Flugzeuge gegen Putin

Nato-Kommandeur sicher: F-16-Kampfjets sind erster Ukraine-Schritt zu „westlicher Doktrin“

  • Patrick Mayer
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Die Ukraine hat erste F-16-Kampfjets zur Verteidigung gegen Russland bekommen. Laut eines US-Generals geht es für Kiew auch darum, sich Nato-Standards anzunähern.

Kiew - Im Ukraine-Krieg steht dieses Thema ganz weit oben auf der nachrichtlichen Agenda: Die Lieferung erster F-16-Kampfflugzeuge an die durch das Moskau-Regime angegriffene Ukraine.

F-16-Kampfjets für die Ukraine: Nato teilt mit Kiew Waffentechnik

Die ersten Exemplare wurden mittlerweile an die ukrainischen Streitkräfte übergeben. Die Propaganda aus Russland verbreitete sogleich Fake News, während ein Bundeswehr-General erklärte, was es zum Einsatz der F-16-Kampfjets seitens der Ukrainer jetzt braucht.

Wenn es nach einem hochrangigen General der U.S. Air Force und der Militärallianz Nato geht, sind die jüngsten Kampfflugzeug-Lieferungen ein erheblicher Schritt für Kiew, sich mit Blick auf die Zukunft militärisch an das transatlantische Verteidigungsbündnis anzunähern. Und zwar, wenn es um den operativen Einsatz der Waffentechnik geht.

F-16-Kampfjets aus Dänemark, wie sie die Ukraine vom skandinavischen Land erhält. (Symbolfoto)

US-General zum Ukraine-Krieg: Luftüberlegenheit Russlands bröckelt

Schließlich will die Ukraine unbedingt in die Nato, um ihre staatliche Souveränität zu schützen. „Ich denke, das Wichtigste hier ist, dass dies ein Anfang ist, die Ukraine an westliche Ausrüstung, westliche Taktiken, westliche Doktrin und westliches Denken heranzuführen“, sagte US-General James B. Hecker internationalen Reportern zufolge beim Royal International Air Tattoo, der größten Militär-Airshow Europas im englischen Fairford. Er meinte laut des Online-Portals Aviation Week: „Das passiert nicht über Nacht. Aber man muss damit anfangen, und wir sind ziemlich nah dran.“

Hecker ist ein General der United States Air Force, der seit dem 27. Juni 2022 als Kommandant der United States Air Forces in Europe, United States Air Forces Africa und bei der Allied Air Command wirkt. Er ist somit auch ein hochrangiger Kommandogeber in der militärischen Zusammenarbeit der Nato. Heckers Einschätzung zufolge werden die durch Nato-Mitglieder in den vergangenen Monaten ausgebildeten ukrainischen Piloten nicht innerhalb weniger Wochen eine Luftüberlegenheit gegen die Invasionsarmee des Kreml-Autokraten Wladimir Putin erreichen. „Es wird ein Prozess sein, den wir durchlaufen werden, aber zumindest fangen wir an“, sagte er bei der militärischen Flugschau westlich von Oxford.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

F-16-Kampfjets von der Nato: Ukraine soll jetzt die Logistik aufbauen

Bei dieser Eingewöhnung der Ukrainer an den Einsatz der F-16-Kampfjets soll es laut Hecker zum Beispiel insbesondere darum gehen, wie sie die Logistik für die Flugzeuge in Kriegszeiten wirkungsvoll aufziehen und umsetzen können. Auch das Zusammenspiel zwischen Kampfflugzeugen als Luftunterstützung und den Landstreitkräften am Boden dürfte ein zentraler Punkt sein.

Bei der letztlich gescheiterten ukrainischen Gegenoffensive im Sommer 2023 war ein hauptsächlicher Kritikpunkt, dass es eben jene Luftunterstützung kaum oder nur unzureichend gab. Das Zusammenwirken verschiedener Streitkräfte-Gruppen gilt indes als ein wesentliches Merkmal jener westlichen Militär-Doktrin, die er beschrieb.

Ukraine erhält F-16-Kampfflugzeuge: Piloten kämpfen mit Su-24, Su-25 und Su-27

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte im Mai der Nachrichtenagentur AFP gesagt, die Ukraine benötige rund 130 F-16-Kampfflugzeuge, um ein Kräftegleichgewicht mit Putins Luftstreitkräften zu erreichen. Die westlichen Verbündeten haben den Ukrainern bislang weniger als 100 Kampfjets für die Verteidigung gegen die russischen Luftangriffe zugesagt. Neben den Niederlanden liefern Belgien, Norwegen und Dänemark F-16-Kampfjets und kümmern sich um die Ausbildung der ukrainischen Piloten.

Laut Ukrainska Prawda erwägt nun auch Griechenland die Lieferung von 32 älteren F-16-Kampfflugzeugen, die als einstrahliges Mehrzweckkampfflugzeug erstmals 1978 durch die USA in Dienst gestellt wurden. Die ukrainischen Luftstreitkräfte müssen bei der Verteidigung ihres überfallenen Landes bislang auf wenige Dutzend Frontbomber Suchoi Su-24, Erdkampfflugzeuge Su-25 und Luftüberlegenheitsjäger Su-27 setzen. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Björn Trotzki