Russischer Marschflugkörper in Polens Luftraum

Nach Raketen-Eklat: Polen bestellt Putins Botschafter ein – der kommt einfach nicht

  • Michael Kister
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Nachdem ein russischer Marschflugkörper in seinen Luftraum eingedrungen war, bestellte Polen Putins Botschafter in Warschau ein. Der kam aber nicht.

Warschau – Eigentlich hätte Sergej Andrejew, der russische Botschafter in Polen, am Montag im polnischen Außenministerium zu einem Gespräch erscheinen sollen. Er sollte erklären, wieso ein russischer Marschflugkörper am 24. März in den polnischen Luftraum eingedrungen war. Ein Sprecher des Ministeriums teilte der polnischen Nachrichtenagentur PAP allerdings mit, dass Andrejew nie auftauchte. Man werde die diplomatische Note mit der Aufforderung, den Vorfall aufzuklären, nun auf einem anderen Weg an das russische Außenministerium überbringen.

Dabei sparte der Sprecher nicht an Kritik am Verhalten des diplomatischen Vertreters, dessen Pflichten eigentlich im Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen klar festgelegt seien. „Wir fragen uns, ob der Botschafter die Anweisungen des Außenministeriums in Moskau befolgt und ob er in der Lage ist, die Interessen der Russischen Föderation in Warschau ordnungsgemäß zu vertreten“, sagte er.

Sergej Andrejew, der russische Botschafter in Polen, ist trotz Einberufung nicht erschienen. Das Bild stammt vom 9. Mai 2023.

Marschflugkörper-Vorfall: Russischer Botschafter in Warschau bleibt Einbestellung fern

Der Marschflugkörper, der den Eklat auslöste, wurde von einem russischen Langstreckenflugzeug im Kontext des Ukraine-Kriegs abgeschossen. Er gehörte wohl zu den etwa 20 Waffen dieser Art, die in der Nacht zum Sonntag auf Ziele in der ukrainischen Region Lwiw abgefeuert wurden.

Der betreffende Marschflugkörper sei nach polnischen Angaben am 24. März um 4.23 Uhr in den Luftraum des Nato-Mitglieds Polen eingetreten. Dem Generalstab der polnischen Streitkräfte zufolge habe sich das Objekt in der Nähe des Dorfes Oserdow (Woiwodschaft Lublin) 39 Sekunden im polnischen Luftraum aufgehalten. 

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Polen: Marschflugkörper stand kurz vor dem Abschuss

Auch wenn es ihn dann wieder verließ und mutmaßlich über der ukrainischen Region Lwiw abgeschossen wurde, bezeichnete Polens Außenminister Radoslaw Sikorski den Vorfall als „absolut inakzeptabel“ und bestellte den Botschafter von Wladimir Putin ein. „Wir werden Erklärungen verlangen“, betonte Sikorski am Montagmorgen und kündigte zudem an, mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg über die Luftraumverletzung sprechen zu wollen.

Sein litauischer Amtskollege Gabrielius Landsbergis forderte unterdessen eine klare Botschaft an Russland, dass alle in den Nato-Luftraum eindringenden Raketen oder Drohnen abgeschossen werden. Von polnischer Seite hieß es in dieser Hinsicht, wäre der Marschflugkörper länger im eigenen Luftraum verblieben, hätte man ihn abgeschossen. Sowohl polnische als auch US-amerikanische F-16-Abfangjäger seien bereits aktiviert worden. (Michael Kister/dpa)

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