Komplett festgefahren?

Brenzliges Wetterphänomen über Deutschland – aktuelle Lage ist laut Meteorologe „besonders kritisch“

  • VonDominik Jung
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Ein Wetterphänomen kündigt sich über Deutschland und Mitteleuropa an – mit potenziell extremen Folgen für April und darüber hinaus.

Frankfurt – Die Wetterlage über Mitteleuropa steht vor einem markanten Umschwung – und der hat es in sich, betont Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. Nach neuesten Prognosen der internationalen Wetterzentren entwickele sich ein sogenannter Omega-Block, eine Großwetterlage, die das Wetter über Deutschland für längere Zeit regelrecht festsetzen könne.

Ein blockierendes Hoch erwartet Europa auch zum Start in den April. Über Mitte- und Westeuropa bleibt es oftmals trocken, im Süden kommt es dagegen zu starkem Tiefdruckeinfluss und jeder Menge Regen.

Wetterphänomen könnte großen Einfluss auf Europa haben

„Wir sehen derzeit ein klassisches Blockierungsmuster mit einem mächtigen Hoch über Mitteleuropa, flankiert von zwei Tiefdruckgebieten – eines im Westen, eines im Osten“, erklärt der Experte. „Solche Wetterlagen können sehr stabil sein und sowohl Hitze als auch Trockenheit oder auf der Gegenseite Dauerregen bringen – je nachdem, wo man sich innerhalb dieses Musters befindet.“ Laut Jung sei diese Konstellation eine direkte Folge des sogenannten Final Warming in der Stratosphäre, das den Jetstream stören und die Wetterverhältnisse in Europa tiefgreifend beeinflussen könne. Für April zeigen die Wetter-Modelle Parallelen zu den Jahren 2018 und 2019.

Blockierte Wetterlage: Was das für Mitteleuropa bedeutet

Ein Omega-Block sei keine Seltenheit mehr, erläutert Jung. Im Gegenteil: In den letzten Jahren häuften sich diese stabilen Wetterlagen gar, die teils wochenlang anhalten könnten. In der aktuellen Situation bedeute das für Deutschland zunächst weitgehend ruhiges und sonniges Wetter, vor allem im Süden und Osten. Doch während sich dort frühsommerliche Temperaturen ausbreiten könnten, bleibe es im Nordwesten unter Einfluss eines nahen Tiefs eher wechselhaft.

Jung bewertet das als „besonders kritisch“. Denn: Die blockierte Zirkulation verhindert, dass neue Tiefdruckgebiete nachrücken – was entweder zu längerer Trockenheit führen kann oder auf der anderen Seite bestehende Unwetter immer wieder über dieselbe Region ziehen lässt. Die Folge seien Starkregen, Überschwemmungen oder Hitzewellen – je nach Position innerhalb des Musters.

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Klimawandel verstärkt extreme Wetterphasen

Wissenschaftler beobachten seit Jahren, dass sich diese blockierenden Wetterlagen häufen – und viele sehen einen Zusammenhang mit der globalen Erwärmung. Der Polarjet, die Höhenströmung, die normalerweise das Wetter über Europa lenkt, wird durch den Klimawandel träger und instabiler. Das begünstigt Omega-Blöcke, bei denen sich das Wetter über Wochen nicht bewegt. Auch für Mai gibt es diesbezüglich erste Prognosen.

Für Mitteleuropa bedeutet das: Wetterextreme könnten nicht mehr die Ausnahme, sondern die neue Normalität werden. Ob also frühsommerliche Wärme oder wochenlanger Regen – wir müssen uns darauf einstellen, dass sich das Wetter in Zukunft deutlich weniger schnell ändert. Und genau das mache diese Entwicklungen laut Jung so gefährlich. Er kritisiert deshalb auch Trumps Klimapolitik.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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