Land bittet Nato und EU um Hilfe

Schlimmste Unwetter seit 30 Jahren – 57 Feuerwehr-Einsätze in einer Nacht in Slowenien

  • Michaela Ebert
    VonMichaela Ebert
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Massive Regenfälle haben in Österreich und Slowenien zu heftigen Überschwemmungen geführt. Der Katastrophenschutz ist im Einsatz. Es drohen Erdrutsche.

  • Evakuierung nach Dammbruch in Slowenien. Hunderte Menschen werden aus Sorge vor Erdrutschen in Sicherheit gebracht. Der Katastrophenschutz ist im Einsatz und versorgt von der Außenwelt abgeschnittene Dörfer.
  • Überschwemmungen sorgt in Slowenien wohl für die größten Schäden einer Naturkatastrophe seit mehr als 30 Jahren.
  • Am Montag ist nur wenig Besserung in Sicht: Die Erdrutschgefahr bleibt akut.

Sintflutartige Regenfälle und Unwetter haben Slowenien und Österreich hart getroffen: Die Regenmassen haben am Freitag zu heftigen Überschwemmungen geführt. Auch am Wochenende gibt es keine Entwarnung: Straßen und Unterführungen stehen unter Wasser, Brücken und Häuser sind eingestürzt. Ganze Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten. Dazu kommt: Es drohen weitere Überschwemmungen und gefährliche Erdrutsche am Sonntag. 

Nach Angaben von Ministerpräsident Robert Golob sind zwei Drittel Sloweniens vom Hochwasser betroffen. Es seien die größten Schäden einer Naturkatastrophe seit mehr als drei Jahrzehnten im Adria-Land. Mindestens vier Menschen starben. 

Überschwemmungen in Österreich und Slowenien: Bilder zeigen Ausmaß der Zerstörung

Überschwemmungen in Slowenien
Überschwemmungen in SlowenienWo das Wasser nach den Überschwemmungen in Slowenien zurückgeht, bleiben vielerorts Schlammmassen zurück.
Blockierte Straßen und umgestürzte Bäume erschweren die Arbeiten von Einsatz- und Rettungskräften.
Überschwemmungen in Österreich
Überschwemmungen in Österreich und Slowenien: Bilder zeigen Ausmaß der Zerstörung

57 Einsätze in der Nacht auf Montag: Slowenien kämpft weiter gegen Überschwemmungen

Update, 9:15 Uhr: Auch am Montag kämpft Slowenien weiter mit den Folgen der bisher schlimmsten Naturkatastrophe in der Geschichte des seit 1991 unabhängigen Landes. Nach den starken Regenfällen Ende vergangener Woche stehen weiterhin Gebiete in den Tälern der Flüsse Save, Drau und Mur unter Wasser, wie die Nachrichtenagentur STA berichtet.

Blanke Verwüstung: Einsatzkräfte verzeichnen allein in der Nacht auf Montag in Slowenien 57 Einsätze aufgrund der Überschwemmungen.

In der Nacht verzeichneten die Feuerwehren insgesamt 57 Einsätze, vor allem in der Umgebung der Städte Murska Sobota und Slovenj Gradec im Norden des Landes. Am Morgen rechnet die slowenische Umweltagentur Arso mit nur noch wenigen Niederschlägen.

Der Wasserstand der Mur begann am Sonntagabend bei Gornja Radgona an der Grenze zu Österreich zu sinken. Wegen der durchnässten Böden blieb jedoch noch die Gefahr von Erdrutschen bestehen. Außerdem begannen Aufräum- und Reinigungsarbeiten im großen Stil.

Nach Überschwemmungen: Slowenien bittet EU und Nato um Hilfe

Update, 8:24 Uhr: Angesichts der verheerenden Überschwemmungen und Erdrutsche der letzten drei Tage hat Slowenien die EU und die Nato am Sonntag um technische Hilfsgüter zur Beseitigung der Schäden gebeten. Das berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA unter Berufung auf die Regierung.

Am Vortag hatte Ministerpräsident Robert Golob die Überschwemmungen als größte Naturkatastrophe der letzten drei Jahrzehnte in dem EU- und Nato-Land bezeichnet und den Gesamtschaden auf mehr als 500 Millionen Euro geschätzt. Beschädigt wurden Straßen, Eisenbahnen, Brücken, Kanalisationssysteme und Gebäude.

Auch am Montag keine Entwarnung: Hangrutschgefahr in Österreich

Update am Montag, 8:09 Uhr: Nach den schweren Regenfällen Ende vergangener Woche besteht im Süden Österreichs weiter große Gefahr von Hangrutschen. In St. Veit an der Glan nördlich von Klagenfurt in Kärnten mussten am Sonntagabend zehn Bewohner ihre Häuser verlassen, weil der Hang dahinter abzurutschen drohte.

Großteil Sloweniens von Hochwasser betroffen: Warnung vor Erdrutschen – Evakuierung nach Dammbruch

Update am Sonntag, 12:15 Uhr: Nicht nur in Österreich, auch in Slowenien ist die Sorge groß wegen möglicher Erdrutsche. Die hohe Bodenfeuchtigkeit mache Erdrutsche derzeit wahrscheinlicher, warnte der Geologische Dienst Sloweniens nach Angaben der slowenischen Nachrichtenagentur „STA“ am Sonntag. Er rief die Bevölkerung auf, stärker auf Veränderungen am Boden, an Gebäuden und an Hängen zu achten.

Allein in der Nacht zum Sonntag war der Katastrophenschutz in Slowenien 230 Mal im Einsatz, in insgesamt 186 Orten. Mehrere Dörfer sind in Slowenien seit Freitag von der Außenwelt abgeschnitten. Die Bewohner wurden teils per Hubschrauber mit Trinkwasser und Lebensmitteln versorgt, teils versuchten Soldaten, zu Fuß in diese Orte zu gelangen. 

Blick auf die überschwemmte Ravne na Koroškem, rund 60 Kilometer nordöstlich von Sloweniens Hauptstadt Ljubljana.

Viele Menschen bleiben weiter in provisorischen Notunterkünften. Wegen der Überschwemmung am Fluss Mur nach einem Dammbruch waren am Samstagabend laut „dpa“ 500 Menschen aus dem Dorf Dolnja Bistrica im Osten des Landes evakuiert worden. Man versuche nun, per Hubschrauber das mehrere Meter breite Loch am Damm mit Betonblöcken abzudichten. 

Wegen drohender Erdrutsche wurden zudem 110 Menschen bei Koroska Bela und entlang des Flusses Meza nahe der Grenze zu Österreich in Sicherheit gebracht. Am Samstag hatte es bereits in vielen Orten Erdrutsche gegeben.

Nach heftigen Niederschlägen und Überschwemmungen in Österreich drohen Erdrutsche

Update am Sonntag, 6. August, 10 Uhr: In Österreich gibt es nach den Überschwemmungen im Süden noch keine Entspannung. Zwar hat der Regen in den betroffenen Gebieten im Süden des Landes seit Samstag deutlich nachgelassen, doch es drohen nun mehrere völlig aufgeweichte Hänge abzurutschen, wie die Feuerwehr am Sonntag berichtete.

Überschwemmungen in Österreich und Slowenien: Weiterhin keine Entwarnung

Erstmeldung am Samstag, 5. August: Aufgrund der Überschwemmungen sind mehrere Ortschaften von der Versorgung abgeschnitten. Hunderte Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, unter anderem wegen eines Erdrutsches in Dravograd, Slowenien, nahe der Grenze zu Österreich. In Slowenien hat es laut des slowenischen Ministerpräsidenten Robert Golob die „wahrscheinlich größten Schäden durch eine Naturkatastrophe in der Geschichte des unabhängigen Sloweniens“ seit 1991 gegeben. Drei Menschen sind wohl bei den Unwettern in Slowenien ums Leben gekommen.

Katastrophenschutz in Slowenien im Einsatz: Wohl drei Tote und massive Schäden durch Unwetter und Überschwemmungen

Die slowenische Polizei ermittelte am Samstag noch, ob drei Todesfälle mit den Unwettern und Überschwemmungen in Zusammenhang stehen.

Katastrophenschützer versorgen Menschen in vom Wasser abgeschnittenen Orten mit Nahrungsmitteln. Der Katastrophenschutz meldete innerhalb von 36 Stunden landesweit mehr als 3700 Einsätze in Slowenien. Unter anderem wurden Menschen gerettet, die sich auf Bäumen oder Hausdächern in Sicherheit gebracht hatten. Tankwagen mussten Trinkwasser in viele Ortschaften liefern, weil Wasserleitungen durch die Überschwemmungen beschädigt worden waren.

Tausende Feuerwehrleute und Dutzende Soldaten nach Überschwemmungen in Österreich im Einsatz

In den südlichen österreichischen Bundesländern Kärnten und Steiermark drohten in der Nacht nach neuen heftigen Regenfällen weitere Überschwemmungen. Mehr als 2500 Feuerwehrleute waren in jedem der Bundesländer im Einsatz, dazu Dutzende Soldaten, berichtet die „dpa“. Am Samstagmorgen gibt es noch immer keine Entwarnung.

Blick auf das überschwemmte Gebiet um das Freibad in Leibnitz in der Steiermark.

In Österreich mussten zwei Campingplätze geräumt werden. Einwohner und Urlauber stehen auch am Samstag massiv im Stau, weil Autobahnen und Ausweichstraßen teils gesperrt sind. Es wird empfohlen, dennoch auf den Autobahnen zu bleiben, da viele Landstraßen überschwemmt und unpassierbar sind.

Größte Schäden durch Naturkatastrophe in Slowenien seit 1991: „Mehr als 500 Millionen Euro“

Der Ministerpräsident Robert Golob sprach am Freitagabend von den „wahrscheinlich größten Schäden durch eine Naturkatastrophe in der Geschichte des unabhängigen Sloweniens“, berichtete „STA“. Slowenien wurde 1991 unabhängig. Er bezifferte den Sachschaden am Samstag auf „mehr als 500 Millionen Euro“.

In Dravograd nahe der Grenze zu Österreich mussten nach einem Erdrutsch am Samstag 110 Menschen, darunter 30 Touristen, in Sicherheit gebracht werden. Dort drohte ein weiterer Erdrutsch. Der Ort liegt am Zusammenfluss der drei anschwellenden Flüsse Drau, Meze und Mislinje. Bürgermeister Anton Preksavec sprach von einer „Apokalypse wahrhaft biblischen Ausmaßes“, wie STA berichtete.

Auch in Deutschland wird das Wetter aufgrund des Klimawandels immer extremer. Sintflutartiger Regen und Überschwemmungen wird es in naher Zukunft wohl häufiger geben. Wetter-Experte Jörg Kachelmann erklärt gegenüber echo24.de: Eine „wärmere Welt wird in der Summe eine nassere Welt“.

Rubriklistenbild: © Luka Dakskobler / dpa

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