Verluste im Ukraine-Krieg

Putins Verluste im Ukraine-Krieg setzen Russland unter Druck

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Wladimir Putin will den Ukraine-Krieg gewinnen – um jeden Preis. Auch erschreckend hohe Verluste toleriert er. Eine traurige Marke naht.

Moskau – Seit mehr als drei Jahren tobt in Europa der Ukraine-Krieg. Ein Ende ist nicht abzusehen. Daran ändern derzeit auch die direkten Gespräche zwischen den Kriegsparteien nichts. Militärisch ist die russische Armee seit Monaten an mehreren Frontabschnitten in der Ukraine auf dem Vormarsch. Doch der verläuft äußerst langsam und schleppend. Zudem zahlt Russland dafür einen hohen Preis. Denn die Vorstöße sind jeden Tag mit neuen Verlusten verbunden.

Wie viele Soldaten die russische Armee im Ukraine-Krieg verloren hat, ist unklar. Eigene Opferzahlen gibt die Politik in Russland nicht bekannt. Sie sind ein streng gehütetes Geheimnis. Dafür pflegt die Ukraine ihr eigenes Ritual: Seit Beginn des Kriegs veröffentlicht sie Tag für Tag neue Zahlen zu den russischen Verlusten. Damit sind immer getötete oder schwer verwundete Soldaten gemeint.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Kiew meldet jeden Tag Zahlen zu den Verlusten von Russland im Ukraine-Krieg

Die von Kiew präsentierten Zahlen sind immens hoch. Demnach nähern sich die russischen Verluste im Ukraine-Krieg der Marke von einer Million Soldaten, die bei Kampfhandlungen getötet oder schwer verwundet worden sein sollen. Das wäre ein verheerender Meilenstein. Die Angaben lassen sich unabhängig allerdings nicht überprüfen und sind mit äußerster Vorsicht zu genießen.

Dennoch werden diese Daten auch von anderer Seite genannt. So bestätigte der britische Geheimdienst Anfang Mai die Zahlen aus Kiew. Demnach soll die Zahl der russischen Verluste damals die Marke von 950.000 erreicht haben. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2025 dürften die Verluste bei Russland dieser Einschätzung zufolge bei etwa 160.000 Soldaten liegen.

Trotz immenser Verluste macht Russland im Ukraine-Krieg nur geringe Fortschritte

Bisher sei es Russland im Jahr 2025 aber nicht gelungen, die anhaltend hohen Verluste im Ukraine-Krieg in bedeutende Fortschritte an der Front umzumünzen, betonte der britische Geheimdienst in seiner Mitteilung. Tatsächlich erobert die Armee zwar immer wieder einzelne Dörfer, ein Durchbruch ist bisher jedoch nicht zu erkennen. Russlands Erfolge seien „militärisch, operativ gesehen, jämmerlich“, sagte Brigadegeneral a.D. Klaus Wittmann am 23. Mai in einem Interview mit n-tv.

Laut BBC haben russische Oppositionsmedien auch konkrete Zahlen hierfür berechnet: Demnach hat die russische Armee im Jahr 2024 insgesamt 4168 Quadratkilometer erobert. Das bedeutet, dass jeder eroberte Kilometer 27 russische Soldaten das Leben gekostet hat, die Verwundeten nicht mitgerechnet.

Die Kämpfe im Ukraine-Krieg dauern an – die Verluste steigen von Tag zu Tag. (Archivbild)

Neue Daten zu Russlands Verlusten im Ukraine-Krieg: Fast 110.000 tote Soldaten verifiziert

Zahlen zu den russischen Verlusten werden auch vom russischsprachigen Dienst der britischen Rundfunkanstalt BBC und dem unabhängigen russischen Nachrichtenportal Mediazona veröffentlicht. Nach der letzten Aktualisierung vom 23. Mai konnten inzwischen 109.625 getötete Soldaten namentlich verifiziert werden.

Diesen Daten liegen verifizierte, öffentlich verfügbare Quellen zu Grunde. Darunter fallen Social-Media-Posts von Familienmitgliedern, lokale Nachrichtenberichte und offizielle Ankündigungen regionaler Behörden. Da nicht jeder Militärtod öffentlich bekannt wird, dürften die Verluste für die Armee von Wladimir Putin noch deutlich höher sei.

Schätzungen zu Russlands Verlusten im Ukraine-Krieg im Überblick

  • 950.000 Tote und Verwundete (Britischer Geheimdienst, 3. Mai)
  • 109.625 Tote namentlich identifiziert (Mediazona, 23. Mai)
  • 191.000 bis 269.000 Tote (BBC News Russland, 30. Mai)
  • 990.800 Tote und Verwundete (Generalstab der Ukraine, 3. Juni)

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Donald Trump fordert wegen der hohen Verluste im Ukraine-Krieg eine Waffenruhe

Schon vor seinem Amtsantritt hatte sich auch Donald Trump zu den Verlusten im Ukraine-Krieg geäußert. Der Republikaner sprach davon, dass „fast 600.000 russische Soldaten verwundet oder tot“ seien. Trump forderte damals eine sofortige Waffenruhe.

Nach dem Beginn seiner zweiten Amtszeit war er dann zunächst deutlich auf Russland zugegangen – und hatte Gespräche in Saudi-Arabien auf den Weg gebracht. Kreml-Chef Putin hat aber einem Vorschlag für eine bedingungslose Waffenruhe bisher eine Absage erteilt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte dazu, dass Putin den Krieg nicht beenden wolle: „Er will uns komplett zerstören.“ (cs)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire | Madeleine Kelly

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