Reaktion auf Ukraine-Angriffe

Neue Drohungen aus Russland: Putins Propagandist sieht „Basis für Start eines Atomkriegs“

  • Victoria Krumbeck
    VonVictoria Krumbeck
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In einer russischen Fernsehsendung wird über den Einsatz von Atomwaffen gegen den Westen gesprochen. Ein Propagandist legitimiert die Möglichkeit.

Moskau – Mit der ukrainischen Gegenoffensive auf Kursk hat der Ukraine-Krieg eine neue Wendung genommen. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ist ein Teil Russlands besetzt. Erst nach mehreren Wochen startete Russland den Versuch, die von der Ukraine eroberten Teile des Landes zurückzugewinnen. Ein russischer Propagandist sieht in dem ukrainischen Vorgehen eine Basis, um mit einem Atomschlag zu antworten.

Neue Drohungen aus Russland nach Ukraine-Angriffen: Putin-Propagandist sieht „Basis für Atomkrieg“

Grundlage für diese Aussage war eine Diskussionsrunde im russischen Sender Rossija 1 mit dem Fernsehmoderator Wladimir Solowjow, die von Russian Media Monitor übersetzt und am 15. September auf YouTube veröffentlicht wurde. In der Sendung wurde über die ukrainische Gegenoffensive in Kursk gesprochen und darüber diskutiert, wie Russland reagieren würde, sollte die Ukraine mit einer Langstreckenrakete etwa ein Atomkraftwerk treffen.

Der russische Propagandist Wladimir Solowjow betont die Möglichkeit des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Atomwaffen einzusetzen.

Solowjow zitierte nach eigenen Angaben Wladimir Putins Worte, dass ein ukrainischer Angriff, der mit Langstreckenraketen durchgeführt wird, einen Krieg mit der Nato bedeuten würde. „Wenn Nato-Staaten Raketenangriffe gegen uns durchführen, wie antworten wir dann? Natürlich mit nuklearen Waffen“, sagte er. Unter Berufung auf die Nuklear-Doktrin Russlands sei bereits eine „Basis für den Start eines Atomkriegs“ vorhanden, wie der Fernsehmoderator sagte.

Putin-Propagandist rechtfertigt möglichen Atomwaffen-Einsatz – Nukleardoktrin vor Änderungen

In einer Diskussion mit dem Medienschaffenden Tigran Keossajan wurde Solowjow noch konkreter: „Sie sagen, dass alles nach Plan läuft. Entschuldigen Sie, aber die Nazi-Truppen sind in das Gebiet Kursk eingedrungen. Das ist nicht Teil des Plans. Wir haben eine klare und präzise Doktrin und wir handeln danach, einschließlich des Einsatzes von Atomwaffen.“ Der Propagandist benutzt dabei die vom Kreml verwendete und von der internationalen Gemeinschaft zurückgewiesene Behauptung, in Kiew würde ein Neonazi-Regime regieren.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Anfang des Monats kündigte Russland an, seine Nukleardoktrin zu ändern. Grund dafür seien die Entwicklungen im Ukraine-Krieg, wie der russische stellvertretende Außenminister Sergej Rjabkow der russischen Nachrichtenagentur Tass sagte. Das Dokument soll derzeit fertiggestellt werden, ein genauer Zeitpunkt sei jedoch noch nicht bekannt.

Kreml ändert Nukleardoktrin – Putin geht von keinem Atomkrieg aus

Putin soll zuvor erklärt haben, dass die russische Atomdoktrin ein „lebendiges Dokument [sei], das bei Bedarf geändert werden könne“, berichtete die Tass. Der russische Präsident soll jedoch auch betont haben, dass Moskau davon ausgehe, „dass es nie zu einem Atomkrieg kommen werde.“

Mit dem Einmarsch in Kursk wurde Moskau und Putins „rote Linie“ provoziert. Der Kreml hatte bereits mehre Male mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, sollte die Ukraine diese Linie überschreiten. Insbesondere der ehemalige Präsident Dmitri Medwedew drohte vor wenigen Tagen mit einer atomaren Vergeltung. (vk)

Rubriklistenbild: © Fotomontage Alexander Kazakov/dpa/Pavel Kashaev/IMAGO