, wird es für Kiew wohl tatsächlich darum gehen, bereits gelieferte F-16-Kampfjets vor russischen Luftangriffen - zum Beispiel mit der berüchtigten und riesigen Langstreckenrakete Iskander - zu schützen. So hatten die Ukrainer bereits durchblicken lassen, einen Teil der F-16-Kampfjets nicht in der Ukraine, sondern im Ausland stationieren zu wollen. Um sie so dem möglichen (und wahrscheinlichen) russischen Feuer zu entziehen.

Während auch die Waffen-Lieferungen etwa von Leopard-2-Kampfpanzern für die Ukrainer weitergehen, bleibt die notwendige Infrastruktur für die F-16 also eine maßgebliche Aufgabe. Und teils eine Hürde? „Es gibt noch einiges zu tun, was infrastrukturelle Voraussetzungen anbelangt. Was planerische Voraussetzungen anbelangt. Was die gesamte, ich nenne es mal, Architektur eines Luftwaffen-Einsatzes anbelangt. Bevor wir diese F-16 tatsächlich wirksam über dem ukrainischen Himmel sehen werden“, erklärte kürzlich Bundeswehr-General Christian Freuding in der ZDF-Sendung „heute update“: „Wir hoffen, dass sie (die F-16-Kampfflugzeuge, d. Red.) dann sehr schnell dazu beitragen können, dass der Himmel über der Ukraine wieder den Ukrainern gehört.“

F-16 Fighting Falcon
Beiname:Viper
Waffentyp:Mehrzweckkampfflugzeug
Indienststellung:17. August 1978
Hersteller:Lockheed Martin aus Maryland (seit 1993)
Länge / Spannweite:14,52 m / 9,45 m
maximale Startmasse (mit Raketen):12,7 Tonnen
Höchstgeschwindigkeit:2007 km/h

F-16-Lieferungen an die Ukraine: Behelfslandebahnen gegen russische Angriffe?

Freuding bekräftigte in seiner Einschätzung zu den ukrainischen F-16-Kampfflugzeugen, dass Deutschland Kiew erneut Flugabwehrsysteme der Typen Patriot, IRIS-T SLM und IRIS-T SLS geschickt habe. Auch, um militärische Flugplätze gegen Bombardements zu schützen. Freuding geht zudem davon aus, dass die Ukrainer Behelfslandebahnen anlegen werden – zum Beispiel auf Autobahnen.

Es gehe darum, „dass man Flugzeuge schnell verlegen wird, um das Risiko einer Zerstörung der Flugzeuge zu minimieren. Weil eins ist klar: Das wird natürlich ein Hauptziel der russischen Angriffsbemühungen sein“, sagte der deutsche Offizier dem ZDF. Neben den Niederlanden liefern Belgien, Norwegen und Dänemark zusammen mehrere Dutzend F-16-Kampfjets. Ob die Behelfslandebahnen so gut gewartet werden können, um das Risiko von Triebwerksausfällen zu minimieren, wird sich wohl erst in der Praxis zeigen müssen. Wie so oft im Ukraine-Krieg. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Björn Trotzki