Nach Kriegsdrohung an die Nato

Starmer rudert nach Putin-Drohung zurück – Storm-Shadows für Ukraine auf der Kippe

  • VonLisa Mahnke
    schließen

Der britische Premier Starmer lehnt Putins Warnung ab. Er wolle keine Eskalation. Bei einem Besuch in den USA geht es um die Waffenfreigabe.

Washington, D. C. – Der britische Premierminister Keir Starmer hat eine Warnung von Russlands Präsident Wladimir Putin entschieden zurückgewiesen. Putin hatte behauptet, dass die Freigabe westlicher Waffen mit hoher Reichweite für Angriffe auf russisches Gebiet einer Kriegsbeteiligung der Nato gleichkomme. Starmer widersprach dieser Interpretation auf dem Weg nach Washington deutlich.

„Die Ukraine hat ein Recht auf Selbstverteidigung“, dieses Recht unterstütze Großbritannien voll und ganz und biete in diesem Kontext Ausbildungsmöglichkeiten an, so der Premier. „Aber wir suchen keinen Konflikt mit Russland – das ist nicht im Geringsten unsere Absicht“. Bei seinem Besuch in den USA am Freitag (13. September) soll auch die Waffenfreigabe diskutiert werden.

Putin droht der Nato mit Konsequenzen.

USA offen für Freigabe von ATACMS – Großbritannien zögert nach Putin-Drohung

Washington signalisierte bereits, dass sie die Ukraine-Hilfen anpassen könnten. Der US-Außenminister Antony Blinken gab an: „Wir werden nachjustieren, wir werden uns anpassen, wenn es nötig ist, auch im Hinblick auf die Mittel, die der Ukraine zur Verfügung stehen.“ Womöglich könnte das Gespräch also der Ukraine ihren ersehnten Wunsch erfüllen, Storm-Shadow-Raketen und ATACMS der USA freier nutzen zu dürfen. Dafür gab es auch bei einem vorherigen Gespräch in den USA mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Indizien.

Großbritannien wirkte in den kürzlichen Aussagen des Premiers eher zurückhaltend, obwohl in der Vergangenheit bereits grünes Licht für die freie Waffennutzung gegeben wurde. Es gab jedoch Spekulationen, dass es sich dabei nicht um eine offizielle Freigabe hielt. Während einige Nato-Staaten wie Polen zu einer solchen Freigabe drängen, ist in anderen Staaten wie auch in Deutschland die Angst vor einer Eskalation groß. Die Storm-Shadow-Raketen könnten mit ihrer Reichweite von 250 Kilometern tief ins russische Gebiet eindringen. Starmer erklärte weiter, dass Russland illegal in die Ukraine einmarschiert sei und dass Russland den Krieg mit einem Rückzug sofort beenden könne.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Russland reagiert auf Starmers Aussagen: Spionagevorwurf bei britischen Diplomaten

Die Reaktion von Starmer gefiel dem russischen Staatschef wohl nicht, denn Russland wies nun sechs britische Diplomaten wegen angeblicher Spionage aus. Das teilte zunächst der russische Inlandsgeheimdienst FSB mit, was unüblich ist. Demnach verfüge der FSB über Dokumente, die Anzeichen für Spionage und umstürzlerische Aktivitäten geben würden. Erst nach der Bekanntgabe des FSB äußerte sich das russische Außenministerium als eigentlicher Ansprechpartner.

Putin hatte zuvor erklärt, dass die Nutzung von weitreichenden westlichen Waffen auf russischem Territorium bedeuten würde, „dass die Länder der Nato, die USA, die europäischen Länder mit Russland kämpfen“. Er gab an, „entsprechende Entscheidungen“ als Reaktion zu treffen, nannte allerdings keine Details. Es ist bei weitem nicht die erste Drohung in dem sowieso angespannten Verhältnis zwischen Moskau und London. (dpa/lismah)

Rubriklistenbild: © Maxim Shemetov/dpa