Leichtes Ziel für Putins Truppen?

Wo F-16-Kampfjets für Ukraine stationieren? Russland droht dem Westen bereits

  • Momir Takac
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Zum Schutz vor russischen Angriffen plant die Ukraine, einige F-16-Kampfjets im Ausland zu stationieren. Die USA sind dagegen.

Kiew/Washington, D.C. – Die Anzeichen verdichten sich, dass die Ukraine in ihrem Verteidigungskrieg gegen Russland schon bald auf F-16-Kampfjets westlicher Verbündeter zurückgreifen kann. In diesem Zusammenhang kursiert seit Längerem die Frage, wie die Maschinen am besten vor den Truppen von Kremlchef Wladimir Putin geschützt werden können.

Diesbezüglich machte der Brigadegeneral der ukrainischen Luftstreitkräfte, Sergey Golubtsov, einen bemerkenswerten Vorschlag. „Es gibt eine bestimmte Anzahl von Flugzeugen, die auf sicheren Luftwaffenstützpunkten außerhalb der Ukraine gelagert werden, sodass sie hier nicht ins Visier genommen werden“, sagte Golubtsov im Interview mit Donbas.Realities, einem Nachrichtenprojekt von Radio Liberty. Diese Maschinen sollten auch als Backup dienen, falls im Einsatz befindliche Kampfjets repariert oder gewartet werden müssen.

Ein Kampfjet vom Typ F-16 der dänischen Luftwaffe startet im Rahmen einer großangelegten Übung zahlreicher Kampfflugzeuge aus mehreren Nato-Staaten auf der US-Airbase Ramstein.

USA: F-16-Kampfjets werden in der Ukraine stationiert

Wo genau die vom Westen gelieferten F-16 stationiert werden sollen, ließ Golubtsov offen, doch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dürften es Nato-Länder sein. Prompt folgte aus Russland die Drohung, auch Luftwaffen-Stützpunkte außerhalb der Ukraine angreifen zu können. „Wenn sie [F-16-Kampfjets, Anm. d. Red.] von den Flugplätzen eines anderen Landes starten, in den ukrainischen Luftraum fliegen, Raketen abschießen und dorthin zurückkehren, dann ist das ein legitimes Ziel“, sagte Andrei Kartapolow, Chef des Verteidigungskomitees des russischen Parlaments, der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti.

Doch genau das scheinen die USA nicht riskieren zu wollen. Der Sicherheitsberater von Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, widersprach jetzt dem Vorschlag Golubtsovs „Der Plan ist, die F-16 in der Ukraine zu stationieren. Und das bilaterale Sicherheitsabkommen, das der Präsident [Biden] und Präsident Selenskyj unterzeichnet haben, unterstreicht den Punkt, dass wir der Ukraine helfen wollen, diese Fähigkeit zu erlangen. Es sollte eine Fähigkeit sein, die sich in der Ukraine befindet“, sagte Sullivan dem US-Fernsehsender PBS.

Ukraine-General erwartet verstärkten Beschuss von F-16-Stützpunkten

Golubtsov erwartet, dass Putins Truppen verstärkt Stützpunkte in der Ukraine angreifen werden, wo F-16 stationiert sind. „Die Flugplätze, auf denen wir derzeit unsere Flugausrüstung haben, werden fast jede Nacht von Dutzenden Drohnen angegriffen. Dort fliegen viele Marschflugkörper“, erklärte der Bridageneral. Deshalb sei eine starke Luftverteidigung wichtig.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Golubtsov zufolge benötige die ukrainische Armee je Flugplatz mindestens zwei Patriot-Flugabwehrsysteme, zwei NASAMS-Systeme, welche die Patriots schützen, sowie mehrere Flugabwehrkanonenpanzer vom Typ Gepard zur „direkten Deckung“. Die deutschen Panzer haben im Ukraine-Krieg ihre Wirksamkeit gegen Marschflugkörper und Shahed-Drohnen bewiesen. „Dies ist der minimal erforderliche aktive Schutz“, so der General. (mt)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa