Ukraine-Krieg

Ukraine warnt: Russland soll „False Flag”-Operation am AKW Saporischschja planen

  • Erkan Pehlivan
    VonErkan Pehlivan
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Russland soll angeblich Angriffe auf das AKW in Saporischschja planen und die Schuld den Ukrainern zuschieben. Kiew warnt vor einer atomaren Katastrophe.

Kiew – Die ukrainische Militärführung befürchtet in den kommenden Tagen in dem von russischen Truppen besetzten Atomkraftwerk Saporischschja eine sogenannte Operation unter falscher Flagge. Die Verantwortung für die nicht näher beschriebenen Aktion solle der Ukraine anschließend in die Schuhe geschoben werden, schrieb der Generalstab in Kiew am Sonntag (14. April) auf Facebook.

„Russland ist der einzige Terrorist auf der Welt, der ein Kernkraftwerk als Geisel hält und es benutzt, um die Ukraine und die ganze Welt zu erpressen.“ Niemand außer Russland habe die Welt jemals so nahe an den Rand einer vorsätzlichen atomaren Katastrophe gebracht, hieß es.

Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig Angriff auf AKW vor

Das mit einer Leistungsfähigkeit von knapp sechs Gigawatt potenziell größte Atomkraftwerk Europas wurde kurz nach Beginn von Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine von russischen Truppen besetzt – und später vermint. Mehrfach geriet es unter Beschuss, worauf international die Sorge vor einem Atomunglück stieg. Beide Kriegsparteien werfen einander immer wieder vor, einen Vorfall am AKW provozieren zu wollen. Alle sechs Reaktoren sind inzwischen im Kaltzustand.

IAEA und UNESCO besorgt über AKW in Saporischja

In dem seit über zwei Jahren anhaltenden Ukraine-Krieg wurde das von russischen Truppen kontrollierte Atomkraftwerk immer wieder durch Granaten und mit Drohnen angegriffen. Russland und die Ukraine machen sich immer wieder gegenseitig Vorwürfe, die Angriffe durchgeführt zu haben. „Zum ersten Mal seit November 2022 war Europas größtes Kernkraftwerk direkt Ziel einer Militäraktion“, warnte die Internationale Atomenergieagentur IAEA am 7. April. „Solche rücksichtslosen Angriffe erhöhen das Risiko eines schweren nuklearen Unfalls erheblich und müssen sofort eingestellt werden“, sagte damals IAEA-Direktor Rafael Mariano Gross.

Das AKW in Saporischschja war öfter Ziel von Angriffen.

Auch die UNESCO ist wegen der Lage in Saporischja besorgt. Beim Institut für Sicherheitsprobleme von Kernkraftwerken seien wesentliche Instrumente für die Überwachung der Atomindustrie gestohlen oder zerstört worden. Das stelle eine große Bedrohung für die Sicherheit in der Region dar, warnt die UNESCO.

Selenskyj verärgert über westliche Technologie in russischen Waffen

Unterdessen verstärkt Russland die Angriffe auf das Nachbarland. In der Ukraine schlagen immer mehr Raketen und Kampfdrohnen mit eigentlich unter Sanktionen fallenden Bauteilen aus dem Westen ein. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj fordert daher eine konsequentere Umsetzung der Sanktionen gegen Russland, um die Angriffe des Nachbarstaats zu stoppen. „Leider ist die Hilfe für die Ukraine immer noch begrenzt, und der russische Staat hat immer noch Zugang zu wichtigen Komponenten, die für die Herstellung von Raketen und Drohnen benötigt werden“, sagte der Präsident am Sonntag in seiner abendlichen Videoansprache.

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Jede Rakete, die die Ukraine treffe, enthalte viele Chips oder Elektronik, die Russland aus dem Ausland beziehe und über Nachbarstaaten einführe. „All das muss und kann gestoppt werden: die Duldung von Terror, die Fähigkeit der Terroristen, Verbündete in der ganzen Welt zu finden, und der russische Terror selbst – alle seine Erscheinungsformen.“

Ukraine braucht Unterstützung gegen russische Luftangriffe

Der ukrainische Präsident forderte vom Westen zudem mehr Unterstützung beim Kampf gegen die russischen Luft- und Raketenangriffe und verwies auf die weitgehend erfolgreiche Abwehr der iranischen Angriffe auf Israel in der Nacht zum Sonntag. „Die ganze Welt sieht, was echte Verteidigung ist, und sie sieht, dass sie möglich ist“, sagte Selenskyj. Die Welt habe auch gesehen, dass Israel bei der Verteidigung nicht allein war und von Verbündeten unterstützt wurde. „Und wenn die Ukraine sagt, dass ihre Verbündeten nicht die Augen vor den russischen Raketen und Drohnen verschließen sollten, dann bedeutet das, dass sie handeln müssen, und zwar mit Nachdruck.“ Je länger die Hilfe auf sich warten lasse, desto mehr Zuversicht gewinne das russische Militär, warnte Selenskyj. (erpe/dpa/AFP)

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