„Ist in erster Linie erforderlich“

Bundeswehr-General erklärt, was die Ukraine jetzt schnell für den Einsatz von F-16-Kampfjets braucht

  • Patrick Mayer
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Die ukrainische Armee bekommt erste F-16-Kampfjets der Nato. Ein Bundeswehr-General kündigt die nächste Waffen-Lieferung an. Und er ordnet ein, was Russland wohl vorhat.

Kiew - Das Thema ist im Ukraine-Krieg omnipräsent: Die Kampfflugzeuge, die die Ukraine in diesen Tagen gegen die Luftangriffe durch Russland von der partnerschaftlich verbundenen Verteidigungsallianz Nato ausgehändigt bekommt.

F-16-Kampfjets für die Ukraine: Russland reagiert auf Waffen-Lieferungen

Ein russisches Unternehmen hat prompt ein Kopfgeld für den Abschuss der F-16-Kampfjets ausgelobt. Und: Die russische Propaganda hat sogleich Fake News zu den F-16 in den Sozialen Netzwerken verbreitet. Und: Wie die Ukrainska Prawda am Mittwoch (17. Juli) mit Verweis auf den Nachrichtenkanal Al Jazeera schrieb, plant nun angeblich auch Griechenland die Lieferung von 32 zusätzlichen F-16-Kampfflugzeugen aus seinen Beständen.

Es ist viel Bewegung drin im Thema. Christian Freuding, Generalmajor des Heeres der Bundeswehr und Leiter des Lagezentrums Ukraine, hat bereits kürzlich erklärt, was Kiew jetzt braucht, damit die Kampfjet-Lieferungen ihre volle militärische Wirkung gegen die völkerrechtswidrigen Luftangriffe durch das Moskau-Regime entfalten können.

Zwei Kampfflugzeuge der dänischen Luftwaffe vom Typ Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon. Genau solche Jets gehen an die Ukraine.

F-16-Lieferungen an die Ukraine: Russische Angriffe auf Militär-Flugplätze?

„Es gibt noch einiges zu tun, was infrastrukturelle Voraussetzungen anbelangt. Was planerische Voraussetzungen anbelangt. Was die gesamte, ich nenne es mal, Architektur eines Luftwaffen-Einsatzes anbelangt. Bevor wir diese F-16 tatsächlich wirksam über dem ukrainischen Himmel sehen werden“, erklärte Freuding der ZDF-Sendung „heute update“: „Wir hoffen, dass sie (die F-16-Kampfflugzeuge, d. Red.) dann sehr schnell dazu beitragen können, dass der Himmel über der Ukraine wieder den Ukrainern gehört.“ Freuding wurde weiter gefragt, wie die ukrainischen Streitkräfte sich gegen zu erwartende russische Attacken gegen ihre F-16-Staffeln verteidigen können.

„Das ist abhängig davon, wie jetzt die Infrastruktur für die F-16 gestaltet wird. Die muss natürlich in erheblichem Maße geschützt werden. Ich gehe davon aus, dass man noch Flugplätze und Ausweichflugplätze in der Ukraine aufbauen wird und diese dementsprechend schützen wird“, erklärte der Bundeswehr-General: „Dass man Flugzeuge schnell verlegen wird, um das Risiko einer Zerstörung der Flugzeuge zu minimieren. Weil eins ist klar: Das wird natürlich ein Hauptziel der russischen Angriffsbemühungen sein.“ Freuding geht demnach davon aus, dass die Ukrainer Behelfslandebahnen anlegen werden – zum Beispiel auf Autobahnen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Waffen für die Ukraine: Nato will Kiew weitere Flugabwehr-Systeme liefern

Ferner hatte Kiew bereits angekündigt, einen Teil der ukrainischen F-16-Kampfjets im nahen Ausland lagern zu wollen, um sie russischem Feuer zu entziehen. Damit nicht genug: „Zum Brechen der russischen Luftüberlegenheit ist in erster Linie die Stärkung der Luftverteidigung erforderlich“, meinte der deutsche Offizier Freuding im ZDF: „Wir haben in der vergangenen Woche unser drittes Patriot-System (aus Deutschland, d. Red.) an die ukrainischen Streitkräfte übergeben. Dazu gehört auch ein Lenkflugkörper-Paket von über 100 Lenkflugkörpern.“

Er bekräftigte: „Alleine aus Deutschland werden in diesem Jahr noch mehrere IRIS-T SLM und SLS-Systeme kommen, also für die mittleren und kurzen Reichweiten.“ Andere Nato-Partner hätten „Flugabwehrwaffen kurzer Reichweite zugesagt. Wir werden auch in diesem Jahr nochmal Flugabwehrkanonenpanzer des Typs Gepard zur Verfügung stellen. All das hilft, die ukrainische Luftverteidigungsarchitektur so zu stärken, dass sie sich (die Ukraine, d. Red.) gegen diese Angriffe wehren kann“, sagte der 52-jährige Oberpfälzer in dem Interview.

Leiter des Lagezentrums Ukraine: Christian Freuding, Generalmajor des Heeres der Bundeswehr.

Kampfflugzeuge für die Ukraine: Kiew erhält fast 100 F-16 aus der Nato

In den zwei jüngsten Militärpaketen aus Deutschland für die Ukraine waren zwischen Mitte Juni und Mitte Juli ein zusätzliches Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM (zuvor drei) sowie ein weiteres Luftabwehrsystem IRIS-T SLS (vorher eines), um kritische Infrastruktur und Städte zu schützen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte im Mai der Nachrichtenagentur AFP gesagt, die Ukraine benötige darüber hinaus rund 130 F-16-Kampfflugzeuge, um ein Kräftegleichgewicht mit Putins Luftstreitkräften zu erreichen. Die westlichen Verbündeten haben den Ukrainern bislang weniger als 100 Kampfjets für die Verteidigung gegen die russischen Luftangriffe zugesagt. Neben den Niederlanden liefern Belgien, Norwegen und Dänemark F-16-Kampfjets. (pm)

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