Russischer Marschflugkörper in Polens Luftraum
Nach Raketen-Eklat: Polen bestellt Putins Botschafter ein – der kommt einfach nicht
VonMichael Kisterschließen
Nachdem ein russischer Marschflugkörper in seinen Luftraum eingedrungen war, bestellte Polen Putins Botschafter in Warschau ein. Der kam aber nicht.
Warschau – Eigentlich hätte Sergej Andrejew, der russische Botschafter in Polen, am Montag im polnischen Außenministerium zu einem Gespräch erscheinen sollen. Er sollte erklären, wieso ein russischer Marschflugkörper am 24. März in den polnischen Luftraum eingedrungen war. Ein Sprecher des Ministeriums teilte der polnischen Nachrichtenagentur PAP allerdings mit, dass Andrejew nie auftauchte. Man werde die diplomatische Note mit der Aufforderung, den Vorfall aufzuklären, nun auf einem anderen Weg an das russische Außenministerium überbringen.
Dabei sparte der Sprecher nicht an Kritik am Verhalten des diplomatischen Vertreters, dessen Pflichten eigentlich im Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen klar festgelegt seien. „Wir fragen uns, ob der Botschafter die Anweisungen des Außenministeriums in Moskau befolgt und ob er in der Lage ist, die Interessen der Russischen Föderation in Warschau ordnungsgemäß zu vertreten“, sagte er.
Marschflugkörper-Vorfall: Russischer Botschafter in Warschau bleibt Einbestellung fern
Der Marschflugkörper, der den Eklat auslöste, wurde von einem russischen Langstreckenflugzeug im Kontext des Ukraine-Kriegs abgeschossen. Er gehörte wohl zu den etwa 20 Waffen dieser Art, die in der Nacht zum Sonntag auf Ziele in der ukrainischen Region Lwiw abgefeuert wurden.
Der betreffende Marschflugkörper sei nach polnischen Angaben am 24. März um 4.23 Uhr in den Luftraum des Nato-Mitglieds Polen eingetreten. Dem Generalstab der polnischen Streitkräfte zufolge habe sich das Objekt in der Nähe des Dorfes Oserdow (Woiwodschaft Lublin) 39 Sekunden im polnischen Luftraum aufgehalten.
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Polen: Marschflugkörper stand kurz vor dem Abschuss
Auch wenn es ihn dann wieder verließ und mutmaßlich über der ukrainischen Region Lwiw abgeschossen wurde, bezeichnete Polens Außenminister Radoslaw Sikorski den Vorfall als „absolut inakzeptabel“ und bestellte den Botschafter von Wladimir Putin ein. „Wir werden Erklärungen verlangen“, betonte Sikorski am Montagmorgen und kündigte zudem an, mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg über die Luftraumverletzung sprechen zu wollen.
Sein litauischer Amtskollege Gabrielius Landsbergis forderte unterdessen eine klare Botschaft an Russland, dass alle in den Nato-Luftraum eindringenden Raketen oder Drohnen abgeschossen werden. Von polnischer Seite hieß es in dieser Hinsicht, wäre der Marschflugkörper länger im eigenen Luftraum verblieben, hätte man ihn abgeschossen. Sowohl polnische als auch US-amerikanische F-16-Abfangjäger seien bereits aktiviert worden. (Michael Kister/dpa)
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