Hilfen für Kiew im Ukraine-Krieg

Querschüsse im Taurus-Streit: Großbritannien würde Merz wohl stützen

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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CDU-Chef Merz hat die Debatte über deutsche Taurus-Lieferungen an die Ukraine wieder angestoßen, und zwar auch in London.

London – Deutschland ist in Europa der wichtigste militärische Unterstützer der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland. Doch Taurus-Marschflugkörper hat sie bisher nicht bekommen. Die Ukraine fordert sie, der geschäftsführende Kanzler Olaf Scholz (SPD) verweigert sie.

Taurus-Debatte im Ukraine-Krieg: Reaktion aus Großbritannien auf Merz‘ Vorstoß

Sein voraussichtlicher Nachfolger Friedrich Merz (CDU) hat kürzlich einen Taurus-Vorstoß gemacht, und die hitzige Debatte entfachte erneut. Laut einem Bericht stünde London dabei aber hinter Merz.

Wie The Telegraph meldete, würde die britische Regierung eine mögliche deutsche Entscheidung unterstützen, Taurus-Raketen in die Ukraine zu schicken. Die britische Zeitung berief sich in ihrem Bericht (16. April) auf Aussagen eines nicht namentlich genannten britischen Außenpolitikers.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Merz will Taurus an die Ukraine liefern – Großbritannien begrüßt das angeblich

The Telegraph zitierte auch einen „hochrangigen Funktionär“ aus der CDU mit der Einschätzung, dass britische Unterstützung für Merz‘ Vorstoß hilfreich sein könnte, „um Deutschland endlich davon zu überzeugen, den Taurus zu liefern“. Derartige Rückendeckung werde bei den deutschen Christdemokraten „sehr begrüßt“.

Hätte bei Taurus-Lieferungen an Kiew die Regierung in London angeblich hinter sich: Fast-Kanzler Friedrich Merz

Merz offen für Taurus-Lieferungen – Koalitionspartner SPD „schon immer dagegen“

Mögliche Taurus-Lieferungen an die Ukraine bleiben zwischen Union und SPD – der neuen Koalition – allerdings höchst umstritten. „Wir waren ja immer schon auch dagegen“, sagte SPD-Generalsekretär Matthias Miersch erst am Mittwoch (16. April) den Sendern RTL/ntv.

Miersch verwies auf die Beschlusslage in der SPD-Bundestagsfraktion. „Ich gehe davon aus, dass wir hier nicht zu einer Eskalation beitragen wollen, dass wir nicht Kriegspartei werden wollen“, bekräftigte er bisherige Bedenken der Sozialdemokraten. Dies seien „Gründe, die dazu geführt haben, dass wir Taurus nicht geliefert haben. Und davon gehe ich auch aus, dass es so bleibt“.

Friedrich Merz: Bierdeckel, Blackrock und schließlich Bundeskanzler

Friedrich Merz wurde am 11. November 1955 in Brilon geboren.
Luftbild des Gymnasiums Petrinum in Brilon, wo Friedrich Merz seine Schulzeit verbrachte und 1975 das Abitur ablegte.
Friedrich Merz studierte unter anderem an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Jura.
Friedrich Merz leistet seinen Wehrdienst von Juli 1975 bis September 1976 bei der Artillerietruppe der Bundeswehr in Kusel.
Friedrich Merz: Bierdeckel, Blackrock und schließlich Bundeskanzler

Bereitschaft von Merz zu Taurus-Lieferungen an Ukraine sorgt für Debatten

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) habe zuletzt noch mal betont, dass bei dieser Entscheidung auch Erkenntnisse, die im Geheimhaltungsbereich liegen, eine Rolle spielten, sagte Miersch weiter. „Ich gehe davon aus, dass Friedrich Merz, wenn er vollumfassend in Kenntnis gesetzt wird von den Diensten, dass er dann noch mal sehr deutlich abwägt“, fügte der SPD-Generalsekretär hinzu. Im Anschluss würden Union und SPD dann gemeinsam eine Entscheidung treffen, kündigte er an.

Positiv zu den Worten von Merz äußerte sich auch der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev. „Taurus ist ein tolles System, weit überlegen den russischen Systemen“, sagte er dem TV-Sender Welt. „Und unsere Militärs werden bestimmt eine gute Anwendung dafür finden“, fügte er mit Blick auf den Ukraine-Krieg hinzu.

CDU-Chef Merz hatte zuvor Taurus-Lieferungen in Aussicht gestellt. Er hatte dabei darauf verwiesen, dass Großbritannien und Frankreich bereits Marschflugkörper an die Ukraine geliefert hätten. Gleichzeitig betonte Merz, er werde Taurus „nur in Abstimmung mit den europäischen Partnern“ liefern. (frs mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Ralf Hirschberger/AFP